Bestechungs­gel­der als Betriebsausgaben

Soweit die Zuwen­dung von Vor­tei­len sowie die damit zusam­men­hän­gen­den Auf­wen­dun­gen als Betriebs­aus­ga­ben nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 10 Satz 1 EStG den Gewinn nicht min­dern dür­fen, wenn die Zuwen­dung der Vor­tei­le eine rechts­wid­ri­ge Hand­lung dar­stellt, die den Tat­be­stand eines Straf­ge­set­zes ver­wirk­licht, muss auch der sub­jek­ti­ve Tat­be­stand des Straf­ge­set­zes erfüllt sein.

Bestechungs­gel­der als Betriebsausgaben

Nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 10 Satz 1 EStG dür­fen die fol­gen­den Betriebs­aus­ga­ben den Gewinn nicht min­dern: die Zuwen­dung von Vor­tei­len sowie damit zusam­men­hän­gen­de Auf­wen­dun­gen, wenn die Zuwen­dung der Vor­tei­le eine rechts­wid­ri­ge Hand­lung dar­stellt, die den Tat­be­stand eines Straf­ge­set­zes oder eines Geset­zes ver­wirk­licht, das die Ahn­dung mit einer Geld­bu­ße zulässt.

Die Vor­schrift wur­de durch das Steu­er­ent­las­tungs­ge­setz 1999/​2000/​2002 vom 24.03.19991 mit dem Ziel neu gefasst, das dar­in schon zuvor for­mu­lier­te Abzugs­ver­bot zur wirk­sa­me­ren Bekämp­fung von Kor­rup­ti­on unab­hän­gig von der Ahn­dung einer Bestechungs­hand­lung aus­zu­ge­stal­ten2. Es genügt seit­her eine rechts­wid­ri­ge Tat i.S. des § 11 Abs. 1 Nr. 5 StGB3. Weil nach § 15 StGB nur vor­sätz­li­ches Han­deln straf­bar ist, wenn nicht das Gesetz aus­drück­lich fahr­läs­si­ges Han­deln mit Stra­fe bedroht, muss aller­dings ‑anders als das Finanz­ge­richt meint- auch der sub­jek­ti­ve Tat­be­stand eines Straf­ge­set­zes erfüllt sein4. Soweit die Neu­fas­sung nach dem Gesetz­ent­wurf5 einen Kata­log von Tat­be­stän­den des Straf- und Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­rechts ent­hal­ten soll­te, wur­de auf Emp­feh­lung des Finanz­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­tags6 davon abge­se­hen, um einen dau­ern­den gesetz­li­chen Anpas­sungs­be­darf zu ver­mei­den. Die Fest­stel­lungs­last für das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des Abzugs­ver­bots trifft das Finanz­amt; dies ent­spricht auch der Rechts­auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung7.

Weiterlesen:
Betriebsausgabenabzug trotz nicht erbrachter Eingangsleistung

Die Vor­aus­set­zun­gen des Abzugs­ver­bots nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 10 Satz 1 EStG kön­nen auch vor­lie­gen, wenn eine rechts­wid­ri­ge Hand­lung den Tat­be­stand eines Straf­ge­set­zes in Gestalt des § 299 Abs. 2 und Abs. 3 StGB ver­wirk­licht8. Nach der in den Streit­jah­ren gel­ten­den Fas­sung der Vor­schrift wird wie nach Abs. 1 der Norm bestraft, wer im geschäft­li­chen Ver­kehr zu Zwe­cken des Wett­be­werbs einem Ange­stell­ten oder Beauf­trag­ten eines geschäft­li­chen Betriebs einen Vor­teil für die­sen oder einen Drit­ten als Gegen­leis­tung dafür anbie­tet, ver­spricht oder gewährt, dass er ihn oder einen ande­ren bei dem Bezug von Waren oder gewerb­li­chen Leis­tun­gen in unlau­te­rer Wei­se bevor­zu­ge. § 299 StGB setzt eine Unrechts­ver­ein­ba­rung der­ge­stalt vor­aus, dass der Vor­teil als Gegen­leis­tung für eine künf­ti­ge unlau­te­re Bevor­zu­gung gefor­dert, ange­bo­ten, ver­spro­chen oder ange­nom­men wird9. Bevor­zu­gung bedeu­tet dabei die sach­frem­de Ent­schei­dung zwi­schen zumin­dest zwei Bewer­bern, setzt also Wett­be­werb und Benach­tei­li­gung eines Kon­kur­ren­ten vor­aus; hier­bei genügt es, wenn die zum Zwe­cke des Wett­be­werbs vor­ge­nom­me­nen Hand­lun­gen nach der Vor­stel­lung des Täters geeig­net sind, sei­ne eige­ne Bevor­zu­gung oder die eines Drit­ten im Wett­be­werb zu ver­an­las­sen10. Nach § 299 Abs. 3 StGB gilt Abs. 2 der Vor­schrift auch für Hand­lun­gen im aus­län­di­schen Wettbewerb.

