Abschrei­bung für einen betrieb­lich genutz­ten Old­ti­mer

Kann die AfA für einen Jagu­ar E‑Type Bau­jahr 1973 als Betriebs­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den? Nach Ansicht des Finanz­ge­richts Baden-Würt­tem­berg jeden­falls nicht.

Abschrei­bung für einen betrieb­lich genutz­ten Old­ti­mer

Die AfA für den streit­ge­gen­ständ­li­chen Old­ti­mer ist für das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG nicht abzugs­fä­hig. Danach dür­fen Auf­wen­dun­gen für Jagd und Fische­rei, für Segel­jach­ten oder Motor­jach­ten sowie für ähn­li­che Zwe­cke den Gewinn nicht min­dern. Als "ähn­li­che Zwe­cke" sind nach der Über­zeu­gung des Finanz­ge­richts Baden-Würt­tem­berg auch Auf­wen­dun­gen für den streit­ge­gen­ständ­li­chen Old­ti­mer zu qua­li­fi­zie­ren, da die­ser eine ähn­li­che Nähe zur pri­va­ten Lebens­füh­rung auf­weist wie die übri­gen in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG genann­ten Auf­wen­dun­gen1.

Durch die Abzugs­ver­bo­te des § 4 Abs. 5 EStG woll­te der Gesetz­ge­ber die tat­säch­li­chen Schwie­rig­kei­ten, die bei der Abgren­zung zwi­schen dem betrieb­li­chen Bereich und der pri­va­ten Lebens­füh­rung auf­tre­ten, in pau­scha­lie­ren­der Wei­se lösen und Miss­bräu­chen des Steu­er­pflich­ti­gen vor­beu­gen. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG ord­net ein Abzugs­ver­bot für die dort bei­spiel­haft auf­ge­zähl­ten Reprä­sen­ta­ti­ons­auf­wen­dun­gen an, bei denen die Wahr­schein­lich­keit, dass sie die pri­va­te Lebens­füh­rung berüh­ren, auf der Hand liegt. Aus der Geset­zes­be­grün­dung ergibt sich, dass die in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG genann­ten Auf­wen­dun­gen gene­rell nicht abzieh­bar sein sol­len, weil sie nach Auf­fas­sung des Gesetz­ge­bers bereits ihrer Art nach als unan­ge­mes­se­ner Reprä­sen­ta­ti­ons­auf­wand anzu­se­hen sind2.

Auf­wen­dun­gen für die in der Vor­schrift genann­ten Zwe­cke sind vom Abzug aus­ge­schlos­sen, wenn sie einer sport­li­chen Betä­ti­gung, der Unter­hal­tung von Geschäfts­freun­den, der Frei­zeit­ge­stal­tung oder der Reprä­sen­ta­ti­on die­nen3. Das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg teilt nicht die Auf­fas­sung4, Kfz fie­len nicht unter § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG, da betrieb­lich genutz­te Trans­port­mit­tel nicht der Reprä­sen­ta­ti­on oder Frei­zeit­ge­stal­tung dien­ten und daher vom zweck­be­stimm­ten Anwen­dungs­be­reich der Nr. 4 nicht erfasst wür­den. Es ist nicht ersicht­lich, wes­halb ein Kraft­fahr­zeug nicht auch der Reprä­sen­ta­ti­on des Unter­neh­mens die­nen soll­te.

Es wider­sprä­che dem mit der Rege­lung ver­folg­ten Ver­ein­fa­chungs­zweck, wenn für die Fra­ge des Abzugs der in die­sem Zusam­men­hang anfal­len­den Kos­ten zu prü­fen wäre, ob Wer­be­zwe­cke im Vor­der­grund stan­den oder ob die Prä­sen­ta­ti­on der Unter­hal­tung von Geschäfts­freun­den oder der Befrie­di­gung einer Nei­gung des Unter­neh­mers bzw. der Gesell­schaf­ter der Kapi­tal­ge­sell­schaft dien­te. Die­se Abgren­zung, die – wenn über­haupt – nur unter Schwie­rig­kei­ten mög­lich ist, zu erüb­ri­gen, ist gera­de das Ziel der Vor­schrift. Das Abzugs­ver­bot des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG greift jeden­falls immer dann ein, wenn ein in der Vor­schrift genann­tes Wirt­schafts­gut in einer Wei­se ein­ge­setzt wird, die bei typi­sie­ren­der Betrach­tung dazu geeig­net ist, Geschäfts­freun­de zu unter­hal­ten oder pri­va­ten Nei­gun­gen nach­zu­ge­hen5. Ob dies im Ein­zel­fall tat­säch­lich gege­ben ist, ist nicht zu prü­fen6.

