Die ver­säum­te Kla­ge­frist – und der Lauf der Wie­der­ein­set­zungs­frist

Bei der Ver­säu­mung der Klag­frist bedarf es kei­ner ent­spre­chen­den aus­drück­li­chen gericht­li­chen Mit­tei­lung über die Frist­ver­säum­nis.

Die ver­säum­te Kla­ge­frist – und der Lauf der Wie­der­ein­set­zungs­frist

Nach § 56 Abs. 1 FGO ist jeman­dem auf Antrag Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zu gewäh­ren, wenn er ohne Ver­schul­den ver­hin­dert war, die gesetz­li­che Frist ein­zu­hal­ten. Der Antrag ist nach § 56 Abs. 2 Satz 1 FGO bin­nen zwei Wochen nach Weg­fall des Hin­der­nis­ses zu stel­len und zu begrün­den. Inner­halb die­ser Frist hat eine schlüs­si­ge Dar­stel­lung aller ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen zu erfol­gen, aus denen sich eine schuld­lo­se Ver­hin­de­rung des Recht­su­chen­den oder sei­nes Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten erge­ben soll 1. Ein Ver­schul­den des Bevoll­mäch­tig­ten ist dem Ver­tre­te­nen zuzu­rech­nen 2.

Bei der Ver­säu­mung der Klag­frist bedarf es kei­ner ent­spre­chen­den aus­drück­li­chen gericht­li­chen Mit­tei­lung über die Frist­ver­säum­nis 3. Denn die Sor­ge um die Ein­hal­tung der Kla­ge­frist und die recht­zei­ti­ge Stel­lung eines gege­be­nen­falls gebo­te­nen Wie­der­ein­set­zungs­an­trags obliegt nicht dem Gericht, son­dern dem Klä­ger und sei­nem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten 4.

Unter­lässt der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te die Prü­fung der recht­zei­ti­gen Kla­ge­er­he­bung anhand der ihm zuge­gan­ge­nen Ein­gangs­mit­tei­lung des Gerichts, so han­delt er schuld­haft 3.

Die Antrags­frist begann vor­lie­gend somit bereits mit dem Zugang der Ein­gangs­mit­tei­lung des Finanz­ge­richts, da der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te aus der Mit­tei­lung über das Ein­gangs­da­tum der Kla­ge erken­nen konn­te, dass die Kla­ge­frist nicht ein­ge­hal­ten wor­den war. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Klä­ge­rin durf­te des­halb aus der Auf­for­de­rung des Gerichts, die Kla­ge zu begrün­den, nicht den Schluss zie­hen, die Kla­ge­frist sei gewahrt. Die Antrags­frist des § 56 Abs. 2 Satz 1 FGO ende­te damit 2 Wochen nach dem Zugang der Ein­gangs­mit­tei­lung.

Es kommt auch kei­ne Wie­der­ein­set­zung in die Wie­der­ein­set­zungs­frist des § 56 Abs. 2 Satz 1 FGO in Betracht. Zwar ist auch bei Ver­säu­mung der Frist des § 56 Abs. 2 Satz 1 FGO grund­sätz­lich eine Wie­der­ein­set­zung mög­lich. Die­se muss aber eben­falls bin­nen zwei Wochen nach Weg­fall des Hin­der­nis­ses unter Anga­be der begrün­den­den Tat­sa­chen bean­tragt wer­den. Auch die­se (wei­te­re) Wie­der­ein­set­zungs­frist hat der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te schuld­haft ver­strei­chen las­sen, indem er auf den schrift­li­chen Hin­weis des Gerichts vom 18.03.2014 über den Ein­gang der Klag­schrift (erst) am 08.01.2014 nicht reagier­te.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 18. August 2014 – 3 K 11/​14

  1. BFH, Beschlüs­se vom 22.11.2008 – II S 15/​08 (PKH), juris; vom 25.03.2003 – I B 166/​02, BFH/​NV 2003, 1193[]
  2. BFH, Beschluss vom 28.03.2014 – IX B 115/​13, BFH/​NV 2014, 896[]
  3. BFH, Beschluss vom 29.07.1997 – VII B 127/​97, BFH/​NV 1998, 64[][]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 19.05.2000 – VIII B 13/​00, BFH/​NV 2000, 1358[]