Auf­he­bung des Ein­kom­men­steu­er­be­schei­des – und kei­ne Fol­gen für den Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid

Nach § 35b Abs. 1 GewStG ist der Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid oder Ver­lust­fest­stel­lungs­be­scheid von Amts wegen auf­zu­he­ben oder zu ändern, wenn der Ein­kom­men­steu­er­be­scheid, der Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid oder ein Fest­stel­lungs­be­scheid auf­ge­ho­ben oder geän­dert wer­den und die Auf­he­bung oder Ände­rung den Gewinn aus Gewer­be­be­trieb berührt.

Auf­he­bung des Ein­kom­men­steu­er­be­schei­des – und kei­ne Fol­gen für den Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid

Die­se Rege­lung bezweckt, unnö­ti­ge Dop­pel­ver­fah­ren zu ver­mei­den. Der Steu­er­pflich­ti­ge soll sich bei einem Streit um die Höhe des Gewinns aus Gewer­be­be­trieb dar­auf beschrän­ken kön­nen, den Ein­kom­men­steu­er- oder Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid anzu­fech­ten. Ist die­ser Rechts­be­helf erfolg­reich, so ver­pflich­tet die Norm grund­sätz­lich zu einer ent­spre­chen­den Fol­ge­än­de­rung bei der Gewer­be­steu­er 1.

Die Fol­ge­än­de­rung bei der Gewer­be­steu­er setzt vor­aus, dass die Ände­rung bei der Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zung bzw. der Gewinn­fest­stel­lung nach § 35b Abs. 1 Satz 2 GewStG die Höhe des Gewer­be­er­trags oder des vor­trags­fä­hi­gen Gewer­be­ver­lus­tes beein­flusst.

Erfolgt die Ände­rung oder Auf­he­bung des Ein­kom­men­steu­er- oder Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheids jedoch aus ver­fah­rens­recht­li­chen Grün­den ‑etwa auf­grund der Rege­lun­gen über die Fest­set­zungs- oder Fest­stel­lungs­ver­jäh­rung-, so liegt kei­ne Ände­rung oder Auf­he­bung mit Fol­ge­wir­kung auf die Höhe des Gewer­be­er­tra­ges vor. § 35b GewStG greift in die­sem Fall nicht ein 2.

So liegt es in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall: Das Finanz­amt hat­te in den ange­foch­te­nen Beschei­den über die Fest­stel­lung des vor­trags­fä­hi­gen Gewer­be­ver­lus­tes auf den 31.12 1998 bis 31.12 2000 und in den Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­den für die Jah­re 2001 und 2002 nicht nach § 35b Abs. 1 GewStG zu berück­sich­ti­gen, dass am 11.12 2008 geän­der­te Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­de für die Jah­re 1998 bis 2002 ergan­gen waren. Mit die­sen ergan­ge­nen Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­den waren die zuvor in Umset­zung der Ergeb­nis­se der Außen­prü­fung fest­ge­stell­ten Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb rück­gän­gig gemacht und wie­der Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung fest­ge­stellt wor­den.

Die­se Ände­run­gen der Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­de erfolg­ten jedoch nur des­halb, weil das Finanz­amt den Ein­tritt der Fest­stel­lungs­ver­jäh­rung wegen einer für die Ablauf­hem­mung unzu­rei­chen­den Bezeich­nung des Gegen­stan­des der vor­ge­nom­me­nen Außen­prü­fung ange­nom­men hat­te. Die Ände­run­gen der Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­de erfolg­ten dem­nach nur aus ver­fah­rens­recht­li­chen Grün­den und füh­ren des­halb nicht zur Anpas­sung der gewer­be­steu­er­recht­li­chen Ver­wal­tungs­ak­te nach § 35b GewStG.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Juli 2016 – IV R 34/​13

  1. vgl. BFH, Urteil vom 13.11.1991 – X R 48/​91, BFHE 166, 367, BSt­Bl II 1992, 351[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 166, 367, BSt­Bl II 1992, 351, sowie vom 24.06.2009 – X R 36/​06, BFHE 225, 407, BSt­Bl II 2010, 171[]