Betriebs­auf­spal­tung – und die Ver­mie­tung durch den Erb­bau­be­rech­tig­ten

Bestellt der Eigen­tü­mer an einem unbe­bau­ten Grund­stück ein Erb­bau­recht und errich­tet der Erb­bau­be­rech­tig­te ein Gebäu­de, das er an ein Betriebs­un­ter­neh­men ver­mie­tet, fehlt zwi­schen dem Eigen­tü­mer und dem Betriebs­un­ter­neh­men die für die Annah­me einer Betriebs­auf­spal­tung erfor­der­li­che sach­li­che Ver­flech­tung.

Betriebs­auf­spal­tung – und die Ver­mie­tung durch den Erb­bau­be­rech­tig­ten

Eine Betriebs­auf­spal­tung liegt vor, wenn einem Betriebs­un­ter­neh­men wesent­li­che Grund­la­gen für sei­nen Betrieb von einem Besitz­un­ter­neh­men über­las­sen wer­den und die hin­ter dem Betriebs- und dem Besitz­un­ter­neh­men ste­hen­den Per­so­nen einen ein­heit­li­chen geschäft­li­chen Betä­ti­gungs­wil­len haben; die­ser ist anzu­neh­men, wenn die Per­son oder Per­so­nen­grup­pe, die das Besitz­un­ter­neh­men beherrscht, auch in der Betriebs­ge­sell­schaft ihren Wil­len durch­set­zen kann 1. Ob die damit umschrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen einer sach­li­chen und per­so­nel­len Ver­flech­tung vor­lie­gen, ist nach den Ver­hält­nis­sen des ein­zel­nen Fal­les zu ent­schei­den 2.

Eine sach­li­che Ver­flech­tung liegt vor, wenn das Besitz­un­ter­neh­men dem Betriebs­un­ter­neh­men wenigs­tens eine wesent­li­che Betriebs­grund­la­ge zur Nut­zung über­lässt. Das gilt sowohl für Nut­zungs­über­las­sun­gen auf schuld­recht­li­cher als auch für sol­che auf ding­li­cher Grund­la­ge. Auch die Bestel­lung eines Erb­bau­rechts an einem unbe­bau­ten Grund­stück kann eine sach­li­che Ver­flech­tung zwi­schen Eigen­tü­mer (Besitz­un­ter­neh­men) und Erb­bau­be­rech­tig­tem (Betriebs­ge­sell­schaft) und damit eine Betriebs­auf­spal­tung begrün­den 3. Das gilt jeden­falls dann, wenn das Grund­stück von der Betriebs­ge­sell­schaft mit Zustim­mung des Besitz­un­ter­neh­mens mit Gebäu­den oder Vor­rich­tun­gen bebaut wer­den soll, die für das Betriebs­un­ter­neh­men eine wesent­li­che Betriebs­grund­la­ge dar­stel­len 4.

