Betrieb­li­che Ver­an­las­sung unfall­be­ding­ter Scha­dens­er­satz­leis­tun­gen

Unfall­schä­den tei­len steu­er­recht­lich das Schick­sal der Fahrt, auf der sie ent­stan­den sind. Unfall­be­ding­te Scha­dens­er­satz­leis­tun­gen sind daher betrieb­lich ver­an­lass­te Auf­wen­dun­gen, soweit sich der Unfall auf einer betrieb­li­chen Rei­se ereig­net hat. Beruht die Rei­se als sol­che auf einer dop­pel­ten Ver­an­las­sung, so kann die pri­va­te Ver­an­las­sung der Auf­wen­dun­gen von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sein. Wer­den aber auf Grund der pri­va­ten Mit­ver­an­las­sung einer Rei­se erheb­li­che Unfall­kos­ten aus­ge­löst, die nicht mehr von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sind, so führt dies zu einem Abzugs­ver­bot für die­se pri­vat ver­an­lass­ten Auf­wen­dun­gen, das aller­dings die betrieb­li­che Ver­an­las­sung der übri­gen Auf­wen­dun­gen unbe­rührt lässt.

Betrieb­li­che Ver­an­las­sung unfall­be­ding­ter Scha­dens­er­satz­leis­tun­gen

Dies ent­schied der Bun­des­fi­nanz­hofs in dem Fall eines Arz­tes, der zwei Pas­sa­gie­re auf eine Rei­se mit einem gechar­ter­ten Pri­vat­flug­zeug mit­nahm, das er selbst und ein Safe­ty-Pilot flo­gen. Die Flug­rei­se dien­te dem Besuch eines Ärz­te­kon­gres­ses. Die bei­den Pas­sa­gie­re waren die Leh­rer eines Kin­des des Arz­tes, zugleich aber auch des­sen Pati­en­ten. Sie woll­ten am Ort des Kon­gres­ses eine Klas­sen­fahrt vor­be­rei­ten; einer der bei­den hat­te auch den Besuch sei­ner Mut­ter beab­sich­tigt. Beim Absturz des Flug­zeugs star­ben alle Insas­sen. Ein ordent­li­ches Gericht sprach den Hin­ter­blie­be­nen der getö­te­ten Flug­gäs­te Scha­dens­er­satz­an­sprü­che zu, die sich gegen die Wit­we des Arz­tes als Allein­er­bin rich­te­ten. Die­se mach­te die Zah­lun­gen als Betriebs­aus­ga­ben gel­tend. Das Finanz­amt lehn­te dies ab, ließ aber die übri­gen durch den Unfall ver­an­lass­ten Auf­wen­dun­gen zum Abzug zu. Das Finanz­ge­richt wies die dage­gen gerich­te­te Kla­ge mit der Begrün­dung ab, die Auf­wen­dun­gen für die bei­den gefäl­lig­keits­hal­ber mit­ge­nom­me­nen Pas­sa­gie­re sei­en pri­vat ver­an­lasst.

An die Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts, wonach der Arzt den Lehr­kräf­ten einen per­sön­li­chen Gefal­len habe erwei­sen wol­len, sah sich der Bun­des­fi­nanz­hof gebun­den. Das Finanz­ge­richt hat­te sich nicht davon über­zeu­gen kön­nen, dass auch die bei­den Leh­rer aus betrieb­li­cher Ver­an­las­sung mit­ge­flo­gen waren. Inso­weit hat­ten die Hin­ter­blie­be­nen des Arz­tes gel­tend gemacht, die bei­den Leh­rer hät­ten auf der Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tung als Pati­en­ten vor­ge­stellt wer­den sol­len.

BFH, Urteil vom 1. Dezem­ber 2005 – IV R 26/​04