Auf­lö­sungs­ver­lust – und die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zur Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung

Die Zulas­sung der Revi­si­on zur Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung kommt nicht in Betracht, wenn sich die recht­li­chen Erwä­gun­gen des Finanz­ge­richt mit den tra­gen­den Aus­füh­run­gen der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zum Zeit­punkt der Berück­sich­ti­gung eines Auf­lö­sungs­ver­lusts decken.

Auf­lö­sungs­ver­lust – und die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zur Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung

Die Zulas­sung der Revi­si­on zur Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung setzt vor­aus, dass das Finanz­ge­richt in einer Rechts­fra­ge von der Ent­schei­dung eines ande­ren Gerichts abge­wi­chen ist, dass dabei über die­sel­be Rechts­fra­ge ent­schie­den wur­de und die­se für bei­de Ent­schei­dun­gen rechts­er­heb­lich war, dass die Ent­schei­dun­gen zu glei­chen oder ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten ergan­gen sind, dass die abwei­chend beant­wor­te­te Rechts­fra­ge im Revi­si­ons­ver­fah­ren geklärt wer­den kann und dass eine Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs zur Wah­rung der Rechts­ein­heit erfor­der­lich ist 1.

Dar­an fehl­te es im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall: Die von den Klä­gern behaup­te­te Diver­genz zu den BFH, Urtei­len vom 09.08.1989 2; vom 29.01.2009 3; vom 18.04.2007 4; und vom 12.02.2015 5 liegt nicht vor. Denn Grund­sät­ze von Treu und Glau­ben, die den zitier­ten Ent­schei­dun­gen zugrun­de lagen, sind in der ange­foch­te­nen Aus­gangs­ent­schei­dung nicht zur Anwen­dung gekom­men. Der vom Finanz­ge­richt fest­ge­stell­te und den BFH nach § 118 Abs. 2 FGO bin­den­de Sach­ver­halt lässt kei­ne Anhalts­punk­te für ein wider­sprüch­li­ches Ver­hal­ten ("veni­re con­tra fac­tum pro­pri­um") erken­nen. Zudem liegt auch kei­ne Abwei­chung zum BFH-Urteil vom 31.07.1996 6 und den dort ent­hal­te­nen Grund­sät­zen hin­sicht­lich einer tat­säch­li­chen Ver­stän­di­gung vor. Denn aus­weis­lich von Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­grün­den hat das Finanz­ge­richt das Vor­lie­gen einer ver­bind­li­chen Zusa­ge oder einer tat­säch­li­chen Ver­stän­di­gung aus­drück­lich ver­neint. Soweit die Klä­ger in ihrer Beschwer­de­be­grün­dung das Gegen­teil behaup­ten, wen­den sie sich gegen die Rich­tig­keit der tat­säch­li­chen Wür­di­gung des Finanz­ge­richt. Damit kann die Zulas­sung der Revi­si­on wegen Diver­genz nicht erreicht wer­den.

Im Übri­gen deckt sich die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung in ihren recht­li­chen Aus­füh­run­gen mit der stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH zum Zeit­punkt der Berück­sich­ti­gung eines Auf­lö­sungs­ver­lusts nach § 17 Abs. 4 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes anläss­lich der Liqui­da­ti­on oder Insol­venz einer Kapi­tal­ge­sell­schaft 7.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 27. Okto­ber 2017 – IX B 90/​17

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 08.05.2013 – III B 140/​12, BFH/​NV 2013, 1248[]
  2. BFH, Urteil vom 09.08.1989 – I R 181/​85, BFHE 158, 31, BSt­Bl II 1989, 990[]
  3. BFH, Urteil vom 29.01.2009 – VI R 12/​06, BFH/​NV 2009, 1105[]
  4. BFH, Urteil vom 18.04.2007 – XI R 47/​05, BFHE 217, 18, BSt­Bl II 2007, 736[]
  5. BFH, Urteil vom vom 12.02.2015 – V R 28/​14, BFHE 248, 512, BSt­Bl II 2017, 10[]
  6. BFH, Urteil vom 31.07.1996 – XI R 78/​95, BFHE 181, 103, BSt­Bl II 1996, 625[]
  7. vgl. u.a. zuletzt BFH, Urteil vom 10.05.2016 – IX R 16/​15, BFH/​NV 2016, 1681, m.w.N.[]