Nach die­sen Maß­stä­ben liegt im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall kei­ne sach­li­che Ver­flech­tung zwi­schen der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin und der D‑GmbH vor, da die Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin der D‑GmbH kei­ne wesent­li­che Betriebs­grund­la­ge zur Nut­zung über­las­sen hat. Die Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin hat vor­lie­gend nur der C‑GmbH (Erb­bau­be­rech­tig­te), nicht aber der D‑GmbH das Erb­bau­recht über 49 Jah­re ein­ge­räumt. Das zwi­schen der C‑GmbH und der D‑GmbH ver­ein­bar­te Miet­ver­hält­nis stellt gegen­über dem Erb­bau­recht ein eigen­stän­di­ges Nut­zungs­recht und damit ein ali­ud dar und betraf zudem ein ande­res Wirt­schafts­gut. Das Erb­bau­recht ist das ver­äu­ßer­li­che und ver­erb­li­che Recht, auf einem Grund­stück ein Bau­werk zu haben (§ 1 Abs. 1 des Erb­bau­rechts­ge­set­zes ‑Erb­bau­RG-). Mit des­sen Bestel­lung hat die C‑GmbH ein lang­jäh­ri­ges, ding­li­ches Nut­zungs­recht an den Grund­stücks­flä­chen erhal­ten. Sie errich­te­te auf eige­nes wirt­schaft­li­ches Risi­ko das Ver­wal­tungs, Lager- und Ein­zel­han­dels­ver­kaufs­ge­bäu­de und ver­mie­te­te es in eige­nem Namen und auf eige­ne Rech­nung an die D‑GmbH. Das Gebäu­de wur­de nach § 12 Abs. 1 Satz 1 Erb­bau­RG zum wesent­li­chen Bestand­teil des Erb­bau­rechts 5 und stand damit im Eigen­tum der C‑GmbH. Auf­grund der durch das Erb­bau­recht bewirk­ten wirt­schaft­li­chen und recht­li­chen Tren­nung von Grund­stück und Gebäu­de ist es unzu­tref­fend, wenn das Finanz­ge­richt Ham­burg 6 davon aus­geht, dass das der C‑GmbH von der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin "über­las­se­ne Grund­stück (…) für die D‑GmbH (…) eine wesent­li­che Betriebs­grund­la­ge" sei. Denn die Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin hat der C‑GmbH nur das Erb­bau­recht bestellt und die­se hat der D‑GmbH nicht das Grund­stück über­las­sen, son­dern das Gebäu­de. Dass die Ein­räu­mung des Erb­bau­rechts an die C‑GmbH auch wirt­schaft­lich nicht mit der Nut­zungs­über­las­sung des Miet­ob­jekts von der C‑GmbH an die D‑GmbH gleich­ge­setzt wer­den kann, ist zudem dar­an erkenn­bar, dass der von der C‑GmbH an die Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin jähr­lich zu leis­ten­de Erb­bau­zins 150.000 € betrug, wäh­rend die D‑GmbH an die C‑GmbH einen Miet­zins in Höhe von 1.044.000 € pro Jahr ent­rich­te­te.

Anders als das Finanz­ge­richt Ham­burg 7 meint, lässt sich auch aus der Recht­spre­chung des X. Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs 8 zur mit­tel­ba­ren Nut­zungs­über­las­sung eine sach­li­che Ver­flech­tung im Streit­fall zwi­schen der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin und der D‑GmbH nicht her­lei­ten.

Nach die­sen Urtei­len in BFHE 197, 254, BSt­Bl II 2002, 363 und in BFH/​NV 2002, 631 ist der für die Betriebs­auf­spal­tung maß­geb­li­che Ein­fluss auf das Betriebs­un­ter­neh­men ins­be­son­de­re dann anzu­neh­men, wenn die Per­so­nen, die die Geschi­cke des ver­pach­ten­den Besitz­un­ter­neh­mens bestim­men, in der Lage sind, über ein zwi­schen­ge­schal­te­tes Unter­neh­men bei einem Betriebs­un­ter­neh­men ihren Wil­len hin­sicht­lich aller wesent­li­chen unter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dun­gen durch­zu­set­zen. Die­sel­ben Grund­sät­ze gel­ten, wenn sich die Herr­schaft über das Besitz­un­ter­neh­men ‑mit­tel­bar- über einen Zwi­schen­ver­mie­ter aus­wirkt, der ver­pflich­tet ist, sei­ner­seits die wesent­li­che Betriebs­grund­la­ge an das Betriebs­un­ter­neh­men wei­ter­zu­ver­mie­ten.

Der Streit­fall ist indes mit jenen Sach­ver­hal­ten nicht ver­gleich­bar. Die C‑GmbH übte mit der Bebau­ung eine eige­ne wesent­li­che wirt­schaft­li­che Funk­ti­on aus und war kei­ne Zwi­schen­ver­mie­te­rin. Zudem war sie gegen­über der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin nicht zur Wei­ter­ver­mie­tung an ein bestimm­tes Unter­neh­men ver­pflich­tet.

Zwi­schen der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin und der C‑GmbH schei­det man­gels per­so­nel­ler Ver­flech­tung gleich­falls eine Betriebs­auf­spal­tung aus.

