Auf­ga­be eines land­wirt­schaft­li­chen Betriebs

Ein land­wirt­schaft­li­cher (Eigen­tums-)Betrieb wird mit der Über­tra­gung sämt­li­cher land­wirt­schaft­li­cher Nutz­flä­chen auf­ge­ge­ben 1.

Auf­ga­be eines land­wirt­schaft­li­chen Betriebs

Eine Betriebs­auf­ga­be i.S. von § 16 Abs. 3 EStG liegt vor, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge den Ent­schluss gefasst hat, sei­ne betrieb­li­che Tätig­keit ein­zu­stel­len und sei­nen Betrieb als selb­stän­di­gen Orga­nis­mus des Wirt­schafts­le­bens auf­zu­lö­sen, und wenn er in Aus­füh­rung die­ses Ent­schlus­ses alle wesent­li­chen Grund­la­gen des Betriebs in einem ein­heit­li­chen Vor­gang inner­halb kur­zer Zeit an ver­schie­de­ne Abneh­mer ver­äu­ßert oder in das Pri­vat­ver­mö­gen über­führt 2. Die­se Defi­ni­ti­on gilt nach § 14 Satz 2 EStG auch für die Auf­ga­be eines land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs 3.

Ein land­wirt­schaft­li­cher (Eigentums-)Betrieb wird mit der Über­tra­gung sämt­li­cher land­wirt­schaft­li­cher Nutz­flä­chen an Drit­te auf­ge­ge­ben 4. Denn der Grund und Boden ist für des­sen Betriebs­fort­füh­rung uner­läss­lich 5. Die blo­ße Ver­klei­ne­rung eines Eigen­tums­be­triebs führt dem­ge­gen­über nicht zu einer Betriebs­auf­ga­be. Das gilt auch dann, wenn die ver­blei­ben­den land­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen eine ertrag­rei­che Bewirt­schaf­tung nicht mehr ermög­li­chen 6.

Wird ein land- und forst­wirt­schaft­li­cher Betrieb im Gan­zen oder par­zel­len­wei­se ver­pach­tet, kann der Ver­päch­ter bei Ein­stel­lung der wer­ben­den Tätig­keit wäh­len, ob er den Vor­gang als Betriebs­auf­ga­be i.S. des § 14 Satz 2 i.V.m. § 16 Abs. 3 EStG behan­delt und damit die Gegen­stän­de sei­nes Betriebs in sein Pri­vat­ver­mö­gen über­führt mit der Fol­ge, dass die im Betriebs­ver­mö­gen ruhen­den stil­len Reser­ven rea­li­siert wer­den, oder ob er den Betrieb wäh­rend der Ver­pach­tung in ande­rer Form fort­füh­ren will (sog. Ver­päch­ter­wahl­recht) 7. Aus Beweis­grün­den kann die Absicht, der Betrieb wer­de bei einer Ver­pach­tung der wesent­li­chen Betriebs­grund­la­gen end­gül­tig auf­ge­ge­ben, nur bei einer unmiss­ver­ständ­li­chen und ein­deu­ti­gen Auf­ga­be­er­klä­rung des Steu­er­pflich­ti­gen ange­nom­men wer­den 8. Liegt eine der­ar­ti­ge Erklä­rung nicht vor, ist das bis­he­ri­ge Betriebs­ver­mö­gen in der Regel so lan­ge wei­ter als Betriebs­ver­mö­gen anzu­se­hen, wie dies recht­lich mög­lich ist 9.

Eine gewerb­li­che oder frei­be­ruf­li­che Mit­un­ter­neh­mer­schaft hat auch bei ver­schie­den­ar­ti­ger Tätig­keit ein­kom­men­steu­er­recht­lich nur einen Betrieb; sie kann aber unter Umstän­den meh­re­re Teil­be­trie­be unter­hal­ten 10. Für eine land- und forst­wirt­schaft­li­che Mit­un­ter­neh­mer­schaft gilt inso­weit nichts ande­res 11.

Ein Teil­be­trieb ist ein mit einer gewis­sen Selb­stän­dig­keit aus­ge­stat­te­ter, orga­nisch geschlos­se­ner Teil des Gesamt­be­triebs, der für sich allein lebens­fä­hig ist 12. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs bil­det ein ein­zel­nes Wirt­schafts­gut, ins­be­son­de­re ein land­wirt­schaft­li­ches Grund­stück, mag es auch wert­voll sein und mit zu den funk­tio­nal wesent­li­chen Grund­la­gen eines Betriebs gehö­ren, grund­sätz­lich kei­nen Teil­be­trieb 13.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs wird ein land­wirt­schaft­li­cher Betrieb auf­ge­ge­ben, wenn die land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen nach dem Tod des Betriebs­in­ha­bers auf die Erben auf­ge­teilt wer­den 14.

