Arbeit­ge­ber­an­tei­le zur Sozi­al­ver­si­che­rung eines ange­stell­ten Kom­man­di­tis­ten

Arbeit­ge­ber­an­tei­le zur Sozi­al­ver­si­che­rung und Arbeit­ge­ber­zu­schüs­se zur frei­wil­li­gen gesetz­li­chen Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung, die eine KG für einen bei ihr ange­stell­ten Kom­man­di­tis­ten zahlt, sind als Son­der­be­triebs­ein­nah­men im Rah­men der Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb zu erfas­sen. Es han­delt sich nicht um steu­er­freie Aus­ga­ben des Arbeit­ge­bers für die gesetz­li­che Zukunfts­si­che­rung des Arbeit­neh­mers nach § 3 Nr. 62 EStG.

Arbeit­ge­ber­an­tei­le zur Sozi­al­ver­si­che­rung eines ange­stell­ten Kom­man­di­tis­ten

Die Arbeit­ge­ber­an­tei­le zur Sozi­al­ver­si­che­rung und Zuschüs­se zur frei­wil­li­gen Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung, die die Kom­man­dit­ge­sell­schaft für ihren ange­stell­ten Kom­man­di­tis­ten zahlt, sind bei die­sem Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb gemäß § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 Halb­satz 2 EStG. Es han­delt sich um Ver­gü­tun­gen, die der Kom­man­di­tist von der Gesell­schaft für sei­ne Tätig­keit im Dienst der Gesell­schaft bezo­gen hat. Unter die­sen Begriff der Ver­gü­tung fal­len alle Auf­wen­dun­gen – ein­schließ­lich der auf­grund eige­ner Ver­pflich­tung ange­fal­le­nen Gehalts­ne­ben­kos­ten -, die unmit­tel­bar durch das Dienst­ver­hält­nis des Gesell­schaf­ters bei der Gesell­schaft ver­an­lasst (ver­ur­sacht) sind. Ent­schei­dend ist allein, dass die Auf­wen­dun­gen dem Dienst­ver­hält­nis zuzu­ord­nen sind und die hier­mit ver­bun­de­ne Ver­gü­tung – unge­ach­tet des Zeit­punkts ihres Zuflus­ses oder ihrer bilanz­recht­li­chen Kon­kre­ti­sie­rung – als Gegen­leis­tung für die Tätig­keit im Diens­te der Gesell­schaft zu wer­ten ist. Lie­gen die­se Vor­aus­set­zun­gen vor, ist der Pas­si­vie­rungs­auf­wand der Gesell­schaft durch einen gleich hohen Ansatz im Son­der­be­triebs­ver­mö­gen des begüns­tig­ten Mit­un­ter­neh­mers aus­zu­glei­chen (sog. kor­re­spon­die­ren­de Bilan­zie­rung). Für den Bezug einer Ver­gü­tung genügt, dass die Zah­lung im Inter­es­se des Gesell­schaf­ters liegt und ihm einen geld­wer­ten Vor­teil ver­schafft. Die­ser ist im Anspruch des Gesell­schaf­ters auf Leis­tun­gen aus der Sozi­al­ver­si­che­rung zu sehen; Arbeit­neh­mer- und Arbeit­ge­ber­an­teil bil­den zusam­men die Kos­ten die­ses Ver­si­che­rungs­schut­zes 1.

Auch die Steu­er­frei­heit nach § 3 Nr. 62 EStG kommt für einen Kom­man­di­tis­ten, der sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­lich Arbeit­neh­mer einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft ist, nicht zum Tra­gen. Der Kom­man­di­tist ist als Mit­un­ter­neh­mer nicht einem Arbeit­neh­mer im steu­er­recht­li­chen Sinn gleich­zu­stel­len. § 3 Nr. 62 EStG wird durch die steu­er­recht­li­che Rege­lung des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 Halb­satz 2 EStG ver­drängt. Ein Arbeit­ge­ber-Arbeit­neh­mer-Ver­hält­nis, wie es § 3 Nr. 62 EStG vor­aus­setzt, liegt auf­grund der vor­ran­gi­gen Rege­lung des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 Halb­satz 2 EStG nicht vor, unab­hän­gig von den zivil- oder sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Rege­lun­gen 2.

Ob der Kom­man­di­tist tat­säch­lich die bei ihm als Son­der­be­triebs­ein­nah­men zu erfas­sen­den Arbeit­ge­ber­an­tei­le zur Sozi­al­ver­si­che­rung und Zuschüs­se zur frei­wil­li­gen Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung in vol­ler Höhe im Rah­men des Son­der­aus­ga­ben­ab­zugs für Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen abzie­hen kön­nen muss, konn­te das Finanz­ge­richt Ham­burg offen las­sen, da es nicht Gegen­stand des dor­ti­gen Ver­fah­rens war.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 20. April 2009 – 1 K 48/​09

  1. BFH, Urteil vom 30.08.2007 – IV R 14/​06, BFHE 219, 36, BSt­Bl II 2007, 942 m. w. N.; BFH, Urteil vom 08.11.2007 – IV R 30/​06, BFH/​NV 2008, 546; BFH, Beschluss vom 25.03.2008 – VIII B 133/​07[]
  2. vgl. auch BFH, Urteil vom 30.08.2007 – IV R 14/​06, BFHE 219, 36, BSt­Bl II 2007, 942; BFH, Urteil vom 08.04.1992 – XI R 37/​88, BFHE 167, 522, BSt­Bl II 1992, 812; BFH, Urteil vom 08.11.2007 – IV R 30/​06, BFH/​NV 2008, 546[]
  3. BGBl. I 2460[]