Eine per­so­nel­le Ver­flech­tung liegt vor, wenn eine Per­son oder Per­so­nen­grup­pe bei­de Unter­neh­men in der Wei­se beherrscht, dass sie in der Lage ist, in bei­den Unter­neh­men einen ein­heit­li­chen Geschäfts- und Betä­ti­gungs­wil­len durch­zu­set­zen 9. Für die per­so­nel­le Ver­flech­tung ist ent­schei­dend, dass die Geschi­cke des Besitz­un­ter­neh­mens in den wesent­li­chen Fra­gen durch die Per­son oder Per­so­nen bestimmt wer­den, die auch hin­ter dem Betriebs­un­ter­neh­men ste­hen 10. Zu den wesent­li­chen Fra­gen gehö­ren ins­be­son­de­re die hin­sicht­lich der wesent­li­chen Betriebs­grund­la­gen bestehen­den Nut­zungs­über­las­sungs­ver­trä­ge, die nicht gegen den Wil­len der Per­son oder der Per­so­nen­grup­pe auf­ge­löst wer­den sol­len, die das Besitz­un­ter­neh­men beherrscht 11.

Nach dem gesell­schafts­recht­li­chen Regel­sta­tut gilt für eine GbR das Ein­stim­mig­keits­prin­zip (§ 709 Abs. 1 BGB). Das ist nur dann anders, wenn die Gesell­schaf­ter gemäß § 709 Abs. 2 BGB im Gesell­schafts­ver­trag ver­ein­bart haben, dass die Beschlüs­se mit der Mehr­heit der Stim­men gefasst wer­den kön­nen 12. Bei der Betei­li­gung von Nur-Besitz­ge­sell­schaf­tern an der Besitz­per­so­nen­ge­sell­schaft liegt kei­ne per­so­nel­le Ver­flech­tung mit dem Betriebs­un­ter­neh­men vor, wenn im Besitz­un­ter­neh­men das Ein­stim­mig­keits­prin­zip gilt, da die beherr­schen­de Per­son oder Per­so­nen­grup­pe recht­lich ihren Wil­len in der Besitz­ge­sell­schaft nicht mehr durch­set­zen kann. Das gilt jeden­falls dann, wenn das Ein­stim­mig­keits­prin­zip auch die lau­fen­de Ver­wal­tung der ver­mie­te­ten Wirt­schafts­gü­ter, die soge­nann­ten Geschäf­te des täg­li­chen Lebens, ein­schließt 13.

Nach die­sen Maß­stä­ben ist das Finanz­ge­richt Ham­burg in der Vor­in­stanz 7 zu Unrecht davon aus­ge­gan­gen, dass A als Allein­ge­sell­schaf­ter der C‑GmbH auch in der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin sei­nen geschäft­li­chen Betä­ti­gungs­wil­len hin­sicht­lich des Erb­bau­rechts durch­set­zen konn­te, weil er über die Ver­wal­tung und die Been­di­gung des Erb­bau­rechts allein hät­te bestim­men kön­nen. Es hat rechts­feh­ler­haft der gesell­schafts­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung zur Ein­stim­mig­keit von Gesell­schaf­ter­be­schlüs­sen und den Beson­der­hei­ten des Erb­bau­rechts kei­ne ent­schei­den­de Bedeu­tung bei­gemes­sen. In einer Gesamt­schau las­sen die gesell­schafts­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen nur die Beur­tei­lung zu, dass der Allein­ge­sell­schaf­ter nicht in der Lage war, in der GbR (Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin) in Bezug auf das Erb­bau­recht sei­nen Wil­len durch­zu­set­zen.

Das Finanz­ge­richt Ham­burg hat den GbR-Ver­trag so aus­ge­legt, dass Gesell­schaf­ter­be­schlüs­se grund­sätz­lich mit ein­fa­cher Mehr­heit zu fas­sen waren, wobei der Allein­ge­sell­schaf­ter die Stim­men­mehr­heit in Höhe von 90 v.H. besaß. Dar­über hin­aus habe ihm im Innen­ver­hält­nis allein die Geschäfts­füh­rung und Ver­tre­tung der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin oble­gen. Der Allein­ge­sell­schaf­ter hät­te damit die lau­fen­de Ver­wal­tung des Erb­bau­rechts allein bestimmt.

