Anfech­tung eines Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und die Voll­be­en­di­gung der Per­so­nen­ge­sell­schaft

Erlischt eine Per­so­nen­ge­sell­schaft durch Voll­be­en­di­gung, kann nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid nur noch von den frü­he­ren Gesell­schaf­tern ange­foch­ten wer­den, deren Mit­glied­schaft die Zeit berührt, die der anzu­fech­ten­de Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid betrifft.

Anfech­tung eines Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und die Voll­be­en­di­gung der Per­so­nen­ge­sell­schaft

Tritt die Voll­be­en­di­gung ‑wie im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall- wäh­rend des finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens ein, sind grund­sätz­lich die durch den ange­foch­te­nen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid beschwer­ten Gesell­schaf­ter, die im Streit­zeit­raum an der Per­so­nen­ge­sell­schaft betei­ligt waren, als deren pro­zes­sua­le Rechts­nach­fol­ger anzu­se­hen. Dabei erstreckt sich die pro­zes­sua­le Rechts­nach­fol­ge nicht auf sol­che Gesell­schaf­ter, die bereits vor Kla­ge­er­he­bung aus der Gesell­schaft aus­ge­schie­den sind 1. Das Pro­zess­füh­rungs­recht fällt auf die Gesell­schaf­ter zurück, deren Inter­es­sen bis­lang inso­weit von der kla­ge­be­fug­ten Gesell­schaft im Pro­zess ver­tre­ten wur­den.

Die feh­ler­haf­te Behand­lung (ehe­ma­li­ger) Gesell­schaf­ter als Klä­ger durch das Finanz­ge­richt ist revi­si­ons­recht­lich auch ohne Rüge die­ses Feh­lers zu berück­sich­ti­gen. Im Revi­si­ons­ver­fah­ren fin­det grund­sätz­lich eine vol­le Über­prü­fung der Recht­mä­ßig­keit des vor­in­stanz­li­chen Urteils statt. An die gel­tend gemach­ten Revi­si­ons­grün­de ist der Bun­des­fi­nanz­hof nicht gebun­den (§ 118 Abs. 3 Satz 2 FGO). Eine Aus­nah­me gilt nur dann, wenn die Revi­si­on aus­schließ­lich auf Ver­fah­rens­män­gel gestützt wird (§ 118 Abs. 3 Satz 1 FGO).

Zudem liegt ein Ver­stoß gegen die Grund­ord­nung des Ver­fah­rens vor, wenn jemand zu Unrecht als Klä­ger ange­se­hen wird. Die Prü­fung eines sol­chen Ver­fah­rens­feh­lers ist im Revi­si­ons­ver­fah­ren immer von Amts wegen vor­zu­neh­men; er muss die Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Urteils zur Fol­ge haben 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. Juli 2019 – IV R 61/​16

  1. BFH, Beschluss vom 17.10.2013 – IV R 25/​10, Rz 20, und BFH, Urteil vom 28.10.2008 – VIII R 71/​06, unter III. 1.b[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 08.03.1989 – X R 57/​87, BFH/​NV 1989, 792; grund­le­gend zur revi­si­ons­recht­li­chen Prü­fung von Ver­stö­ßen gegen die Grund­ord­nung des Ver­fah­rens: BGH, Urteil vom 12.06.1975 – III ZR 34/​73, DVBl.1976, 176[]