Betei­li­gung an einer Kom­ple­men­tär-GmbH als not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen

Die Zuord­nung der Betei­li­gung an einer Kom­ple­men­tär-GmbH zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen eines Betriebs­auf­spal­tungs-Besitz­un­ter­neh­mens wird nicht schon dadurch aus­ge­schlos­sen, dass die Kom­ple­men­tär-GmbH weder zum Besitz­un­ter­neh­men noch zur Betriebs-Kapi­tal­ge­sell­schaft unmit­tel­ba­re Geschäfts­be­zie­hun­gen unter­hält.

Betei­li­gung an einer Kom­ple­men­tär-GmbH als not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen

In der­ar­ti­gen Fäl­len setzt eine Zuord­nung zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen vor­aus, dass die Kom­ple­men­tär-GmbH ent­schei­den­den Ein­fluss auf den Geschäfts­be­trieb der Gesell­schaft (GmbH & Co. KG) besitzt, die auf­grund ihrer inten­si­ven und dau­er­haf­ten Geschäfts­be­zie­hun­gen zum Betriebs­un­ter­neh­men die gewerb­li­che Betä­ti­gung des Steu­er­pflich­ti­gen ent­schei­dend för­dert. Wei­ter­hin ist erfor­der­lich, dass der Steu­er­pflich­ti­ge sei­ner­seits durch das Hal­ten der Betei­li­gung an der Kom­ple­men­tär-GmbH in der Lage ist, deren Ein­fluss auf das geschäft­li­che Ver­hal­ten der GmbH & Co. KG maß­geb­lich zu för­dern.

Zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen (§ 4 Abs. 1, § 5 Abs. 1 EStG) gehö­ren Wirt­schafts­gü­ter, die aus­schließ­lich und unmit­tel­bar für eigen­be­trieb­li­che Zwe­cke des Steu­er­pflich­ti­gen genutzt wer­den 1.

Das kann –unab­hän­gig von ihrer Höhe– auch auf die Betei­li­gung an einer GmbH zutref­fen 2. Hier­für genügt es aller­dings nicht, wenn mit der Betei­li­gungs­ge­sell­schaft ledig­lich Geschäfts­be­zie­hun­gen unter­hal­ten wer­den, wie sie übli­cher­wei­se auch mit ande­ren Unter­neh­men bestehen 3. Unmit­tel­bar für eigen­be­trieb­li­che Zwe­cke wird eine sol­che Betei­li­gung aber dann genutzt, wenn sie dazu bestimmt ist, die gewerb­li­che Betä­ti­gung des Steu­er­pflich­ti­gen ent­schei­dend zu för­dern oder wenn sie dazu dient, den Absatz von Pro­duk­ten des Steu­er­pflich­ti­gen zu gewähr­leis­ten 4. Ob eine Betei­li­gung not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen ist, ent­schei­det sich danach, auf wel­chem Geschäfts­feld die Gesell­schaft, an der die Betei­li­gung besteht, tätig ist und wie sich die­se Tätig­keit auf den Betrieb des Steu­er­pflich­ti­gen aus­wirkt 5.

Eine Betei­li­gung kann auch dann not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen eines Ein­zel­un­ter­neh­mens sein, wenn die Akti­vi­tä­ten der Betei­li­gungs­ge­sell­schaft nicht unmit­tel­bar dem Ein­zel­un­ter­neh­men des Steu­er­pflich­ti­gen, das –wie im Streit­fall– über die Rechts­fi­gur der Betriebs­auf­spal­tung eine als gewerb­lich qua­li­fi­zier­te Ver­mie­tungs­tä­tig­keit aus­übt, son­dern der Betriebs­ge­sell­schaft zugu­te­kom­men 6. Ist die Betei­li­gung dazu bestimmt und geeig­net, das ope­ra­ti­ve Geschäft der Betriebs­ge­sell­schaft in erheb­li­chem Maße zu för­dern, steht damit zugleich fest, dass die­se Betei­li­gung auch dazu die­nen soll, die gewerb­li­che Betä­ti­gung des Besitz­un­ter­neh­mens "ent­schei­dend zu för­dern" 7. Denn durch die damit ein­her­ge­hen­de Ver­bes­se­rung der Ver­mö­gens- und Ertrags­la­ge der Betriebs­ge­sell­schaft erhöht sich der Wert der Betei­li­gung des Besitz­un­ter­neh­mens am Betriebs­un­ter­neh­men 8.

