Begrenz­ter Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug für Event­ein­la­dun­gen

Nicht nur für Geschen­ke, son­dern auch für als Zuwen­dung anzu­se­hen­de Event­ein­la­dung an Kun­den gilt nach einem Urteil des Finanz­ge­richts Baden-Würt­tem­berg die Begren­zung des Betriebs­aus­ga­ben­ab­zugs nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG.

Begrenz­ter Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug für Event­ein­la­dun­gen

Betriebs­aus­ga­ben sind nach § 4 Abs. 4 EStG Auf­wen­dun­gen, die durch den Betrieb ver­an­lasst sind. Sie sind grund­sätz­lich bei der Ermitt­lung des Gewinns abzugs­fä­hig (vgl. §§ 275, 277 HGB, § 4 Abs. 5 Satz 1 EStG). Ledig­lich die in § 4 Abs. 5 Nr. 1 bis 10 EStG enu­me­ra­tiv auf­ge­führ­ten Betriebs­aus­ga­ben dür­fen nach der aus­drück­li­chen Rege­lung des Geset­zes den Gewinn nicht min­dern.

Event­ein­la­dung ist kein Geschenk

Für die im Fall des Finanz­ge­richts Baden-Würt­tem­berg streit­ge­gen­ständ­li­chen Event­ein­la­dun­gen an Kun­den kommt die Rege­lung des § 4 Abs. 5 Nr. 1 EStG in der in den Streit­jah­ren gül­ti­gen Fas­sung – Nicht­ab­zugs­fä­hig­keit von Geschen­ken, soweit sie den Betrag von 75 DM über­stei­gen – nicht unmit­tel­bar zur Anwen­dung, da die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Norm nicht vor­lie­gen:

Der Begriff des Geschenks ist nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs nach den Grund­sät­zen des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches aus­zu­le­gen (§§ 516 ff. BGB). Danach ist dann kein Geschenk anzu­neh­men, wenn auch nur eine Sei­te der bei­den schuld­recht­li­chen Ver­trags­par­tei­en von der Ent­gelt­lich­keit der Zuwen­dung aus­geht; denn die Unent­gelt­lich­keit einer Schen­kung setzt objek­tiv das Feh­len einer Gegen­leis­tung und sub­jek­tiv die Eini­gung der Par­tei­en hier­über vor­aus 1.

In dem dem Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg vor­lie­gen­den Fall waren von der Klä­ge­rin die Auf­wen­dun­gen – Ein­la­dung in das C zu der Son­der­vor­füh­rung sowie Gewäh­rung, sofern gewünscht, von Übernachtung(en) im Hotel – ledig­lich des­we­gen dem bestimm­ten, näher defi­nier­ten Anle­ger­kreis gewährt wor­den, um die­sen ent­we­der zu „beloh­nen“ für das Invest­ment (wie vor­her ange­kün­digt) oder um ihn zu die­sem Invest­ment (inner­halb eines bestimm­ten Zeit­raums vor dem Event) zu ver­an­las­sen. Auf jeden Fall han­delt es sich aus der Sicht der Klä­ge­rin nicht um eine unei­gen­nüt­zi­ge Berei­che­rung des Emp­fän­gers im Sin­ne eines Geschenks ohne kon­kre­ten Bezug zu der Leis­tung des Emp­fän­gers – Betei­li­gung an der Kom­man­dit­ge­sell­schaft Fonds –. Da somit zumin­dest eine Sei­te des zivil­recht­li­chen Ver­tra­ges nicht von der Unent­gelt­lich­keit aus­ge­gan­gen ist, schei­det eine zivil­recht­lich und damit auch eine steu­er­recht­li­che Schen­kung aus.

Zwar hat der Bun­des­fi­nanz­hof 2 die Zuwen­dung einer Rei­se an Geschäfts­part­ner als Geschenk im Sin­ne des § 4 Abs. 5 Nr. 1 EStG qua­li­fi­ziert. Maß­ge­bend für die­se Ent­schei­dung war aber, dass es an einer kon­kre­ten Gegen­leis­tung fehl­te, da die Rei­se ledig­lich dazu dien­te, "… Geschäfts­ver­bin­dun­gen anzu­knüp­fen, zu sichern oder zu ver­bes­sern." Im vor­lie­gen­den Streit­fall ist aber die Zuwen­dung des Events untrenn­bar ver­knüpft mit einer Anteils­zeich­nung in bestimm­ter Höhe (Min­dest­be­trag von 250.000 DM in 1994 bzw. 300.000 DM in 1996 bzw. 400.000 DM in 1998).

