Abzin­sung von unver­zins­lich gewor­de­nen Ver­bind­lich­kei­ten

Ver­ein­ba­ren die Ver­trags­par­tei­en eines auf unbe­stimm­te Zeit gewähr­ten, ursprüng­lich ver­zins­li­chen Dar­le­hens zu einem spä­te­ren Zeit­punkt, dass die Über­las­sung der Dar­le­hens­sum­me nun­mehr unent­gelt­lich erfol­gen sol­le, han­delt es sich bei der Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung des Dar­le­hens­schuld­ners ab die­sem Zeit­punkt nicht mehr um eine i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 EStG 2002 "ver­zins­li­che" Ver­bind­lich­keit.

Abzin­sung von unver­zins­lich gewor­de­nen Ver­bind­lich­kei­ten

Ob etwas ande­res gilt, wenn bei einem auf bestimm­te Zeit gewähr­ten Dar­le­hen Zin­sen von vorn­her­ein nur für einen Teil der Lauf­zeit gezahlt wer­den sol­len 1, hat de Bun­des­fi­nanz­hof im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall aus­drück­lich offen gelas­sen.

Es ist geklärt, dass Dar­le­hen, die auf unbe­stimm­te Zeit gewährt wer­den und daher nach den Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs (BGB) mit einer Frist von drei Mona­ten gekün­digt wer­den kön­nen (§ 488 Abs. 3 Satz 2 BGB) dann nicht i.S. von § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 EStG 2002 als Dar­le­hen mit einer Lauf­zeit von weni­ger als zwölf Mona­ten ange­se­hen wer­den kön­nen, wenn sich nach den Umstän­den des Falls bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung trotz der for­ma­len Kün­di­gungs­mög­lich­keit nach den Erkennt­nis­sen zum Bilanz­stich­tag vor­aus­sicht­lich eine län­ge­re Lauf­zeit ergibt 2. Es ist auch nicht zwei­fel­haft, dass die mut­maß­li­che rest­li­che Lauf­zeit von Ver­bind­lich­kei­ten zu schät­zen ist und dass dabei auf die Erkennt­nis­se zum Bilanz­stich­tag und nicht auf die tat­säch­li­che spä­te­re Rück­füh­rung der Dar­le­hen abzu­stel­len ist. Aus der BFH-Recht­spre­chung ergibt sich über­dies, dass der im BMF-Schrei­ben in BSt­Bl I 2005, 699, Rz 7 geäu­ßer­ten Auf­fas­sung zu fol­gen ist, nach der die Rest­lauf­zeit einer unver­zins­li­chen Ver­bind­lich­keit ana­log § 13 Abs. 2 BewG geschätzt wer­den kann, wenn für eine objek­ti­ve Schät­zung der Rest­lauf­zeit kei­ne Anhalts­punk­te vor­lie­gen 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 22. Juli 2013 – I B 183/​12

  1. vgl. BMF, Schrei­ben vom 26.05.2005, BSt­Bl I 2005, 699, Rz 17; zwei­felnd Schmidt/​Kulosa, EStG, 32. Aufl., § 6 Rz 461[]
  2. z.B. BFH, Urteil vom 27.01.2010 – I R 35/​09, BFHE 228, 250, BSt­Bl II 2010, 478, m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss vom 05.01.2011 – I B 118/​10, BFH/​NV 2011, 986[]