Auf­lö­sungs­ver­lust – und der Rea­li­sie­rungs­zeit­punkt bei noch andau­ern­der Liquidation

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH bestimmt sich nach Auf­lö­sung einer Kapi­tal­ge­sell­schaft der Zeit­punkt der Ent­ste­hung des Auf­lö­sungs­ge­winns und ‑ver­lus­tes nach den Grund­sät­zen ord­nungs­ge­mä­ßer Buch­füh­rung. Die­ser Zeit­punkt ist bei einer Auf­lö­sung mit anschlie­ßen­der Liqui­da­ti­on nor­ma­ler­wei­se der Zeit­punkt des Abschlus­ses der Liquidation.

Auf­lö­sungs­ver­lust – und der Rea­li­sie­rungs­zeit­punkt bei noch andau­ern­der Liquidation

Erst dann steht fest, ob und in wel­cher Höhe der Gesell­schaf­ter mit einer Zutei­lung und Rück­zah­lung von Ver­mö­gen der Gesell­schaft rech­nen kann und fer­ner wel­che nach­träg­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten der Betei­li­gung anfal­len und wel­che Ver­äu­ße­rungs- und Auf­lö­sungs­kos­ten der Gesell­schaf­ter per­sön­lich zu tra­gen hat.

Der Zeit­punkt, in dem der Ver­äu­ße­rungs­ver­lust rea­li­siert ist, kann auch schon vor Abschluss der Liqui­da­ti­on lie­gen, wenn mit einer wesent­li­chen Ände­rung des bereits fest­ste­hen­den Ver­lus­tes nicht mehr zu rech­nen ist. Das ist z.B. dann der Fall, wenn die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens man­gels Mas­se abge­lehnt wur­de oder die Gesell­schaft bereits im Zeit­punkt des Auf­lö­sungs­be­schlus­ses ver­mö­gens­los war [1].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 3. Dezem­ber 2014 – IX B 90/​14

  1. vgl. u.a. BFH, Urtei­le vom 03.06.1993 – VIII R 81/​91, BFHE 172, 407, BStBl II 1994, 162, unter 1.b, und – VIII R 23/​92, BFH/​NV 1994, 459; vom 25.01.2000 – VIII R 63/​98, BFHE 191, 115, BStBl II 2000, 343, unter II. 2.a; und vom 01.07.2014 – IX R 47/​13, BFHE 246, 188, BStBl II 2014, 786, unter II. 1.a und b[]