Die Ein­la­dung als Zuga­be

Damit han­delt es sich, so das Finanz­ge­richt, bei den Leis­tun­gen der Klä­ge­rin um eine Art von Zuga­be im Sin­ne der zwi­schen­zeit­lich außer Kraft getre­te­nen, in den Streit­jah­ren aber noch gül­ti­gen Zuga­be­ver­ord­nung – hier: § 1 Abs. 1 Zuga­be­VO –. Ob die­se Zuga­be wett­be­werbs­recht­lich zuläs­sig war oder nicht, ob sie ins­be­son­de­re gegen § 1 Abs. 2 Zuga­be­VO – Gering­fü­gig­keit einer wett­be­werbs­recht­lich zuläs­si­gen Zuga­be – ver­sto­ßen hat, ist für die steu­er­recht­li­che Wür­di­gung uner­heb­lich (vgl. § 40 AO). Wei­ter ist es für das Finanz­ge­richt uner­heb­lich, dass die ein­zel­nen Anle­ger (= Zuwen­dungs­emp­fän­ger) und die Klä­ge­rin (= Zuwen­den­der) kei­ne mit­tel­ba­ren oder unmit­tel­ba­ren Rechts­be­zie­hun­gen hat­ten. Denn der Ver­mitt­lungs­ver­trag zur Zeich­nung von Antei­len an den ver­schie­de­nen Fonds kam zwi­schen dem Unter­ver­mitt­ler und dem Anle­ger zustan­de. Da aber die Klä­ge­rin als Ver­trags­part­ner der KG für den Ver­trieb der Antei­le an der KG ver­ant­wort­lich war, hat­te sie ein wesent­li­ches wirt­schaft­li­ches Eigen­in­ter­es­se an der Zeich­nung der Antei­le durch die Anle­ger. Und die Ein­la­dung zu dem Event mit Über­nach­tung hat die Eigen­schaft, die Zeich­nungs­be­reit­schaft der Anle­ger zu för­dern.

Ande­rer­seits ist das Finanz­ge­richt der Auf­fas­sung, dass die Zuga­be­VO nicht unmit­tel­bar ange­wandt wer­den kann. Wie sich unstrei­tig aus dem Text des § 1 Abs. 2 Zuga­be­VO ergibt, sind zuläs­si­ge Zuga­ben im Sin­ne der Zuga­be­VO ledig­lich Zuga­ben, die einen gerin­gen Wert haben. Im Streit­fall kann man aber nicht mehr von gering­wer­ti­gen "Zuga­ben" reden.

Wert­gren­ze auch für Zuga­ben

Wei­ter ist das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg der Auf­fas­sung, dass die Wert­gren­zen des § 4 Abs. 5 Nr. 1 EStG auch bei Zuga­ben wie den hier strei­ti­gen im kon­kre­ten Ein­zel­fall ent­spre­chend beach­tet wer­den müs­sen, und zwar aus fol­gen­den Über­le­gun­gen her­aus:

Zum einen bestehen Zwei­fel, ob im Wirt­schafts­le­ben über­haupt ech­te Geschen­ke im Sin­ne der §§ 516 ff. BGB getä­tigt wer­den. Fer­ner ist zu berück­sich­ti­gen, dass eine Kapi­tal­ge­sell­schaft, wie die Klä­ge­rin, kei­nen pri­va­ten Bereich hat. Denn es ist die Auf­ga­be einer GmbH als eines Erwerbs­un­ter­neh­mens, Gewin­ne zu erzie­len und die Gewin­ne nach Mög­lich­keit zu stei­gern 3. Dem­zu­fol­ge ist davon aus­zu­ge­hen, dass grund­sätz­lich jedes Han­deln einer Kapi­tal­ge­sell­schaft unter dem Gesichts­punkt des Abschlus­ses von Ver­trä­gen und der damit ver­bun­de­nen Erzie­lung von Ein­nah­men zu sehen ist. Hier­zu wür­de das Finanz­ge­richt auch durch­aus die übli­chen „Weih­nachts­ge­schen­ke“ an Geschäfts­freun­de zäh­len, die in der Regel unter Berück­sich­ti­gung der im abge­lau­fe­nen Wirt­schafts­jahr getä­tig­ten Umsät­ze ori­en­tie­ren, was z. B. sog. „Geschenk-Richt­li­ni­en“ von Unter­neh­men bele­gen.

Dem­nach sind ech­te Geschen­ke im Sin­ne des § 4 Abs. 5 Nr. 1 EStG in Ver­bin­dung mit § 516 BGB im Wirt­schafts­le­ben eher die Aus­nah­me. Will man aber den in die­ser Norm – § 4 Abs. 5 Nr. 1 EStG – zum Aus­druck kom­men­den Wil­len des Gesetz­ge­bers zur Gel­tung ver­hel­fen, dann müs­sen auch bei Zuga­ben im Sin­ne der Defi­ni­ti­on des § 1 Abs. 1 Zuga­be­VO die Wert­gren­zen des § 4 Abs. 5 Nr. 1 EStG ent­spre­chend beach­tet wer­den, da ansons­ten die Rege­lung des Geset­zes aus­ge­höhlt und in mani­pu­la­to­ri­scher Wei­se umgan­gen wer­den kann.

  1. BFH, Urtei­le vom 23.06.1993 – I R 14/​93, BSt­Bl II 1993, 806; vom 04.02.1987 – I R 132/​83, BFH/​NV 1988, 352; und vom 18.02.1982 – IV R 46/​78, BSt­Bl II 1982, 394; vgl. fer­ner BFH, Urteil vom 26.11.1985 – IX R 64/​82, BSt­Bl II 1986, 161 m. w. N.; BFH, Beschluss vom 28.11.1986 – III B 54/​85, BSt­Bl II 1987, 296[]
  2. in BFH, Urteil vom 23.06.1993 – I R 14/​93, BSt­Bl II 1993, 806[]
  3. BFH, Urtei­le vom 17.02.1993 – I R 3/​92, BSt­Bl II 1993, 457; und vom 28.06.1989 – I R 89/​85, BSt­Bl II 1989, 854[]