Auf­wen­dun­gen für Lizenz-Part­ner­schaf­ten

Auf­wen­dun­gen für Lizenz-Part­ner­schaf­ten sind bei einer Gewinn­ermitt­lung nach Durch­schnitts­sät­zen steu­er­lich nicht berück­sich­ti­gungs­fä­hig.

Auf­wen­dun­gen für Lizenz-Part­ner­schaf­ten

Dies ent­schied jetzt das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in einem Fall, in dem die Land­wir­ting in dem Erwerb der Lizen­zen eine Mög­lich­keit gese­hen hat­te, über das Direkt­ver­mark­ter­por­tal für ihre im Rah­men des land­wirt­schaft­li­chen Betriebs erzeug­ten Pro­duk­te Kun­den zu gewin­nen.

Ein Abzug der Auf­wen­dun­gen im Zusam­men­hang mit den Pre­mi­um-Lizen­zen schei­det jedoch wegen der von den Unter­neh­mern gewähl­ten Art der Gewinn­ermitt­lung nach Durch­schnitts­sät­zen (§ 13a EStG) aus.

Gemäß § 13a Abs. 3 Satz 1 EStG ist der Durch­schnitts­satz­ge­winn die Sum­me aus dem Grund­be­trag (§ 13a Abs. 4 EStG), den Zuschlä­gen für Son­der­nut­zun­gen (§ 13a Abs. 5 EStG), den nach § 13a Abs. 6 EStG geson­dert zu ermit­teln­den Gewin­nen, den ver­ein­nahm­ten Miet- und Pacht­zin­sen und den ver­ein­nahm­ten Kapi­tal­erträ­gen, die sich aus Kapi­tal­an­la­gen von Ver­äu­ße­rungs­er­lö­sen im Sin­ne des § 13a Abs. 6 Satz 1 Nr. 2 EStG erge­ben. Geson­dert abzu­set­zen sind dabei gemäß § 13a Abs. 3 Satz 2 EStG nur ver­aus­gab­te Pacht­zin­sen und die­je­ni­gen Schuld­zin­sen und dau­ern­den Las­ten, die Betriebs­aus­ga­ben sind. Die abzu­set­zen­den Beträ­ge dür­fen ins­ge­samt nicht zu einem Ver­lust füh­ren (§ 13a Abs. 3 Satz 3 EStG).

Die von den Unter­neh­mern gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen stel­len weder Pacht­zin­sen noch Schuld­zin­sen bzw. dau­ern­de Las­ten dar und kön­nen daher im Rah­men der Durch­schnitts­satz­ge­winn­ermitt­lung nicht geson­dert als Betriebs­aus­ga­ben berück­sich­tigt wer­den.

Die gel­tend gemach­ten Ver­lus­te aus dem Lizenz­er­werb kön­nen auch nicht als nega­ti­ve Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb erfasst wer­den.

Eine selb­stän­di­ge nach­hal­ti­ge Betä­ti­gung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzie­len, unter­nom­men wird und sich als Betei­li­gung am all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ver­kehr dar­stellt, ist Gewer­be­be­trieb, wenn die Betä­ti­gung weder als Aus­übung von Land- und Forst­wirt­schaft noch als Aus­übung eines frei­en Berufs noch als eine ande­re selb­stän­di­ge Arbeit anzu­se­hen ist (§ 15 Abs. 2 Satz 1 EStG).

Im vor­lie­gen­den Streit­fall fehlt es an der not­wen­di­gen Teil­nah­me der Land­wir­tin am all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ver­kehr. Sie erfor­dert, dass der Steu­er­pflich­ti­ge im Unter­schied zu einem rei­nen Abneh­mer als Anbie­ter von Gütern oder Leis­tun­gen, auch imma­te­ri­el­ler Art, über den inter­nen (pri­va­ten) Bereich hin­aus am (all­ge­mei­nen) Markt gegen Ent­gelt und für Drit­te erkenn­bar auf­tritt. Die Funk­ti­on des Tat­be­stands­merk­mals besteht in der Tren­nung des Markt­ein­kom­mens auf­grund Güter-/Leis­tungs­aus­tauschs von sons­ti­gen Ver­mö­gens­meh­run­gen 1.

Zivil­recht­lich han­delt es sich bei den von der Land­wir­tin mit der X abge­schlos­se­nen Lizenz­ver­trä­gen um im BGB nicht aus­drück­lich gere­gel­te Ver­trä­ge eige­ner Art. Die­se räu­men zum einem dem Lizenz­neh­mer Nut­zungs­rech­te in der Form eines auf den Namen des Lizenz­neh­mers bei X regis­trier­ten Ein­kaufs­por­tals zum Zwe­cke der Kun­den­be­wer­bung ein, um hier­aus Pro­vi­sio­nen zu erzie­len. Dane­ben ent­hält der Ver­trag auch den ent­gelt­li­chen Erwerb einer künf­ti­gen, der Höhe nach unge­wis­sen For­de­rung, näm­lich die Aus­zah­lung der ein­ge­räum­ten Son­der­bon. Die­se Ver­gü­tungs­an­tei­le (Son­der­bo­ni) sind ver­trags­recht­lich unab­hän­gig davon, ob der Lizenz­er­wer­ber aktiv tätig wird und selbst Kun­den wirbt. Der Lizenz­neh­mer kann sich also dar­auf beschrän­ken, den Kauf­preis für die Lizenz zu bezah­len und ohne wei­te­re Akti­vi­tä­ten zu ent­fal­ten, allein auf die Ver­gü­tun­gen aus Son­der­bo­ni zu hof­fen. Dar­aus folgt, dass die Gegen­leis­tung für Ver­mitt­lungs­tä­tig­kei­ten des Lizenz­part­ners die Pro­vi­sio­nen, die Ver­gü­tun­gen (Son­der­bo­ni) hin­ge­gen die Gegen­leis­tung für den Kauf­preis der Lizenz sind 2.