Ange­stell­ter i.S. des § 299 Abs. 2 StGB ist, wer in einem min­des­tens fak­ti­schen Dienst­ver­hält­nis zum Geschäfts­herrn steht und des­sen Wei­sun­gen unter­wor­fen ist, sofern er im Rah­men der Tätig­keit Ein­fluss auf die geschäft­li­che Betä­ti­gung des Betriebs neh­men kann. Beauf­trag­ter ist, wer, ohne Ange­stell­ter oder Inha­ber eines Betriebs zu sein, auf­grund sei­ner Stel­lung im Betrieb berech­tigt und ver­pflich­tet ist, auf Ent­schei­dun­gen die­ses Betriebs, die den Waren- oder Leis­tungs­aus­tausch betref­fen, unmit­tel­bar oder mit­tel­bar Ein­fluss zu neh­men11. Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob dem Ver­hält­nis zwi­schen dem Beauf­trag­ten und dem Betrieb eine Rechts­be­zie­hung zugrun­de liegt oder ob der Beauf­trag­te ledig­lich durch sei­ne fak­ti­sche Stel­lung in der Lage ist, Ein­fluss auf geschäft­li­che Ent­schei­dun­gen aus­zu­üben12.

Weiterlesen:
Zugriff des Finanzamts auf datenverarbeitungsgestützte Buchführung

Weil der Tat­be­stand des § 299 Abs. 2 StGB aus­drück­lich auf Ange­stell­te und Beauf­trag­te eines geschäft­li­chen Betriebs beschränkt ist, wird der Betriebs­in­ha­ber hin­sicht­lich sei­nes eige­nen Betriebs vom Tat­be­stand nicht erfasst13.

Das Abzugs­ver­bot des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 10 Satz 1 EStG kommt nur zur Anwen­dung, soweit es sich bei den betrof­fe­nen Auf­wen­dun­gen um Betriebs­aus­ga­ben i.S. von § 4 Abs. 4 EStG han­delt, denn nach ihrem ein­deu­ti­gen Wort­laut bestimmt die Vor­schrift, dass „Betriebs­aus­ga­ben“ den Gewinn nicht min­dern dür­fen. Ob Auf­wen­dun­gen i.S. von § 4 Abs. 4 EStG betrieb­lich ver­an­lasst sind, obliegt jedoch einer recht­li­chen Beur­tei­lung; eine Ver­stän­di­gung über Rechts­fra­gen bzw. ‑fol­gen wäre unbe­acht­lich14

So ver­moch­te der Bun­des­fi­nanz­hof im hier ent­schie­de­nen Fall auf­grund der bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt nicht zu beur­tei­len, ob die angeb­li­chen tat­säch­li­chen Emp­fän­ger, an die die C die streit­be­fan­ge­nen Gel­der wei­ter­ge­lei­tet haben soll, als Ange­stell­te oder Beauf­trag­te eines geschäft­li­chen Betriebs i.S. des § 299 Abs. 2 StGB anzu­se­hen sind. Soweit das Finanz­ge­richt von der „wirtschaftliche[n] Herr­schaft der Fami­lie [T] über die betei­lig­ten vier Abneh­mer­fir­men“ aus­ge­gan­gen ist, hat das Finanz­ge­richt kei­ne Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen, wel­che Funk­ti­on die inso­weit han­deln­den Per­so­nen in die­sen Fir­men gehabt haben und inwie­weit die­se als Betriebs­in­ha­ber anzu­se­hen sind. Soweit das Finanz­ge­richt davon aus­ge­gan­gen ist, dass die Unsi­cher­heit, ob die­se Per­so­nen Allein­ge­sell­schaf­ter der vier Abneh­mer­fir­men gewe­sen sind, der zah­len­den Unter­neh­me­rin anzu­las­ten sei, hat es nicht berück­sich­tigt, dass unge­ach­tet der Streit­fra­ge, ob beim geschäfts­füh­ren­den Allein­ge­sell­schaf­ter einer GmbH wie bei § 266 StGB auf die recht­li­che Selb­stän­dig­keit der juris­ti­schen Per­son abzu­stel­len ist15, die Fest­stel­lungs­last hin­sicht­lich der Vor­aus­set­zun­gen des Abzugs­ver­bots des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 10 Satz 1 EStG dem Finanz­amt obliegt.