Nach die­sen Grund­sät­zen kommt im Streit­fall das Abzugs­ver­bot des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG zum Tra­gen, da die Auf­wen­dun­gen für den Old­ti­mer ihrer Art nach als unan­ge­mes­se­ner Reprä­sen­ta­ti­ons­auf­wand anzu­se­hen sind. Auf den (weni­gen) mit dem Kfz in den Streit­jah­ren unter­nom­me­nen Fahr­ten dien­te die­ses der Dar­stel­lung des Unter­neh­mens in der Öffent­lich­keit und damit Wer­be­zwe­cken. Ohne die­sen betrieb­li­chen Bezug ist die Nut­zung eines Jagu­ars E‑Type, Bau­jahr 1973 jedoch der Frei­zeit­ge­stal­tung zuzu­rech­nen. Ein sol­ches Kfz bie­tet einer­seits nicht den Kom­fort und den Sicher­heits­stan­dard eines Neu­wa­gens, ist ande­rer­seits aber geeig­net, infol­ge sei­nes äuße­ren Erschei­nungs­bil­des als Pro­to­typ eines Sport­wa­gens, sei­ner Moto­ri­sie­rung, der Sel­ten­heit im heu­ti­gen Stra­ßen­bild sowie sei­nes Alters ein Affek­ti­ons­in­ter­es­se beim Hal­ter aus­zu­lö­sen. Es ist nach der Über­zeu­gung des Finanz­ge­richts Baden-Würt­tem­berg bei typi­sie­ren­der Betrach­tung dazu geeig­net, Geschäfts­freun­de zu unter­hal­ten oder pri­va­ten Nei­gun­gen nach­zu­ge­hen.

Eine Aus­nah­me vom Abzugs­ver­bot käme selbst dann nicht in Betracht, wenn die Auf­wen­dun­gen zwar (typi­sie­rend) der Reprä­sen­ta­ti­on, Unter­hal­tung, Frei­zeit­ge­stal­tung oder sport­li­chen Betä­ti­gung die­nen, aber pri­va­te Nei­gun­gen des Unter­neh­mers durch betrieb­li­che Inter­es­sen in den Hin­ter­grund gedrängt wer­den7.

Das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg kann somit offen las­sen, ob die Zufüh­rung des Pkw zum Betriebs­ver­mö­gen der Klä­ge­rin bereits des­halb nicht betrieb­lich ver­an­lasst war, weil es sich um ein rei­nes Lieb­ha­ber­fahr­zeug han­del­te8.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 28. Febru­ar 2011 – 6 K 2473/​09

  1. zu Sport­flug­zeu­gen vgl. BFH, Urteil vom 07.02.2007 – I R 27−29÷05, BFH/​NV 2007, 1230 []
  2. BFH, Urteil vom 07.02.2007 – I R 27−29÷05, BFH/​NV 2007, 1230 []
  3. BFH, Urteil vom 03.02.1993 – I R 18/​92, BSt­Bl II 1993, 367; vom 10.05.2001 – IV R 6/​00, BSt­Bl II 2001, 575 []
  4. die sich auf Ada­mik, in: Herrmann/​Heuer/​Raupach, EStG, § 4 Anm. 1321 bezieht []
  5. BFH, Urteil vom 07.02.2007 I R 27−29÷05, BFH/​NV 2007, 1230 []
  6. Dürr, juris­PR-Steu­erR 25/​2007 Anm. 2 []
  7. BFH, Beschluss vom 22.12. 2008 III B 154/​07, BFH/​NV 2009, 579 []
  8. vgl. BFH, Beschluss vom 05.02.2007 IV B 73/​05, BFH/​NV 2007, 1106 []