Die Aus­le­gung von Wil­lens­er­klä­run­gen gehört zwar grund­sätz­lich zu der dem Finanz­ge­richt oblie­gen­den Fest­stel­lung der Tat­sa­chen. Der BFH ist als Revi­si­ons­in­stanz aber nicht gehin­dert, die Aus­le­gung des Finanz­ge­richt dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob die gesetz­li­chen Aus­le­gungs­re­geln (§§ 133, 157 BGB), die Denk­ge­set­ze und die gesetz­li­chen Erfah­rungs­sät­ze zutref­fend ange­wandt wor­den sind 14. Es ist der wirk­li­che Wil­le des Erklä­ren­den zu erfor­schen und nicht an dem buch­stäb­li­chen Sin­ne des Aus­drucks zu haf­ten. Emp­fangs­be­dürf­ti­ge Wil­lens­er­klä­run­gen sind so aus­zu­le­gen, wie sie der Erklä­rungs­emp­fän­ger nach Treu und Glau­ben mit Rück­sicht auf die Ver­kehrs­sit­te unter Berück­sich­ti­gung aller ihm bekann­ten Umstän­de ver­ste­hen muss­te (Emp­fän­ger­ho­ri­zont). Ent­spricht die finanz­ge­richt­li­che Aus­le­gung die­sen Grund­sät­zen, ist sie für den Bun­des­fi­nanz­hof bin­dend, auch wenn sie zwar nicht zwin­gend, aber mög­lich war 15.

Die­se Grund­sät­ze zugrun­de gelegt, hat das Finanz­ge­richt Ham­burg im Streit­fall gegen §§ 133, 157 BGB ver­sto­ßen. A konn­te hin­sicht­lich der Durch­füh­rung und der Been­di­gung des Erb­bau­rechts sei­nen Wil­len in der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin recht­lich nicht durch­set­zen.

Anders als es das Finanz­ge­richt Ham­burg gese­hen hat, lässt sich aus den Bestim­mun­gen des GbR-Ver­trag nicht her­lei­ten, dass A im Innen­ver­hält­nis allei­ne die Geschäfts­füh­rung der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin oblag. Denn der Rege­lungs­ge­halt der Ver­trags­klau­sel ist nicht klar bestimm­bar. Sie kann sowohl dahin­ge­hend inter­pre­tiert wer­den, dass sie ledig­lich eine Klar­stel­lung für den gesetz­li­chen Regel­fall der gemein­schaft­li­chen Geschäfts­füh­rung der Gesell­schaf­ter (§ 709 Abs. 1 BGB) ent­hält, als auch dahin­ge­hend, dass M nur bei Ver­hin­de­rung des Gesell­schaf­ters A han­deln darf. Die Aus­le­gung ergibt daher inso­weit kein ein­deu­ti­ges Ergeb­nis. Im Streit­fall deu­tet zwar die Rege­lung des GbR-Ver­trag auf das Vor­lie­gen einer per­so­nel­len Ver­flech­tung hin, soweit danach Gesell­schaf­ter­be­schlüs­se, sofern das Gesetz oder der Ver­trag nicht etwas ande­res zwin­gend vor­schrei­ben, mit ein­fa­cher Mehr­heit der abge­ge­be­nen Stim­men gefasst wer­den. Käme es allein auf das in § 12 Nr. 1 Satz 2 GbR-Ver­trag sta­tu­ier­te Mehr­heits­prin­zip an, könn­te A, der über 90 v.H. der Stim­men bei der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin ver­füg­te, auch dort sei­nen Wil­len durch­set­zen. Die­se Sicht­wei­se misst jedoch der im Streit­fall vor­lie­gen­den Rege­lung des § 12 Nr. 1 Satz 1 GbR-Ver­trag zur Ein­stim­mig­keit von Gesell­schaf­ter­be­schlüs­sen hin­sicht­lich des Abschlus­ses von Erb­bau­rechts­ver­trä­gen und den Beson­der­hei­ten des Erb­bau­rechts nur unge­nü­gen­de Bedeu­tung bei. Denn die Beherr­schung muss sich ins­be­son­de­re auf das Nut­zungs­ver­hält­nis hin­sicht­lich der wesent­li­chen Betriebs­grund­la­ge bezie­hen. Dies rich­tet sich nach den tat­säch­li­chen Umstän­den des Ein­zel­fal­les.

