EGVP – und die qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur

Grund­sätz­lich ist ein Antrag auf PKH als Pro­zess­hand­lung gemäß § 142 Abs. 1 FGO i.V.m. § 117 Abs. 1 Satz 1 ZPO schrift­lich oder zu Pro­to­koll der Geschäfts­stel­le zu stel­len 1.

EGVP – und die qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur

§ 52a Abs. 1 FGO lässt ‑anstel­le der Schrift­form- die Über­mitt­lung von elek­tro­ni­schen Doku­men­ten nach Maß­ga­be von Rechts­ver­ord­nun­gen des Bun­des oder des jewei­li­gen Lan­des zu. Nach § 52a Abs. 1 Satz 3 FGO ist dabei für Doku­men­te, die einem schrift­lich zu unter­zeich­nen­den Schrift­stück gleich­ste­hen, eine qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur nach § 2 Nr. 3 SigG vor­zu­schrei­ben.

Für den Bun­des­fi­nanz­hof hat die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt und beim Bun­des­fi­nanz­hof vom 26.11.2004 2 die Über­mitt­lung elek­tro­ni­scher Doku­men­te zuge­las­sen. Aller­dings begrün­det § 52a Abs. 1 Satz 3 FGO die Oblie­gen­heit zur Ver­wen­dung einer qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur nicht unmit­tel­bar, son­dern ent­hält eine Ver­pflich­tung für den Ver­ord­nungs­ge­ber.

Der II. Senat des Bun­des­fi­nanz­hof geht – anders als, aller­dings nicht tra­gend, der VII. Senat 3 – davon aus, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber die­se Vor­ga­be bis­her nicht umge­setzt hat, da die Ver­ord­nung zwar in § 2 Abs. 3 bestimm­te Anfor­de­run­gen an die qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur stel­le, aber kei­ne aus­drück­li­che Pflicht zur Ver­wen­dung einer sol­chen Signa­tur begrün­de 4.

Der hier ent­schei­den­de X. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs muss­te im vor­lie­gen­den Streit­fall man­gels Begründ­etheit des Antrags nicht ent­schei­den, ob er sich der Aus­le­gung des II. Bun­des­fi­nanz­hofs, mit der die Anfor­de­run­gen an die qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur in § 2 Abs. 3 der Ver­ord­nung und damit die­se Vor­schrift selbst über­flüs­sig wer­den, anschlie­ßen könn­te, ob wid­ri­gen­falls aber die Antrag­stel­ler zumin­dest Gele­gen­heit erhal­ten müss­ten, inso­weit die Vor­aus­set­zun­gen der Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zu schaf­fen.

Inso­weit lässt der X. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs aus­drück­lich offen, ob der nicht mit qua­li­fi­zier­ter elek­tro­ni­scher Signa­tur ver­se­he­ne PKH-Antrag den for­mel­len Anfor­de­run­gen an einen ord­nungs­ge­mä­ßen Antrag ent­spricht oder ob ggf. in die­sem Punkt eine Wie­der­ein­set­zung in Betracht kom­men könn­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 19. Febru­ar 2016 – X S 38/​15 (PKH)

  1. hin­sicht­lich der Schrift­form aus­drück­lich Schwarz in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler ‑HHSp‑, § 142 FGO Rz 129; Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 142 FGO Rz 7; Gräber/​Stapperfend, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 142 Rz 58[]
  2. BGBl I 2004, 3091[]
  3. BFH, Beschluss vom 14.09.2005 – VII B 138/​05, BFH/​NV 2006, 104[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 30.03.2009 – II B 168/​08, BFHE 224, 401, BSt­Bl II 2009, 670[]