Auf­wen­dun­gen auf ein im frem­den Eigen­tum ste­hen­des Wirt­schafts­gut

Trägt der Steu­er­pflich­ti­ge Kos­ten zur Her­stel­lung eines im Eigen­tum sei­nes Ehe­gat­ten ste­hen­den Gebäu­des, das er zur Erzie­lung von betrieb­li­chen Ein­künf­ten nutzt, sind sei­ne Auf­wen­dun­gen steu­er­lich zu akti­vie­ren und nach den für ein Gebäu­de gel­ten­den Regeln abzu­schrei­ben. Endet die Nut­zung des Gebäu­des zur Ein­kunfts­er­zie­lung durch den Steu­er­pflich­ti­gen, ergibt sich dar­aus kei­ne Aus­wir­kung auf sei­nen Gewinn. Ein noch nicht abge­schrie­be­ner Rest­be­trag der Auf­wen­dun­gen wird erfolgs­neu­tral aus­ge­bucht.

Auf­wen­dun­gen auf ein im frem­den Eigen­tum ste­hen­des Wirt­schafts­gut

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Köln 1 und der noch im ers­ten Rechts­gang vom Bun­des­fi­nanz­hof 2 geäu­ßer­ten vor­läu­fi­gen Auf­fas­sung sind in den Auf­ga­be­ge­winn des Steu­er­pflich­ti­gen nicht auch die stil­len Reser­ven ein­zu­be­zie­hen, die auf den zivil­recht­li­chen Gebäu­de­mit­ei­gen­tums­an­teil der Ehe­frau ent­fal­len.

Der steu­er­pflich­ti­ge Ehe­mann hat nicht die Stel­lung eines wirt­schaft­li­chen Mit­ei­gen­tü­mers an dem zivil­recht­lich der Ehe­frau gehö­ren­den Gebäu­de­an­teil erlangt. Für den Fall, dass –wie auch im Streit­fall– die Ehe­gat­ten im gesetz­li­chen Güter­stand der Zuge­winn­ge­mein­schaft leben, spricht eini­ges dafür, dass berei­che­rungs­recht­li­che Ansprü­che –und damit auch sol­che nach §§ 951, 812 BGB – durch die Rege­lun­gen über den güter­recht­li­chen Aus­gleich ver­drängt wer­den. Ob dar­aus folgt, dass es in einem sol­chen Fall von vor­ne­her­ein an einem rea­li­sier­ba­ren Wert­er­satz­an­spruch fehlt, der Grund­la­ge für die Annah­me einer von den zivil­recht­li­chen Eigen­tums­ver­hält­nis­sen abwei­chen­den steu­er­recht­li­chen Ver­mö­gens­zu­ord­nung sein kann, ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht abschlie­ßend geklärt 3. Die Fra­ge bedarf auch im Streit­fall kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung, weil nach den dort gege­be­nen Umstän­den nicht davon aus­zu­ge­hen ist, dass der steu­er­pflich­ti­ge Ehe­mann eine tat­säch­li­che Herr­schaft über den zivil­recht­lich der Ehe­frau gehö­ren­den Gebäu­de-Mit­ei­gen­tums­an­teil erlangt hat, wonach er die­se für die gewöhn­li­che Nut­zungs­dau­er von der Ein­wir­kung auf das Wirt­schafts­gut wirt­schaft­lich hät­te aus­schlie­ßen kön­nen.

In Über­ein­stim­mung mit dem Urteil des VIII. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs 4 und ent­ge­gen der noch im ers­ten Rechts­gang 2 ver­tre­te­nen vor­läu­fi­gen Auf­fas­sung des hier erken­nen­den IV. Senats hat sich der Auf­ga­be­ge­winn des Steu­er­pflich­ti­gen auch nicht mit Rück­sicht auf eine Nut­zungs­be­fug­nis des Steu­er­pflich­ti­gen an dem im Mit­ei­gen­tum der Ehe­frau ste­hen­den Gebäu­de erhöht.

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits in sei­nem Urteil vom 25. Febru­ar 2010 5 aus­ge­führt hat, setzt die Berech­ti­gung zur Vor­nah­me von Abset­zun­gen für Abnut­zung (AfA) nicht vor­aus, dass der Steu­er­pflich­ti­ge Eigen­tü­mer des Wirt­schafts­guts ist, für das er Auf­wen­dun­gen getä­tigt hat. Aus­schlag­ge­bend ist viel­mehr, ob er Auf­wen­dun­gen im betrieb­li­chen Inter­es­se trägt. Das allen Ein­kunfts­ar­ten zugrun­de­lie­gen­de Net­to­prin­zip, dem­zu­fol­ge die erwerbs­si­chern­den Auf­wen­dun­gen von den steu­er­pflich­ti­gen Ein­nah­men abge­zo­gen wer­den (vgl. § 2 Abs. 2 i.V.m. §§ 4 ff. und 9 EStG), gebie­tet grund­sätz­lich den Abzug der vom Steu­er­pflich­ti­gen zur Ein­kunfts­er­zie­lung getä­tig­ten Auf­wen­dun­gen auch dann, wenn und soweit die­se Auf­wen­dun­gen auf in frem­dem Eigen­tum ste­hen­de Wirt­schafts­gü­ter erbracht wer­den 6. Bei einem bilan­zie­ren­den Steu­er­pflich­ti­gen –wie auch im Streit­fall– wird der Auf­wand bilanz­tech­nisch "wie ein mate­ri­el­les Wirt­schafts­gut" behan­delt. Das bedeu­tet, dass die Her­stel­lungs­kos­ten für ein frem­des Gebäu­de als Pos­ten für die Ver­tei­lung eige­nen Auf­wands zu akti­vie­ren und nach den für Gebäu­de gel­ten­den AfA-Regeln abzu­schrei­ben sind 7.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Dezem­ber 2012 – IV R 29/​09

  1. Finanz­ge­richt Köln, EFG 2009, 1534[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 222, 20, BSt­Bl II 2009, 15[][]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 29.04.2008 – VIII R 98/​04, BFHE 221, 129, BSt­Bl II 2008, 749; vom 25.06.2003 – X R 72/​98, BFHE 202, 514, BSt­Bl II 2004, 403; vom 14.05.2002 – VIII R 30/​98, BFHE 199, 181, BSt­Bl II 2002, 741[]
  4. BFH in BFHE 221, 129, BSt­Bl II 2008, 749[]
  5. BFH, Urteil vom 25.02.2010 – IV R 2/​07, BFHE 228, 431, BSt­Bl II 2010, 670[]
  6. BFH, Beschluss vom 30.01.1995 – GrS 4/​92, BFHE 176, 267, BSt­Bl II 1995, 281, unter C.III.[]
  7. BFH, Beschlüs­se vom 23.08.1999 – GrS 1/​97, BFHE 189, 151, BSt­Bl II 1999, 778, unter C.I.2.b; und – GrS 5/​97, BFHE 189, 174, BSt­Bl II 1999, 774, unter C.03.; in BFHE 176, 267, BSt­Bl II 1995, 281, unter C.V.[]