In sei­nem Beschluss in BFHE 210, 434, BSt­Bl II 2005, 833 hat der BFH fer­ner ver­deut­licht, dass nicht nur eine unmit­tel­bar vom Besitz­un­ter­neh­men gehal­te­ne Betei­li­gung die Betriebs­ge­sell­schaft und damit das Besitz­un­ter­neh­men för­dern kann. Viel­mehr ist auch die durch eine unmit­tel­ba­re Betei­li­gung gehal­te­ne wei­te­re –aus der Per­spek­ti­ve des Unter­neh­mers mit­tel­ba­re Betei­li­gung– in die Beur­tei­lung eines hin­rei­chend kon­kre­ten Funk­ti­ons­zu­sam­men­hangs ein­zu­be­zie­hen 9.

Ent­schei­dend ist, ob der GmbH-Gesell­schaf­ter durch das Hal­ten die­ser Betei­li­gung die Geschäfts­tä­tig­keit der KG gegen­über sei­nem Besitz­un­ter­neh­men maß­geb­lich för­der­te. Auf das Vor­lie­gen einer Mehr­heits­be­tei­li­gung kommt es in die­sem Zusam­men­hang nicht ent­schei­dend an 10.

Soll­ten die Antei­le an der GmbH zum Betriebs­ver­mö­gen des Besitz­un­ter­neh­mens gehö­ren, wäre der Gewinn aus ihrer Ver­äu­ße­rung gemäß § 7 Satz 1 GewStG auch im Gewer­be­er­trag zu erfas­sen 11.

Der Ver­weis auf die Kür­zungs­vor­schrift des § 9 Nr. 2a GewStG geht fehl. Gewin­ne aus Antei­len sind ins­be­son­de­re Ein­künf­te i.S. des § 20 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 EStG 12. Der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung der Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft ist indes kein von der Kapi­tal­ge­sell­schaft aus­ge­schüt­te­ter Gewinn, er ent­steht viel­mehr ori­gi­när beim Gesell­schaf­ter 13.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Juni 2013 – X R 2/​10

  1. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 08.12.1993 – XI R 18/​93, BFHE 173, 137, BSt­Bl II 1994, 296, m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Urteil vom 22.01.1981 – IV R 107/​77, BFHE 133, 168, BSt­Bl II 1981, 564[]
  3. z.B. BFH, Urteil vom 02.09.2008 – X R 32/​05, BFHE 224, 217, BSt­Bl II 2009, 634[]
  4. stän­di­ge Recht­spre­chung: BFH, Urteil in BFHE 224, 217, BSt­Bl II 2009, 634, m.w.N.[]
  5. BFH, Beschluss vom 26.08.2005 – X B 98/​05, BFHE 210, 434, BSt­Bl II 2005, 833[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 20.04.2005 – X R 2/​03, BFHE 210, 29, BSt­Bl II 2005, 694, unter II.1.b, m.w.N.[]
  7. BFH, Urteil in BFHE 210, 29, BSt­Bl II 2005, 694[]
  8. BFH, Beschluss in BFHE 210, 434, BSt­Bl II 2005, 833, sowie aus­führ­lich BFH, Urteil in BFHE 210, 29, BSt­Bl II 2005, 694, unter II.1.b bb[]
  9. vgl. Schus­ter, juris­PR-Steu­erR 44/​2005 Anm. 2, a.E. unter B.[]
  10. vgl. z.B. BFH, Urteil in BFHE 173, 137, BSt­Bl II 1994, 296; BFH, Urteil in BFHE 224, 217, BSt­Bl II 2009, 634[]
  11. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 01.07.1992 – I R 5/​92, BFHE 169, 224, BSt­Bl II 1993, 131, m.w.N.[]
  12. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 23.01.2002 – XI R 48/​99, BFHE 198, 124, BSt­Bl II 2002, 875; BFH, Urteil vom 02.04.1997 – X R 6/​95, BFHE 183, 208, BSt­Bl II 1998, 25[]
  13. vgl. BFH, Urtei­le vom 26.04.2001 – IV R 75/​99, BFHE 194, 421, unter 2. der Ent­schei­dungs­grün­de; in BFHE 169, 224, BSt­Bl II 1993, 131[]