Der Streit um den Ver­lust­vor­trag – und der Streit­wert

In Ver­fah­ren vor den Gerich­ten der Finanz­ge­richts­bar­keit ist der Streit­wert, soweit nichts ande­res bestimmt ist, nach der sich aus dem Antrag des Klä­gers für ihn erge­ben­den Bedeu­tung der Sache nach Ermes­sen zu bestim­men (§ 52 Abs. 1 GKG).

Der Streit um den Ver­lust­vor­trag – und der Streit­wert

Der Streit­wert eines Ver­fah­rens, das die geson­der­te Fest­stel­lung des ver­blei­ben­den Ver­lust­vor­trags zur Ein­kom­men­steu­er betrifft, ist ‑soweit mög­lich- nach den tat­säch­li­chen kon­kre­ten ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen zu bestim­men. Nur wenn eine sol­che kon­kre­te Streit­wert­ermitt­lung nicht mög­lich ist, sind pau­schal 10 % des strei­ti­gen Ver­lusts anzu­set­zen 1.

Bei der Ermitt­lung der danach maß­ge­ben­den kon­kre­ten ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen sind Fol­ge­steu­ern nicht zu berück­sich­ti­gen. So ergibt sich aus den Streit­wert­be­rech­nun­gen, die in den BFH, Beschlüs­sen in BFH/​NV 2006, 1112 sowie BFH/​NV 2008, 1336 vor­ge­nom­men wur­den, dass dort nur die ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen ein­be­zo­gen wur­den, nicht aber die Aus­wir­kun­gen auf den Soli­da­ri­täts­zu­schlag, obwohl die­ser in den dort maß­ge­ben­den Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men erho­ben wur­de. Dies kor­re­spon­diert mit der stän­di­gen höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung, wonach bei der Streit­wert­be­mes­sung selb­stän­di­ge Steu­ern, die an die Ein­kom­men­steu­er anknüp­fen (z.B. die Kir­chen­steu­er oder heu­te nicht mehr erho­be­ne Abga­ben wie das Not­op­fer Ber­lin oder die Ergän­zungs­ab­ga­be bzw. der Sta­bi­li­täts­zu­schlag zur Ein­kom­men­steu­er), nicht zu berück­sich­ti­gen sind 2.

Bei einem Kla­ge- oder Rechts­mit­tel­ver­fah­ren, das die Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb betrifft, des­sen Streit­ge­gen­stand aber nur die Ein­kom­men­steu­er ‑bzw. hier den Ver­lust­vor­trag zur Einkommensteuer‑, nicht jedoch den Gewer­be­steu­er­mess­be­trag oder Gewer­be­ver­lust umfasst, blei­ben etwai­ge gewer­be­steu­er­li­che Aus­wir­kun­gen der geän­der­ten Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb außer Betracht. Dies ist in Bezug auf den Streit­wert eines Ver­fah­rens, das sich auf die geson­der­te Fest­stel­lung des ver­blei­ben­den Ver­lust­ab­zugs zur Kör­per­schaft­steu­er ‑ohne Ein­be­zie­hung des Gewer­be­steu­er­mess­be­trags oder Gewer­be­ver­lusts- bezog, bereits ent­schie­den wor­den 3. Für ein Rechts­mit­tel­ver­fah­ren, das sich auf die geson­der­te Fest­stel­lung des ver­blei­ben­den Ver­lust­ab­zugs zur Ein­kom­men­steu­er beschränkt, kann nichts ande­res gel­ten.

Eine Erhö­hung des Streit­werts nach § 52 Abs. 3 Satz 2 GKG auf­grund von offen­sicht­lich abseh­ba­ren Aus­wir­kun­gen auf künf­ti­ge Geld­leis­tun­gen ist nicht vor­zu­neh­men.

Nach ihrem kla­ren Wort­laut ist die Rege­lung des § 52 Abs. 3 Satz 2 GKG nur dann anwend­bar, wenn der Streit­wert sich nach § 52 Abs. 3 Satz 1 GKG bestimmt. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH ist der Streit­wert bei der Anfech­tung von Ver­lust­fest­stel­lungs­be­schei­den aber nicht nach § 52 Abs. 3 GKG, son­dern nach § 52 Abs. 1 GKG zu bestim­men 4. Zur Begrün­dung wird ange­führt, ein sol­cher Bescheid sei nicht auf eine Geld­leis­tung gerich­tet.

In der bis­he­ri­gen BFH-Recht­spre­chung zur Streit­wert­be­mes­sung bei Beschei­den über die geson­der­te Fest­stel­lung des ver­blei­ben­den Ver­lust­ab­zugs zur Ein­kom­men­steu­er ist die Fra­ge, ob § 52 Abs. 1 oder Abs. 3 GKG anzu­wen­den ist, zwar noch nicht aus­drück­lich ent­schie­den wor­den 5. Letzt­lich kann hier aber nichts ande­res als für die kör­per­schaft­steu­er­li­chen und gewer­be­steu­er­li­chen Ver­lust­vor­trä­ge gel­ten.

Die Dif­fe­renz zwi­schen der bis­her fest­ge­setz­ten Ein­kom­men­steu­er des Fol­ge­jah­res und der fik­ti­ven Ein­kom­men­steu­er, die sich bei einer Erhö­hung des fest­zu­stel­len­den ver­blei­ben­den Ver­lust­ab­zugs zur Ein­kom­men­steu­er um den von den Antrag­stel­lern begehr­ten Betrag erge­ben hät­te, stellt den Streit­wert dar.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. Janu­ar 2017 – X S 22/​16

  1. BFH, Beschlüs­se vom 26.01.2006 – VIII E 6/​05, BFH/​NV 2006, 1112; und vom 31.03.2008 – IX E 1/​08, BFH/​NV 2008, 1336; eben­so zur geson­der­ten Fest­stel­lung des ver­blei­ben­den Ver­lust­vor­trags zur Kör­per­schaft­steu­er BFH, Beschluss vom 05.05.2009 – I R 84/​07, BFH/​NV 2009, 1446; zur geson­der­ten Fest­stel­lung des vor­trags­fä­hi­gen Gewer­be­ver­lusts BFH, Beschluss vom 13.05.2013 – I E 4/​13, BFH/​NV 2013, 1449[]
  2. BFH, Beschlüs­se vom 30.03.1978 – IV R 207/​74, BFHE 124, 422, BSt­Bl II 1978, 347; vom 24.01.1979 – I R 91/​78, BFHE 127, 300, BSt­Bl II 1979, 441; und vom 16.03.1995 – VIII B 158/​94, BFH/​NV 1995, 680, unter 3.[]
  3. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2009, 1446, unter II. 5.[]
  4. zur geson­der­ten Fest­stel­lung des ver­blei­ben­den Ver­lust­ab­zugs zur Kör­per­schaft­steu­er BFH, Beschluss in BFH/​NV 2009, 1446; zur geson­der­ten Fest­stel­lung des vor­trags­fä­hi­gen Gewer­be­ver­lusts BFH, Beschlüs­se vom 28.12 2009 – IV E 1/​09, BFH/​NV 2010, 666, und in BFH/​NV 2013, 1449, Rz 13[]
  5. vgl. BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2006, 1112, und in BFH/​NV 2008, 1336[]