Aty­pisch stil­le Gesell­schaft – und die Kla­ge­be­fug­nis vor dem Finanz­ge­richt

Eine Innen­ge­sell­schaft wie die aty­pisch stil­le Gesell­schaft kann als sol­che nicht Betei­lig­te eines finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens sein, das die geson­der­te und ein­heit­li­che Gewinn­fest­stel­lung betrifft. Denn bei der Innen­ge­sell­schaft kommt eine Ver­tre­tung, d.h. ein rechts­ge­schäft­li­ches Han­deln für die Gesell­schaft im Außen­ver­hält­nis, nicht in Betracht.

Aty­pisch stil­le Gesell­schaft – und die Kla­ge­be­fug­nis vor dem Finanz­ge­richt

Die Innen­ge­sell­schaft hat kei­ne Orga­ne und kei­ne Bevoll­mäch­tig­ten. Die Rol­le des nicht vor­han­de­nen Geschäfts­füh­rers über­nimmt bei der aty­pisch (mit­un­ter­neh­me­ri­schen) stil­len Gesell­schaft oder einer ähn­li­chen Innen­ge­sell­schaft gemäß § 48 Abs. 1 Nr. 1 Alter­na­ti­ve 2, Abs. 2 FGO, § 183 AO der Emp­fangs­be­voll­mäch­tig­te als Kla­ge­be­voll­mäch­tig­ter. Die­sem ste­hen des­halb die­sel­ben pro­zes­sua­len Befug­nis­se zu wie einem ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Geschäfts­füh­rer nach dem Regel­tat­be­stand des § 48 Abs. 1 Nr. 1 Alter­na­ti­ve 1 FGO; er han­delt im eige­nen Namen im Inter­es­se der Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten und damit für die­se als gesetz­li­cher Pro­zess­stand­schaf­ter 1.

Unter Berück­sich­ti­gung der Umstän­de des Streit­falls ist regel­mä­ßig die von der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ein­ge­reich­te Kla­ge­schrift rechts­schutz­ge­wäh­rend dahin aus­zu­le­gen, dass neben der GmbH als (nur) nach § 48 Abs. 1 Nr. 5 FGO Kla­ge­be­fug­ter auch die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te als Emp­fangs­be­voll­mäch­tig­te der aty­pisch stil­len Gesell­schaft und damit als nach § 48 Abs. 1 Nr. 1 Alter­na­ti­ve 2, Abs. 2 FGO kla­ge­be­fug­te Kla­ge­be­voll­mäch­tig­te Kla­ge erho­ben hat.

So war auch in dem hier ent­schie­de­nen Fall zwi­schen den Betei­lig­ten nicht strei­tig, dass nicht die GmbH als Inha­be­rin des Han­dels­ge­wer­bes, son­dern deren Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te Emp­fangs­be­voll­mäch­tig­te der aty­pisch stil­len Gesell­schaft ist. Nur sie war daher berech­tigt, in gesetz­li­cher Pro­zess­stand­schaft auch die Rech­te sol­cher Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ter gel­tend zu machen, die zwar nach § 48 Abs. 1 Nrn. 3 bis 5 FGO selbst kla­ge­be­fugt sind, aber nicht sel­ber Kla­ge erho­ben haben. Nur sie konn­te dem­entspre­chend die Rechts­wid­rig­keit des für die (aty­pisch) stil­le Gesell­schaf­te­rin fest­ge­stell­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­winns gel­tend machen. Zu die­sem Ver­fah­ren war die stil­le Gesell­schaf­te­rin nach § 60 Abs. 3 FGO bei­zu­la­den. Der Bun­des­fi­nanz­hof legt daher die Kla­ge ‑eben­so wie die Revi­si­on- dahin aus, dass sie von der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten zum einen in ihrer Funk­ti­on als Kla­ge­be­voll­mäch­tig­te der aty­pisch stil­len Gesell­schaft erho­ben wur­de und des Wei­te­ren für die GmbH in eige­ner Per­son.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 1. März 2018 – IV R 38/​15

  1. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 12.05.2016 – IV R 27/​13, Rz 16; und vom 21.12 2017 – IV R 44/​14, Rz 14 f.[]