Andro­hung eines Auskunftsersuchens

Gegen die Andro­hung eines Aus­kunfts­er­su­chens an Drit­te gemäß § 93 Abs. 1 Satz 3 AO ist sowohl eine vor­beu­gen­de Unter­las­sungs­kla­ge als auch einst­wei­li­ger Rechts­schutz nach § 114 FGO möglich.

Andro­hung eines Auskunftsersuchens

Die blo­ße Andro­hung des Aus­kunfts­er­su­chens als Vor­be­rei­tungs­hand­lung ist ‑anders als das (nach­fol­gen­de) Aus­kunfts­er­su­chen gemäß § 93 Abs. 1 Satz 3 AO1- schon man­gels Erzwing­bar­keit der Maß­nah­me nach den Vor­schrif­ten der §§ 328 ff. AO2 kein Ver­wal­tungs­akt. Daher konn­te die Klä­ge­rin nur im Wege einer vor­beu­gen­den Unter­las­sungs­kla­ge als Unter­fall der all­ge­mei­nen Leis­tungs­kla­ge gericht­li­chen Rechts­schutz erlan­gen. Sie konn­te weder dar­auf ver­wie­sen wer­den, gegen das Aus­kunfts­er­su­chen oder gegen die Steu­er­be­schei­de, die Erkennt­nis­se des Aus­kunfts­er­su­chens beinhal­ten, vor­zu­ge­hen3, noch war die vor­beu­gen­de Unter­las­sungs­kla­ge wegen dop­pel­ter Rechts­hän­gig­keit unzu­läs­sig. Da das Finanz­amt der vor­her erho­be­nen Sprung­kla­ge, die den iden­ti­schen Streit­ge­gen­stand umfass­te, nicht zuge­stimmt hat­te, ende­te die Rechts­hän­gig­keit der Sprung­kla­ge und ver­lor vor der Erhe­bung der Unter­las­sungs­kla­ge ihren Cha­rak­ter als Kla­ge4.

Besteht für einen Steu­er­pflich­ti­gen die Mög­lich­keit, eine vor­beu­gen­de Unter­las­sungs­kla­ge zu erhe­ben, wenn er von dem beab­sich­tig­ten Aus­kunfts­er­su­chen nach § 93 Abs. 1 Satz 3 AO in Kennt­nis gesetzt wor­den ist, ist kon­se­quen­ter­wei­se der einst­wei­li­ge Rechts­schutz nach § 114 FGO, und zwar auch vor Erhe­bung der Unter­las­sungs­kla­ge, mög­lich. Denn mit einem sol­chen Antrag kann der Betrof­fe­ne errei­chen, dass die Finanz­be­hör­de vor­läu­fig, und zwar bis zur Ent­schei­dung über die Haupt­sa­che, an der Durch­füh­rung des Aus­kunfts­er­su­chens gehin­dert wird5. Für einen der­ar­ti­gen Antrag nach § 114 FGO wird regel­mä­ßig ein Rechts­schutz­be­dürf­nis bestehen, da ansons­ten durch das Aus­kunfts­er­su­chen mög­li­cher­wei­se end­gül­tig und unheil­bar das Grund­recht des Steu­er­pflich­ti­gen auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ver­letzt würde.

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Die Klä­ge­rin hat­te sich im vor­lie­gen­den Fall bereits vor ihrer vor­beu­gen­den Unter­las­sungs­kla­ge um einst­wei­li­gen Rechts­schutz beim Finanz­ge­richt bemüht. Dass ihr Antrag gemäß § 114 FGO erfolg­los blieb, kann indes nicht dazu füh­ren, eine spä­te­re Fest­stel­lungs­kla­ge in Bezug auf die Haupt­sa­che unter pro­zess­öko­no­mi­schen Grün­den als nicht mehr zuläs­sig anzu­se­hen. Dies gilt unab­hän­gig davon, ob das Finanz­ge­richt rechts­feh­ler­haft einen sol­chen Antrag nach § 114 FGO abge­lehnt oder die Beschwer­de nach § 128 Abs. 3 FGO nicht zuge­las­sen hat. Denn ent­schei­dend ist, dass auch wei­ter­hin ‑wie vor­ste­hend bereits dar­ge­legt- ein Inter­es­se der Klä­ge­rin an der Fest­stel­lung der Recht­mä­ßig­keit des (voll­zo­ge­nen) Aus­kunfts­er­su­chens nach § 93 Abs. 1 Satz 3 AO besteht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. April 2021 – X R 25/​19

  1. vgl. zur Eigen­schaft als Ver­wal­tungs­akt inso­weit nur BFH, Urteil vom 29.07.2015 – X R 4/​14, BFHE 251, 112, BStBl II 2016, 135, Rz 26, m.w.N.[]
  2. vgl. nur BFH, Urteil vom 16.11.2011 – X R 18/​09, BFHE 235, 452, BStBl II 2012, 129, Rz 18, m.w.N.[]
  3. so aber FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 25.04.2007 – 7 K 4756/​06, EFG 2007, 1536, für den Fall einer Kla­ge gegen einen durch­ge­führ­ten Kon­ten­ab­ruf nach § 93 Abs. 7 AO[]
  4. vgl. hier­zu auch BFH, Urteil vom 08.11.2016 – I R 1/​15, BFHE 256, 195, BStBl II 2017, 720, Rz 12[]
  5. eben­so, wenn auch im Fall des Kon­ten­ab­rufs nach § 93 Abs. 7 AO: Loo­se, EFG 2007, 1537; Mai­dorn, NJW 2006, 3752, 3756; Cöster/​Intemann, DStR 2005, 1249, 1250; v. Wedel­städt, AO-Steu­er-Bera­ter 2006, 118, 121[]

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