Außen­prü­fung bei Über­schus­s­ein­künf­ten – und die Urteils­grün­de

Mit dem Umfang der Begrün­dungs­pflicht eines finanz­ge­richt­li­chen Urteils, wenn über eine Prü­fungs­an­ord­nung wegen umfang­rei­cher und viel­ge­stal­ti­ger Ein­künf­te sowie schwan­ken­der Kapi­tal­ein­künf­te und pri­va­ter Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te gestrit­ten wird, hat­te sich aktu­ell der Bun­des­fi­nanz­hof zu befas­sen:

Außen­prü­fung bei Über­schus­s­ein­künf­ten – und die Urteils­grün­de

Die Fra­ge, ob ein Finanz­ge­richt sich der Behaup­tung des Finanz­amt, eine Außen­prü­fung sei erfor­der­lich, anschlie­ßen kann, ohne sei­ne Auf­fas­sung umfäng­lich und eigen­stän­dig zu begrün­den, ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers nicht grund­sätz­lich bedeut­sam.

Der Sache nach rügt der Klä­ger mit sei­nem Vor­brin­gen, das Finanz­ge­richt habe eine Außen­prü­fung "ins Blaue hin­ein" ohne eige­ne Über­prü­fung gebil­ligt, einen Ver­fah­rens­feh­ler (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO), näm­lich den abso­lu­ten Revi­si­ons­grund, dass das Finanz­ge­richt, Urteil "nicht mit Grün­den ver­se­hen ist" (§ 119 Nr. 6 FGO). Die Wie­der­ga­be der Ent­schei­dungs­grün­de dient der Mit­tei­lung der wesent­li­chen recht­li­chen Erwä­gun­gen, die aus der Sicht des Gerichts für die getrof­fe­ne Ent­schei­dung maß­geb­lich waren. Ein Feh­len von Ent­schei­dungs­grün­den i.S. von § 119 Nr. 6 FGO liegt des­halb nur vor, wenn den Betei­lig­ten die Mög­lich­keit ent­zo­gen ist, die getrof­fe­ne Ent­schei­dung auf ihre Rich­tig­keit zu über­prü­fen1.

Das trifft indes­sen nicht zu, denn das Finanz­ge­richt hat kei­ne Prü­fungs­punk­te über­gan­gen2, son­dern die umfang­rei­chen Über­le­gun­gen der Ein­spruchs­ent­schei­dung refe­riert und sich ihnen trotz "Ein­las­sung des Klä­gers in der münd­li­chen Ver­hand­lung" ange­schlos­sen.

Das Finanz­ge­richt hät­te inso­weit sogar anstel­le einer Dar­stel­lung der Ent­schei­dungs­grün­de mit einem Satz auf die ‑im Streit­fall umfang­rei­che- Ein­spruchs­ent­schei­dung ver­wei­sen kön­nen (§ 105 Abs. 5 FGO). Wei­te­rer Dar­le­gun­gen bedurf­te es jeden­falls nicht, denn die Prü­fungs­wür­dig­keit (§ 193 Abs. 2 Nr. 2 der Abga­ben­ord­nung ‑AO-) liegt auf der Hand, ohne dass es auf "Anhalts­punk­te für 'Steu­er­erklä­rungs­de­fi­zi­te'" oder Zwei­fel an der Steu­er­ehr­lich­keit des Klä­gers ankä­me. Ange­sichts des gro­ßen und viel­fäl­ti­gen Ver­mö­gens des Klä­gers sowie der hohen Kom­ple­xi­tät des deut­schen Ein­kom­men­steu­er­rechts und ins­be­son­de­re auch der gesetz­li­chen Ände­run­gen bei den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen im Jahr 2009 könn­ten sich z.B. wegen anschaf­fungs­na­hem Auf­wand (§ 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG), der Ermitt­lung des Gewinns aus pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­ten (§ 23 EStG) oder einer unzu­tref­fen­den Beur­tei­lung von Betriebs- als Pri­vat­ver­mö­gen trotz red­li­cher Erklä­rung erheb­li­che Mehr­steu­ern erge­ben.

Die grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Rechts­sa­che folgt auch nicht dar­aus, dass das Finanz­amt ‑wie der Klä­ger meint- Kapi­tal­erträ­ge über­prü­fen wol­le, die der sog. Abgel­tungs­steu­er (§ 32d Abs. 1 EStG) unter­le­gen hät­ten, obwohl der­ar­ti­ge Kapi­tal­erträ­ge in die Ermitt­lung der Über­schus­s­ein­künf­te i.S. des § 147a AO nicht ein­zu­be­zie­hen sei­en und Auf­zeich­nun­gen sowie Unter­la­gen dazu nicht nach § 147a AO auf­be­wahrt wer­den müss­ten. Denn die vom Klä­ger zu § 147a AO bezeich­ne­ten Fra­gen könn­ten in einem Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht geklärt wer­den. Die erst­mals für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2010 anzu­wen­den­de Vor­schrift des § 147a AO3 ist weder vom Finanz­amt noch vom Finanz­ge­richt her­an­ge­zo­gen wor­den und wäre in einem Revi­si­ons­ver­fah­ren schon des­halb nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich, weil nur über die Prü­fungs­an­ord­nung, nicht aber über die Auf­be­wah­rungs­pflich­ten des Klä­gers gestrit­ten wird.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2017 – III B 109/​16

  1. BFH, Urteil vom 09.12 2002 – VIII R 41/​01, BFH/​NV 2003, 604 []
  2. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 28.08.2014 – X B 182/​13, BFH/​NV 2014, 1899, betref­fend nicht gewür­dig­te Zeu­gen­aus­sa­ge; vom 09.02.2017 – X B 49/​16, BFH/​NV 2017, 721, betref­fend feh­len­de Ermitt­lung des Gesamt­be­trags der Ein­künf­te []
  3. Drüen in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 147a AO Rz 4 []