Die ein­deu­ti­ge Ent­nah­me­hand­lung

Ent­nah­men sind alle Wirt­schafts­gü­ter (Barent­nah­men, Waren, Erzeug­nis­se, Nut­zun­gen und Leis­tun­gen), die der Steu­er­pflich­ti­ge dem Betrieb für sich, für sei­nen Haus­halt oder für ande­re betriebs­frem­de Zwe­cke im Lau­fe des Wirt­schafts­jah­res ent­nom­men hat (§ 4 Abs. 1 Satz 2 EStG). Dies ist durch eine ein­deu­ti­ge Ent­nah­me­hand­lung, durch schlüs­si­ges Ver­fah­ren oder durch einen Rechts­vor­gang mög­lich.

Die ein­deu­ti­ge Ent­nah­me­hand­lung

Eine Ent­nah­me durch einen Rechts­vor­gang liegt immer dann vor, wenn sich die Rechts­zu­stän­dig­keit für das Wirt­schafts­gut ändert 1.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Das streit­be­fan­ge­ne land­wirt­schaft­lich genutz­te Grund­stück gehör­te vor sei­ner Auf­tei­lung in Mit­ei­gen­tums­an­tei­le im Ver­hält­nis 45/​100 zu 55/​100 zum land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs­ver­mö­gen des Mit­ei­gen­tü­mers. An der Zuge­hö­rig­keit des Grund­stücks zum Betriebs­ver­mö­gen hat sich durch die Tei­lungs­er­klä­rung vom Janu­ar 2011 nichts geän­dert. Es wur­de hier­durch nur in zwei selb­stän­di­ge Wirt­schafts­gü­ter geteilt 2.

Das Finanz­ge­richt Müns­ter 3 ist erst­in­stanz­lich zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass der Mit­ei­gen­tü­mer durch die Über­tra­gung des Mit­ei­gen­tums­an­teils von 45/​100 am Grund­stück nicht nur das recht­li­che, son­dern auch das wirt­schaft­li­che Eigen­tum hier­an ver­lo­ren hat. Da Betriebs­ver­mö­gen nur sol­che Wirt­schafts­gü­ter sein kön­nen, die dem Betriebs­in­ha­ber als eige­ne zuzu­rech­nen sind (§ 39 AO) 4, und die Über­eig­nung des Mit­ei­gen­tums­an­teils auf außer­be­trieb­li­chen (fami­liä­ren) Grün­den beruh­te, hat er das Grund­stück ent­spre­chend der Mit­ei­gen­tums­quo­te sei­nem Betriebs­ver­mö­gen ent­nom­men 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 5. Juli 2018 – VI R 67/​15

  1. z.B. BFH, Urtei­le vom 15.04.1993 – IV R 12/​91, BFH/​NV 1994, 87; und vom 26.01.1995 – IV R 39/​93, BFH/​NV 1995, 873, jeweils m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 18.03.1994 – III R 6/​92, BFH/​NV 1994, 780[]
  3. FG Müns­ter, Urteil vom 12.06.2015 – 4 K 4110/​13 E[]
  4. z.B. BFH, Urteil vom 22.04.2015 – X R 8/​13, BFH/​NV 2015, 1409, Rz 24[]
  5. zur Erfas­sung von Mit­ei­gen­tums­an­tei­len im Betriebs­ver­mö­gen s. BFH, Urtei­le vom 02.12 2004 – III R 77/​03, BFHE 208, 215, BSt­Bl II 2005, 340; und vom 08.03.1990 – IV R 60/​89, BFHE 160, 443, BSt­Bl II 1994, 559[]