Ein Kla­vier für das Arbeits­zim­mer des Leh­rers

Wäh­rend in eini­gen Bun­des­län­dern die Schü­ler noch in vol­len Zügen die Som­mer­fe­ri­en genie­ßen, hat z.B. in Nord­rhein-West­fa­len am Mitt­woch bereits wie­der die Schu­le begon­nen. So konn­te man ver­mehrt in den letz­ten Tagen beob­ach­ten, wie diver­se Vor­be­rei­tun­gen für das begin­nen­de Schul­jahr getrof­fen wur­den und beson­ders alle erfor­der­li­chen Mate­ria­li­en für den Schul­un­ter­richt besorgt wur­den.

Ein Kla­vier für das Arbeits­zim­mer des Leh­rers

Aber nicht nur die Schü­ler, son­dern auch die Leh­rer berei­ten sich auf den kom­men­den Schul­all­tag vor. So haben sich die Aus­übung der Tätig­kei­ten eines Leh­rers in den letz­ten Jahr­zehn­ten geän­dert und sowohl der Unter­richt selbst als auch die Unter­richts­vor­be­rei­tung haben sich stark gewan­delt. Den­noch berech­tigt das einen Musik­leh­rer nicht, ein Kla­vier für sein häus­li­ches Arbeits­zim­mer zu for­dern. Er kann von sei­nem Dienst­herrn nicht ver­lan­gen, dass die­ser ihm ein Arbeits­zim­mer nebst not­wen­di­gen Büro­ma­te­ria­li­en unent­gelt­lich zur Ver­fü­gung stellt. Wie das Nie­der­säch­si­che Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg fest­ge­stellt hat, besteht – auch wenn die Arbeits­be­din­gun­gen im Schul­ge­bäu­de für die außer­un­ter­richt­li­chen Auf­ga­ben eines Leh­rers wie das Vor- und Nach­be­rei­ten des Unter­richts und das Kor­ri­gie­ren von Klau­su­ren nicht ide­al sind – kein Anspruch gegen den Dienst­herrn auf Ein­rich­tung eines Dienst-/Ar­beits­zim­mers bzw. auf Auf­wen­dungs­er­satz. Geklagt hat­te ein Ober­stu­di­en­rat, der an einem Gym­na­si­um die Fächer Musik und Che­mie unter­rich­tet. Nach sei­ner Mei­nung sei die Nut­zung der Arbeits­mit­tel und Arbeits­räu­me in der Schu­le ange­sichts der hohen Kol­le­gen­zahl, der gerin­gen Anzahl der Medi­en und der nur ein­ge­schränkt ver­füg­ba­ren Räum­lich­kei­ten erheb­lich erschwert. Dar­über hin­aus sei eine ruhi­ge Umge­bung zur Unter­richts­vor­be­rei­tung im Leh­rer­zim­mer oder in frei­en Klas­sen­räu­men nur unter schwie­ri­gen Umstän­den mög­lich. Nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ist der Leh­rer nicht dadurch uner­träg­lich belas­tet, dass der Dienst­herr ihm kein Arbeits­zim­mer zur Ver­fü­gung stellt und ihm auch die Anschaf­fung eines Kla­viers und einer Ste­reo­an­la­ge für sein häus­li­ches Arbeits­zim­mer abge­lehnt hat. Es besteht kei­ne Ver­pflich­tung des Dienst­herrn, dem Klä­ger ein Arbeits­zim­mer ein­zu­rich­ten. Der betref­fen­de Leh­rer erle­digt ‑wie alle Leh­rer – sei­ne
außer­un­ter­richt­li­chen Auf­ga­ben an einem häus­li­chen Arbeits­platz, den er auf eige­ne Kos­ten aus­ge­stat­tet hat. Eine zusätz­li­che Arbeits­aus­stat­tung kann außer­dem als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten steu­er­lich gel­tend gemacht wer­den.

Um die Kos­ten für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer von der Steu­er abset­zen zu kön­nen, müs­sen aber eini­ge Bedin­gun­gen erfüllt sein: So darf für die beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung ste­hen, der auch tat­säch­lich genutzt wer­den kann und nicht sanie­rungs­fä­hig ist. Es dür­fen nach einem Urteil des Bun­des­fi­nanz­ho­fes 1 weder Bau­män­gel noch Gesund­heits­ge­fah­ren vor­han­den sein, die eine Nut­zung des Arbeits­zim­mers umög­lich machen. Dann steht der Gel­tend­ma­chung von Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer in der Steu­er­erklä­rung nichts mehr ent­ge­gen.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. Febru­ar 2012 – 5 LC 206/​10

  1. BFH, Urteil vom 26.02.2014 – VI R 11/​12[]