Ansprü­che aus Unfall­ver­si­che­rungs­ver­trag als Betriebs­ver­mö­gen?

Ob Ansprü­che und Ver­pflich­tun­gen aus einem Ver­si­che­rungs­ver­trag zum Betriebs­ver­mö­gen eines Unter­neh­mens gehö­ren, beur­teilt sich grund­sätz­lich nach der Art des ver­si­cher­ten Risi­kos. Bezieht sich die Ver­si­che­rung auf ein betrieb­li­ches Risi­ko, führt sie zu Betriebs­aus­ga­ben und Betriebs­ein­nah­men; ist dage­gen ein außer­be­trieb­li­ches Risi­ko ver­si­chert, kön­nen Aus­ga­ben allen­falls als Son­der­aus­ga­ben i.S. von § 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG berück­sich­tigt wer­den, wäh­rend die Ein­nah­men (die Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen) nicht steu­er­bar sind 1. Danach stel­len Gefah­ren, die in der Per­son des Betriebs­in­ha­bers begrün­det sind, wie etwa das all­ge­mei­ne Lebens­ri­si­ko zu erkran­ken oder Opfer eines Unfalls zu wer­den, grund­sätz­lich außer­be­trieb­li­che Risi­ken dar, wäh­rend Gefah­ren, die betrieb­li­che Risi­ken abde­cken, dem betrieb­li­chen Bereich zuzu­ord­nen sind. Denn das Risi­ko krank­heits- oder unfall­be­ding­ter Ver­mö­gens­ein­bu­ßen (Heil­be­hand­lungs­kos­ten, Ver­dienst­aus­fall) ist bei wer­ten­der Betrach­tung der pri­va­ten Lebens­füh­rung zuzu­rech­nen. Eine Aus­nah­me kommt nur in Betracht, wenn durch die Aus­übung des Berufs ein erhöh­tes Risi­ko geschaf­fen wird und der Abschluss des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges ent­schei­dend der Abwen­dung die­ses Risi­kos dient. Daher sind Ver­si­che­run­gen, die Schutz gegen spe­zi­el­le berufs- oder betriebs­spe­zi­fi­sche Gefah­ren (Berufs­krank­hei­ten, Arbeits­un­fäl­le) gewäh­ren, der betrieblichen/​beruflichen Sphä­re zuzu­rech­nen 2.

Ansprü­che aus Unfall­ver­si­che­rungs­ver­trag als Betriebs­ver­mö­gen?

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat auch klar­ge­stellt, dass es für die Ein­ord­nung eines Risi­kos als betrieb­lich oder pri­vat nicht dar­auf ankommt, wel­che Auf­wen­dun­gen oder Schä­den bei Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les vom Ver­si­che­rer zu erset­zen sind. Aus­schlag­ge­bend ist viel­mehr, ob die ver­si­cher­te Gefahr durch den Betrieb ver­an­lasst wird, was ins­be­son­de­re bei dem spe­zi­el­len Risi­ko einer Berufs­krank­heit oder bei einer Gefah­rerhö­hung durch eine beson­de­re beruf­li­che oder betrieb­li­che Tätig­keit der Fall sein kann, weil die Risi­ko­ur­sa­che im betrieb­li­chen Bereich liegt 3.

Abge­se­hen davon stellt der Ver­lust der Gesund­heit stets ein all­ge­mei­nes Lebens­ri­si­ko dar, das der Pri­vat­sphä­re zuzu­rech­nen ist.

In Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze sind die Ansprü­che aus einer Grup­pen­un­fall­ver­si­che­rung dem pri­va­ten Lebens­füh­rungs­be­reich zuzu­rech­nen, soweit die Gefahr einer krank­heits- oder unfall­be­ding­ten Arbeits­un­fä­hig­keit ver­si­chert ist. Im Ergeb­nis hat sich damit ein pri­va­tes Risi­ko rea­li­siert. Dem­zu­fol­ge ist die Ver­si­che­rungs­leis­tung nicht steu­er­bar.

Die Grup­pen­un­fall­ver­si­che­rung kann nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs auch nicht zum gewill­kür­ten Betriebs­ver­mö­gen gehö­re, weil eine pri­va­te Ver­si­che­rung nicht geeig­net ist, den Betrieb zu för­dern, auch wenn die Prä­mi­en als Betriebs­aus­ga­ben abge­zo­gen wor­den sind 3. Die Ent­schei­dung des IV. Senats des Bun­des­fi­nanzh­fos 4 wider­strei­tet dem nicht, weil mit dem Abschluss einer Lebens­ver­si­che­rung in jenem Fall bezweckt wur­de, Mit­tel für die Til­gung betrieb­li­cher Kre­di­te anzu­spa­ren und das für Lebens­ver­si­che­run­gen cha­rak­te­ris­ti­sche Ele­ment der Absi­che­rung des Todes­fall­ri­si­kos bestimm­ter Per­so­nen dem­ge­gen­über in den Hin­ter­grund trat.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. Novem­ber 2011 – VIII R 34/​09

  1. vgl. BFH, Urteil vom 19.05.2009 – VIII R 6/​07, BFHE 225, 119, BSt­Bl II 2010, 168, m.w.N.; eben­so BFH, Urteil vom 03.03.2011 – IV R 45/​08, BFHE 233, 137, BSt­Bl II 2011, 552[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFHE 225, 119, BSt­Bl II 2010, 168[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 225, 119, BSt­Bl II 2010, 168[][]
  4. BFHE 233, 137, BSt­Bl II 2011, 552[]