Absen­kung der betrieb­li­chen PKW-Nut­zung

Ein PKW wird nicht dadurch aus dem Betriebs­ver­mö­gen ent­nom­men, dass der Anteil der betrieb­li­chen Nut­zung auf unter 10 % sinkt. Ver­min­dert sich der Umfang der betrieb­li­chen Nut­zung eines Kfz, das dem gewill­kür­ten Betriebs­ver­mö­gen eines Unter­neh­mens in einem frü­he­ren Ver­an­la­gungs­zeit­raum wegen einer mehr als 10 %igen betrieb­li­chen Nut­zung zuge­ord­net wur­de, in einem Fol­ge­jahr auf unter 10 %, so ändert dies an der Zuord­nung zum gewill­kür­ten Betriebs­ver­mö­gen nichts, weil eine sol­che Nut­zungs­än­de­rung allein kei­ne Ent­nah­me dar­stellt.

Absen­kung der betrieb­li­chen PKW-Nut­zung

Zum gewill­kür­ten Betriebs­ver­mö­gen kön­nen nur Wirt­schafts­gü­ter gehö­ren, die objek­tiv dazu geeig­net und erkenn­bar dazu bestimmt sind, den Betrieb zu för­dern 1.

Auch im Fall der Gewinn­ermitt­lung nach § 4 Abs. 3 EStG –wie im Streit­fall– kann gewill­kür­tes Betriebs­ver­mö­gen gebil­det wer­den, wenn das Wirt­schafts­gut zu min­des­tens 10 % betrieb­lich genutzt wird 2 und des­sen Zuord­nung unmiss­ver­ständ­lich, zeit­nah und unum­kehr­bar doku­men­tiert wird 3.

So kann die zeit­na­he Auf­nah­me des erwor­be­nen Wirt­schafts­guts in das betrieb­li­che Bestands­ver­zeich­nis (R 31 Abs. 1 EStR) aus­rei­chen und sich im Fal­le einer Gewinn­ermitt­lung nach § 4 Abs. 3 EStG sogar anbie­ten 4.

Der Steu­er­pflich­ti­ge trägt damit die Fest­stel­lungs­last, wenn er Betriebs­aus­ga­ben und Ver­lus­te im Zusam­men­hang mit gewill­kür­tem Betriebs­ver­mö­gen gel­tend macht 4.

Gehört ein Wirt­schafts­gut nach die­sen Grund­sät­zen zum gewill­kür­ten Betriebs­ver­mö­gen, so ver­liert es die­se Eigen­schaft nur durch eine Auf­lö­sung des sach­li­chen oder per­sön­li­chen Zusam­men­hangs mit dem Betrieb 5.

Der sach­li­che betrieb­li­che Zusam­men­hang wird –bei unver­än­der­ter sub­jek­ti­ver Zurech­nung des Wirt­schafts­guts– nur durch eine Ent­nah­me gelöst, die einen Ent­nah­me­wil­len und eine Ent­nah­me­hand­lung erfor­dert. Es muss sich um ein Ver­hal­ten han­deln, das nach außen den Wil­len des Steu­er­pflich­ti­gen erken­nen lässt, ein Wirt­schafts­gut nicht (mehr) für betrieb­li­che Zwe­cke im betrieb­li­chen Bereich, son­dern für pri­va­te Zwe­cke im pri­va­ten Bereich zu nut­zen, also es nicht mehr zur Erzie­lung von Betriebs­ein­nah­men, son­dern von Pri­vat­ein­nah­men (z.B. aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung) oder zu ein­kom­men­steu­er­recht­lich irrele­van­ten Zwe­cken ein­zu­set­zen 6.

Eine sol­che Ent­nah­me­er­klä­rung kann auch in einem schlüs­si­gen Ver­hal­ten lie­gen, durch das die Ver­knüp­fung des Wirt­schafts­guts mit dem Betriebs­ver­mö­gen erkenn­bar gelöst wird. Sie muss jedoch unmiss­ver­ständ­lich und von einem ent­spre­chen­den Ent­nah­me­wil­len getra­gen sein 7.

