Die zeit­wei­se geschlos­se­nen Augen des bei­sit­zen­den Rich­ters

Ein Gericht ist auch bei zeit­wei­se geschlos­se­nen Augen des bei­sit­zen­den Rich­ters ord­nungs­ge­mäß besetzt.

Die zeit­wei­se geschlos­se­nen Augen des bei­sit­zen­den Rich­ters

Ein Gericht ist nicht vor­schrifts­mä­ßig besetzt, wenn ein Rich­ter wäh­rend der münd­li­chen Ver­hand­lung schläft und des­halb wesent­li­chen Vor­gän­gen nicht folgt 1.

Mer­ke: Es ist egal, ob ein Rich­ter in der Ver­hand­lung schläft oder nicht. Haupt­sa­che, er schnarcht nicht.

Dass die­se Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, kann im All­ge­mei­nen jedoch erst dann ange­nom­men wer­den, wenn siche­re Anzei­chen für das Schla­fen wie bei­spiels­wei­se tie­fes, hör­ba­res und gleich­mä­ßi­ges Atmen oder gar Schnar­chen oder ein­deu­ti­ge Anzei­chen von feh­len­der Ori­en­tie­rung gerügt wer­den 2. Denn ein Rich­ter kann dem Vor­trag wäh­rend der münd­li­chen Ver­hand­lung auch mit (vor­über­ge­hend) geschlos­se­nen Augen und geneig­tem Kopf fol­gen.

Des­halb muss der­je­ni­ge, der sich dar­auf beruft, ein Gericht sei wegen eines in der münd­li­chen Ver­hand­lung ein­ge­schla­fe­nen Rich­ters nicht ord­nungs­ge­mäß besetzt gewe­sen, kon­kre­te Tat­sa­chen vor­tra­gen, wel­che eine Kon­zen­tra­ti­on des Rich­ters auf wesent­li­che Vor­gän­ge in der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­schlie­ßen 3.

Im hier ent­schie­de­nen Fall sah der Bun­des­fi­nanz­hof die Rüge des § 119 Nr. 1 FGO als nicht ord­nungs­ge­mäß erho­ben: b)) Aus der Begrün­dung erge­ben sich hier­für kei­ne Anzei­chen. Die Klä­ge­rin trägt selbst vor, es ent­zie­he sich ihrer Kennt­nis, ob der bei­sit­zen­de Rich­ter – X ein­ge­nickt sei oder nicht. Allein aus der Tat­sa­che, dass die­ser die Augen geschlos­sen hat­te, ergibt sich nicht, dass er wesent­li­che Vor­gän­ge in der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht hät­te auf­neh­men kön­nen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Janu­ar 2015 – XI B 88/​14

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Urteil vom 04.08.1967 – VI R 198/​66, BFHE 89, 183, BSt­Bl III 1967, 558, und BFH, Beschluss vom 19.10.2011 – IV B 61/​10, BFH/​NV 2012, 246[]
  2. BFH, Beschluss vom 16.06.2009 – X B 202/​08, BFH/​NV 2009, 1659[]
  3. BFH, Beschluss vom 17.02.2011 – IV B 108/​09, BFH/​NV 2011, 996[]