Weiterlesen:
Freiberuflicher Bauleiter

Soweit das Finanz­ge­richt fälsch­lich davon aus­ge­gan­gen ist, dass der sub­jek­ti­ve Tat­be­stand des § 299 Abs. 2 StGB nicht erfüllt sein müs­se, es gleich­wohl aber einen beding­ten Vor­satz des Zah­len­den bejaht hat, tra­gen sei­ne bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen eben­falls nicht sei­ne Wür­di­gung, dass der Zah­len­de jeden­falls mit beding­tem Vor­satz gehan­delt habe. Zum einen lie­gen kei­ne Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt zur Wett­be­werbs­si­tua­ti­on vor, in der sich die Klä­ge­rin in den Streit­jah­ren befun­den hat. Inso­weit ist nicht erkenn­bar, inwie­weit die Ver­ein­ba­run­gen der Klä­ge­rin mit ihren Kun­den nach der Vor­stel­lung des Zah­len­den geeig­net gewe­sen sind, eine Bevor­zu­gung der Klä­ge­rin im Wett­be­werb zu ver­an­las­sen. Des Wei­te­ren ergibt sich auch nicht, war­um der Zah­len­de davon aus­ge­gan­gen ist, dass die auf Sei­ten der Abneh­mer­fir­men als angeb­li­che Geld­emp­fän­ger han­deln­den Per­so­nen als Ange­stell­te oder Beauf­trag­te i.S. des § 299 Abs. 2 StGB anzu­se­hen waren.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. April 2021 – IV R 25/​18

  1. BGBl I 1999, 402[]
  2. vgl. BT-Drs. 14/​23, S. 169[]
  3. vgl. auch BT-Drs. 14/​23, S. 169[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 14.05.2014 – X R 23/​12, BFHE 245, 536, BStBl II 2014, 684, Rz 55[]
  5. BT-Drs. 14/​23, S. 5 und S. 169[]
  6. BT-Drs. 14/​443, S. 21[]
  7. vgl. BMF, Schrei­ben vom 10.10.2002 – IV A 6‑S 2145–35/02, BStBl I 2002, 1031, Rz 28[]
  8. vgl. auch BFH, Urteil in BFHE 245, 536, BStBl II 2014, 684, Rz 31[]
  9. z.B. BGH, Beschluss vom 14.07.2010 – 2 StR 200/​10, wis­tra 2010, 447, unter 2.a; BGH, Urteil vom 22.01.2020 – 5 StR 385/​19, Rz 18, m.w.N.[]
  10. z.B. BGH, Urtei­le vom 16.04.2004 – 2 StR 486/​03, BGHSt 49, 214, unter II.; vom 22.01.2020 – 5 StR 385/​19, Rz 18; BGH, Beschluss vom 29.04.2015 – 1 StR 235/​14, wis­tra 2015, 435, Rz 55[]
  11. BFH, Urteil in BFHE 245, 536, BStBl II 2014, 684, Rz 34 f., m.w.N.[]
  12. BFH, Urteil in BFHE 245, 536, BStBl II 2014, 684, Rz 35[]
  13. vgl. z.B. BGH, Urteil vom 10.07.2013 – 1 StR 532/​12, Neue Juris­ti­sche Wochen­schrift 2013, 3590, Rz 30, m.w.N., zu § 266 StGB; Fischer, StGB, 68. Aufl., § 299 Rz 12; Woll­schlä­ger in: Leipold/​Tsambikakis/​Zöller, Anwalt­kom­men­tar StGB, 3. Aufl., § 299 Rz 12; Tie­de­mann in: Leip­zi­ger Kom­men­tar zum StGB, 12. Aufl., § 299 Rz 10[]
  14. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 12.03.1998 – V R 17/​96, BFH/​NV 1998, 1067, unter II. 2.d, m.w.N.[]
  15. dazu Fischer, a.a.O., § 299 Rz 13, m.w.N.[]

Bild­nach­weis:

Weiterlesen:
Begrenzung des Schuldzinsenabzugs