Dazu muss der Steu­er­pflich­ti­ge die sich aus der Ent­nah­me erge­ben­den Fol­ge­run­gen zie­hen und regel­mä­ßig den Gewinn aus der Ent­nah­me des Wirt­schafts­guts erklä­ren 8. Im Übri­gen muss sich die bis­he­ri­ge Nut­zung des Wirt­schafts­guts auf Dau­er so ändern, dass es –wie die Recht­spre­chung zur Pri­vat­nut­zung von Grund­stü­cken eines Betriebs­ver­mö­gens ent­schie­den hat– sei­ne Bezie­hung zum Betrieb ver­liert und dadurch zu not­wen­di­gem Pri­vat­ver­mö­gen wird 9.

Eine Nut­zungs­än­de­rung –wie hier– führt danach allein grund­sätz­lich nicht zu einer Ent­nah­me kraft schlüs­si­gen Ver­hal­tens 10.

Eine Nut­zungs­än­de­rung –wie sie im Streit­fall vom Finanz­amt wegen Absen­kung des betrieb­li­chen Nut­zungs­an­teils des PKW auf unter 10 % gel­tend gemacht wird– ist grund­sätz­lich nicht als Ent­nah­me kraft schlüs­si­gen Ver­hal­tens zu wer­ten. Eine Aus­nah­me macht die Recht­spre­chung nur für Nut­zungs­än­de­run­gen, die ihrer Art nach –anders als hier– auf Dau­er ange­legt sind 11.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. August 2012 – VIII R 11/​11

  1. vgl. BFH, Urteil vom 19.02.1997 – XI R 1/​96, BFHE 182, 567, BSt­Bl II 1997, 399[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 26.01.2011 – VIII R 19/​08, BFH/​NV 2011, 1311[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 02.10.2003 – IV R 13/​03, BFHE 203, 373, BSt­Bl II 2004, 985; vom 16.06.2004 – XI R 17/​03, BFH/​NV 2005, 173; vom 29.04.2008 – VIII R 67/​06, BFH/​NV 2008, 1662 zur Zuord­nung von Fahr­zeu­gen zum Betriebs­ver­mö­gen[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 203, 373, BSt­Bl II 2004, 985[][]
  5. BFH, Urteil vom 31.01.1985 – IV R 130/​82, BFHE 143, 335, BSt­Bl II 1985, 395, unter 2.a der Grün­de[]
  6. im Ein­zel­nen BFH, Urtei­le in BFHE 143, 335, BSt­Bl II 1985, 395; vom 14.05.2009 – IV R 44/​06, BFHE 225, 367, BSt­Bl II 2009, 811[]
  7. BFH, Urtei­le vom 07.02.2002 – IV R 32/​01, BFH/​NV 2002, 1135; in BFHE 225, 367, BSt­Bl II 2009, 811[]
  8. BFH, Urtei­le vom 21.08.1996 – X R 78/​93, BFH/​NV 1997, 226; in BFHE 225, 367, BSt­Bl II 2009, 811, m.w.N[]
  9. vgl. BFH, Urtei­le vom 14.02.2008 – IV R 44/​05, BFH/​NV 2008, 1156, unter II.03.b aa der Grün­de; vom 10.11.2004 – XI R 31/​03, BFHE 208, 180, BSt­Bl II 2005, 334, unter II.01. der Grün­de; vom 04.11.1982 – IV R 159/​79, BFHE 137, 294, BSt­Bl II 1983, 448, unter II.2. der Grün­de; zum Son­der­fall der Grund­stü­cke des not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gens nach § 4 Abs. 1 Satz 4 EStG, die nach Nut­zungs­än­de­rung als gewill­kür­tes [gedul­de­tes] Betriebs­ver­mö­gen zu berück­sich­ti­gen sind, vgl. BFH, Urteil vom 22.08.2002 – IV R 57/​00, BFHE 200, 236, BSt­Bl II 2003, 16[]
  10. vgl. BFH, Beschluss vom 01.02.2000 – IV B 138/​98, BFH/​NV 2000, 713, sowie BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2002, 1135; in BFHE 225, 367, BSt­Bl II 2009, 811[]
  11. BFH, Urtei­le vom 12.11.1964 – IV 99/​63 S, BFHE 81, 128, BSt­Bl III 1965, 46, m.w.N. zur Bebau­ung eines Betriebs­grund­stücks mit einem Wohn­haus zur dau­er­haf­ten allei­ni­gen Nut­zung durch den Betriebs­in­ha­ber; in BFHE 137, 294, BSt­Bl II 1983, 448[]