Ein­be­zie­hung eines Rich­tig­stel­lungs­be­schei­des in ein anhän­gi­ges Kla­ge­ver­fah­ren

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung kann ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid eine Viel­zahl selb­stän­di­ger und damit auch selb­stän­dig anfecht­ba­rer Fest­stel­lun­gen ent­hal­ten, die eigen­stän­dig in Bestands­kraft erwach­sen und des­halb für die in dem näm­li­chen Bescheid getrof­fe­nen und recht­lich nach­ge­la­ger­ten Fest­stel­lun­gen Bin­dungs­wir­kung ent­fal­ten kön­nen.

Ein­be­zie­hung eines Rich­tig­stel­lungs­be­schei­des in ein anhän­gi­ges Kla­ge­ver­fah­ren

Wird danach nur eine der in einem Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid ent­hal­te­nen selb­stän­di­gen Fest­stel­lun­gen mit der Kla­ge ange­foch­ten, kann wäh­rend der Rechts­hän­gig­keit die­ser Kla­ge der Streit­ge­gen­stand im Wege einer Kla­ge­än­de­rung i.S. des § 67 FGO nur dann auf eine wei­te­re selb­stän­di­ge Fest­stel­lung erstreckt wer­den, wenn die­se Kla­ge­än­de­rung inner­halb der ein­mo­na­ti­gen Kla­ge­frist erfolgt 1.

Die pro­zes­sua­le Selb­stän­dig­keit der ein­zel­nen Besteue­rungs­grund­la­gen eines Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheids kommt auch im Anwen­dungs­be­reich des § 68 FGO zum Tra­gen, wenn der mit der Kla­ge ange­foch­te­ne Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid geän­dert oder ersetzt wird, bzw. ein neu­er Ver­wal­tungs­akt, vor­lie­gend die Rich­tig­stel­lungs­be­schei­de, an die Stel­le eines ange­foch­te­nen unwirk­sa­men Bescheids, hier die Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­de, tritt. § 68 FGO setzt vor­aus, dass bei­de Beschei­de "die­sel­be Steu­er­sa­che", d.h. die­sel­ben Betei­lig­ten und den­sel­ben Besteue­rungs­ge­gen­stand betref­fen. Ein nach­träg­lich geän­der­ter Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid bzw. ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid, der an die Stel­le eines unwirk­sa­men Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheids tritt, wird nach § 68 FGO nur hin­sicht­lich der bereits zuläs­sig mit der Kla­ge ange­foch­te­nen Besteue­rungs­grund­la­gen (par­ti­ell) Gegen­stand des anhän­gi­gen Ver­fah­rens 2. Wird eine in einem nach­träg­li­chen Ände­rungs­be­scheid geän­der­te Besteue­rungs­grund­la­ge nicht nach § 68 FGO Gegen­stand des Kla­ge­ver­fah­rens, kann der Steu­er­pflich­ti­ge aller­dings inner­halb der ein­mo­na­ti­gen Ein­spruchs­frist bei der Finanz­be­hör­de Ein­spruch ein­le­gen 3.

Auch durch den Erlass der Rich­tig­stel­lungs­be­schei­de ist der Gegen­stand der Kla­ge, die im vor­lie­gen­den Fall zunächst nur auf die Auf­he­bung der Fest­stel­lung des Ver­äu­ße­rungs­ge­winns gerich­tet war, nicht erwei­tert wor­den. Eine Ein­be­zie­hung wei­te­rer, bis­her nicht ange­foch­te­ner, selb­stän­di­ger Fest­stel­lun­gen – hier wei­te­re selb­stän­di­ge Besteue­rungs­grund­la­gen – war nach § 68 FGO aus­ge­schlos­sen. Die Rich­tig­stel­lungs­be­schei­de sind daher nur inso­weit gemäß § 68 FGO zum Gegen­stand des Ver­fah­rens gewor­den, als sie die Fest­stel­lung des Ver­äu­ße­rungs­ge­winns betra­fen.

Das Finanz­ge­richt hät­te daher über die Kla­ge nur bezüg­lich der Fest­stel­lung des Ver­äu­ße­rungs­ge­winns durch Sachur­teil ent­schei­den dür­fen. Bezüg­lich der ande­ren Fest­stel­lun­gen hät­te ein Pro­zes­sur­teil erge­hen müs­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 16. Juli 2015 – IV B 72/​14

  1. BFH, Urteil in BFHE 233, 290, BSt­Bl II 2011, 764[]
  2. BFH, Urtei­le vom 20.05.2010 – IV R 74/​07, BFHE 229, 71, BSt­Bl II 2010, 1104, und in BFHE 233, 290, BSt­Bl II 2011, 764[]
  3. vgl. BFH, Urteil in BFHE 233, 290, BSt­Bl II 2011, 764[]