Mit der Über­tra­gung der letz­ten zum Betriebs­ver­mö­gen der Erben­ge­mein­schaft gehö­ren­den Grund­stü­cke wur­de der land­wirt­schaft­li­che Betrieb der Erben­ge­mein­schaft als selb­stän­di­ger Orga­nis­mus des Wirt­schafts­le­bens auf­ge­löst 15. Denn mit der voll­stän­di­gen Über­tra­gung des Grund und Bodens war der land­wirt­schaft­li­che Eigen­tums­be­trieb der Erben­ge­mein­schaft sei­ner Exis­tenz­grund­la­ge voll­stän­dig ent­ho­ben.

Besteht der Betrieb ‑wie im Streit­fall- nicht aus zwei Teil­be­trie­ben, ist es zudem aus­ge­schlos­sen, dass die Erben­ge­mein­schaft die Erwer­ber zwei (Teil-)Betriebe zum Buch­wert über­tra­gen hat (gemäß § 7 Abs. 1 ESt­DV a.F.; nun­mehr § 6 Abs. 3 EStG). Gegen­stand der Über­tra­gung nach § 6 Abs. 3 EStG bzw. § 7 Abs. 1 ESt­DV a.F. ist die betrieb­li­che Sach­ge­samt­heit in dem Umfang, den sie im Zeit­punkt des wirt­schaft­li­chen Über­gangs hat 16.

Mit der Auf­ga­be des Betriebs der Erben­ge­mein­schaft haben die land­wirt­schaft­li­chen Grund­stü­cke ihre Eigen­schaft als Betriebs­ver­mö­gen ver­lo­ren. Es gibt kei­ne Rechts­grund­la­ge dafür, das Flur­stück auch nach der Betriebs­auf­ga­be (wei­ter­hin) als Betriebs­ver­mö­gen des Klä­gers zu behan­deln. Der Klä­ger hat­te weder ein Ver­päch­ter­wahl­recht noch füh­ren die Grund­sät­ze der Real­tei­lung im Streit­fall zur Annah­me von Betriebs­ver­mö­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Mai 2018 – VI R 66/​15

  1. Bestä­ti­gung des BFH, Urteils vom 16.11.2017 – VI R 63/​15, BFHE 260, 138[]
  2. BFH, Urteil vom 16.11.2017 – VI R 63/​15, BFHE 260, 138, m.w.N.[]
  3. BFH, Urtei­le vom 19.05.2005 – IV R 17/​02, BFHE 209, 384, BSt­Bl II 2005, 637; und vom 16.12 2009 – IV R 7/​07, BFHE 228, 59, BSt­Bl II 2010, 431[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 228, 59, BSt­Bl II 2010, 431[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 260, 138[]
  6. BFH, Urtei­le vom 05.05.2011 – IV R 48/​08, BFHE 234, 11, BSt­Bl II 2011, 792, Rz 32; und vom 30.08.2007 – IV R 5/​06, BFHE 218, 569, BSt­Bl II 2008, 113, unter II. 1.b, m.w.N.[]
  7. BFH, Urtei­le vom 15.04.2010 – IV R 58/​07, BFH/​NV 2010, 1785; und vom 08.03.2007 – IV R 57/​04, BFH/​NV 2007, 1640, m.w.N.[]
  8. z.B. BFH, Urteil in BFH/​NV 2007, 1640, m.w.N.[]
  9. BFH, Urtei­le vom 26.08.2004 – IV R 52/​02, BFH/​NV 2005, 674; vom 19.03.2009 – IV R 45/​06, BFHE 225, 334, BSt­Bl II 2009, 902, zu einem gewerb­li­chen Betrieb, und in BFHE 234, 11, BSt­Bl II 2011, 792[]
  10. BFH, Urteil vom 13.07.2016 – VIII R 56/​13, BFHE 254, 398, BSt­Bl II 2016, 936[]
  11. Leingärtner/​Stephany, Besteue­rung der Land­wir­te, Kap. 50, Rz 23[]
  12. BFH, Urteil in BFHE 260, 138, Rz 17; BFH, Urteil vom 09.11.2000 – IV R 60/​99, BFHE 193, 433, BSt­Bl II 2001, 101, m.w.N.[]
  13. BFH, Urteil in BFHE 260, 138, Rz 20, m.w.N.[]
  14. BFH, Urtei­le vom 26.09.2013 – IV R 16/​10, BFH/​NV 2014, 324; und vom 14.07.2016 – IV R 19/​13, BFH/​NV 2016, 1702; eben­so Finanz­ge­richt Bre­men, Urteil vom 23.08.2004 2 K 328/​03 (1), juris; a.A. Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 02.07.2013 15 K 265/​11, EFG 2013, 1747; Fels­mann, Ein­kom­mens­be­steue­rung der Land- und Forst­wir­te, D Rz 61f[]
  15. s. BFH, Urtei­le in BFHE 228, 59, BSt­Bl II 2010, 431; in BFH/​NV 2014, 324, und in BFH/​NV 2016, 1702[]
  16. BFH, Urteil in BFH/​NV 2016, 1702[]
  17. Bestä­ti­gung des BFH, Urteils vom 16.11.2017 – VI R 63/​15, BFHE 260, 138[]