Die Land­wir­tin hat in den Streit­jah­ren und bis heu­te kei­ne wirt­schaft­li­chen Akti­vi­tä­ten ent­fal­tet, die es ihr ermög­licht hät­ten, Pro­vi­si­ons­er­lö­se im Sin­ne der Lizenz­ver­trä­ge zu erzie­len. Nach den Rege­lun­gen in den Lizenz­ver­trä­gen wäre erfor­der­lich gewe­sen, dass die Land­wir­tin auf einer ihr von X zur Ver­fü­gung gestell­ten Web­sei­te aktiv Wer­bung für ihre Pro­duk­te betreibt und Umsät­ze erzielt. Der ursprüng­li­che Bevoll­mäch­tig­te der Land­wir­tin führ­te hier­zu aus, die Kun­den­ak­qui­se habe vor allem über Mai­lings erfol­gen sol­len, also den ziel­ge­rich­te­ten Ver­sand von E‑Mails an poten­zi­el­le Kun­den. Es habe an der Land­wir­tin gele­gen, die erfor­der­li­chen E‑Mail-Adres­sen zu beschaf­fen. Aus Umsät­zen über das Por­tal von X hät­te sich in der Fol­ge ein Pro­vi­si­ons­an­spruch gemäß der Lizenz­ver­trä­ge erge­ben kön­nen.

Zu ihren Akti­vi­tä­ten im Zusam­men­hang mit dem Inter­net­por­tal von X erläu­ter­te die Land­wir­tin in ihren Anhö­run­gen im Erör­te­rungs­ter­min und in der münd­li­chen Ver­hand­lung, sie habe bis in das Jahr 2015 kei­nen Inter­net­an­schluss gehabt. Auch danach und bis heu­te sei dies nicht mög­lich gewe­sen. Zum einen stür­ze das eige­ne Inter­net immer wie­der ab und zum ande­ren sei es bei X zu tech­ni­schen Pro­ble­men gekom­men.

An Wer­be­ver­an­stal­tun­gen, Schu­lungs- oder Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen der X habe die Land­wir­tin nach ihren Anga­ben sowohl aus zeit­li­chen Grün­den wie auch auf­grund der räum­li­chen Ent­fer­nung zu den Ver­an­stal­tungs­or­ten – ggf. bis auf eine Ver­an­stal­tung, die sie aber nicht näher benen­nen kön­ne – nicht teil­ge­nom­men.

Aus dem gesam­ten Vor­trag der Land­wir­tin wird hin­rei­chend deut­lich, dass sie seit Erwerb der Lizen­zen kei­ne wirt­schaft­li­chen Akti­vi­tä­ten im Hin­blick auf die Erzie­lung von Pro­vi­si­ons­ein­nah­men im Sin­ne der Lizenz­ver­trä­ge unter­nom­men hat. Aus­weis­lich der vor­lie­gen­den Abrech­nun­gen hat sie auch kei­ne der­ar­ti­gen Pro­vi­sio­nen ver­ein­nahmt. Als Ver­gü­tungs­po­si­tio­nen wur­den aus­schließ­lich Son­der­bo­ni A und B abge­rech­net.

Die Anmel­dung eines ent­spre­chen­den Gewer­bes durch die Land­wir­tin und die umsatz­steu­er­recht­li­che Behand­lung durch das Finanz­amt sind für die Prü­fung des Tat­be­stands­merk­mals der Teil­nah­me am all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ver­kehr nicht aus­schlag­ge­bend.

Das Finanz­ge­richt ist vor allem ange­sichts des feh­len­den Inter­net­an­schlus­ses der Land­wir­tin der Über­zeu­gung, dass maß­geb­li­ches Motiv für den Erwerb der Lizen­zen nicht die Pro­vi­si­ons­ein­nah­men gemäß der Lizenz­ver­trä­ge war, son­dern die unab­hän­gig von eige­nen wirt­schaft­li­chen Akti­vi­tä­ten zu erzie­len­den Son­der­bo­ni gemäß der Lizenz­ver­trä­ge. Hier­bei han­delt es sich jedoch um einen blo­ßen For­de­rungs­kauf, der güns­tigs­ten­falls zu einer sons­ti­gen Ver­mö­gens­meh­rung führt 3.

Finanz­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 19. März 2018 – 10 K 748/​16

  1. vgl. BFH, Urteil vom 15.12 1999 – I R 16/​99, BFHE 191, 45, BSt­Bl II 2000, 404, m.w.N.; Schmidt/​Wacker, EStG, 36. Auf­la­ge, 2017, § 15 Rz.20[]
  2. vgl. FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 23.06.2015 – 8 K 1493/​13, EFG 2016, 276[]
  3. vgl. FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 23.06.2015 – 8 K 1493/​13, EFG 2016, 276; vgl. auch Hoff­mann, EFG 2016, 276 ff.[]