Auf einen Ein­fluss des A auf die lau­fen­de Ver­wal­tung des bestell­ten Erb­bau­rechts ist dabei nicht ent­schei­dend abzu­stel­len, da im Streit­fall nach Abschluss des Erb­bau­rechts­ver­tra­ges kaum Ver­wal­tungs­ge­schäf­te anfie­len. Der Ver­wal­tung des Erb­bau­rechts ist in die­sem Fall nur gerin­ge Bedeu­tung bei­zu­mes­sen. Ent­schei­dend gegen eine Beherr­schungs­iden­ti­tät durch A spricht indes, dass bei der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin nach § 12 Nr. 1 Satz 1 GbR-Ver­trag ein ein­stim­mi­ger Gesell­schaf­ter­be­schluss von A und M zum Abschluss des Erb­bau­rechts­ver­tra­ges erfor­der­lich war, und A auch kei­ne recht­li­che Mög­lich­keit hat­te, des­sen Been­di­gung vor dem ver­ein­bar­ten Zeit­ab­lauf nach 49 Jah­ren allei­ne her­bei­zu­füh­ren. Dem Finanz­ge­richt ist nicht dar­in zu fol­gen, dass A als Geschäfts­füh­rer und Mehr­heits­ge­sell­schaf­ter der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin und Allein­ge­sell­schaf­ter der C‑GmbH die Mög­lich­keit hat­te, den Erb­bau­rechts­ver­trag jeder­zeit durch den Abschluss eines Auf­he­bungs­ver­tra­ges oder durch die Schaf­fung der Vor­aus­set­zun­gen für einen Heim­fall und die Aus­übung des Heim­fall­rechts zu been­den. Eine sol­che Auf­fas­sung berück­sich­tigt nicht die Beson­der­hei­ten des Erb­bau­rechts und des GbR-Ver­tra­ges. Ist das Erb­bau­recht ‑wie im Streit­fall für 49 Jah­re- für bestimm­te Zeit bestellt, dann endet es mit dem Ablauf die­ser Zeit (§ 27 Abs. 1 Satz 1 Erb­bau­RG). Sobald das Erb­bau­recht ‑wie im Streit­fall- im Grund­buch ein­ge­tra­gen und damit zur Ent­ste­hung gelangt ist, kön­nen gesetz­li­che oder ver­trag­li­che Rück­tritts- oder Kün­di­gungs­rech­te gemäß § 1 Abs. 4 Erb­bau­RG nicht mehr aus­ge­übt wer­den; es ver­bleibt nur die Aus­übung eines etwai­gen Heim­fall­an­spruchs nach § 2 Nr. 4 Erb­bau­RG 16. Unbe­scha­det des­sen, dass mit der Ein­tra­gung im Grund­buch der Bestand des Erb­bau­rechts für sei­ne gesam­te, von Anfang an vor­ge­se­he­ne Dau­er gesi­chert 17 und A des­halb bereits recht­lich die ein­sei­ti­ge Been­di­gung nicht mög­lich war, ergibt sich auch aus dem in § 2 GbR-Ver­trag gere­gel­ten Gesell­schafts­zweck der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin, der die Ver­wal­tung eige­ner Grund­stü­cke ins­be­son­de­re durch die Bestel­lung von Erb­bau­rech­ten vor­sieht, dass eine Been­di­gung des Erb­bau­rechts­ver­tra­ges durch A den Grund­la­gen­ge­schäf­ten zuzu­rech­nen ist, weil eine sol­che die Erfül­lung des Gesell­schafts­zwecks unmög­lich machen wür­de. Da § 12 Nr. 1 Satz 1 GbR-Ver­trag mit sei­nen dem Ein­stim­mig­keits­er­for­der­nis unter­lie­gen­den Beschluss­ge­gen­stän­den an die Ver­fol­gung des dar­ge­stell­ten Gesell­schafts­zwecks anknüpft, ist die Rege­lung dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass die den Gesell­schafts­zweck der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin ver­ei­teln­den Geschäf­te nach § 12 Nr. 1 Satz 1 GbR-Ver­trag eines ein­stim­mi­gen Gesell­schaf­ter­be­schlus­ses bedür­fen. Die­ses Ein­stim­mig­keits­er­for­der­nis umfasst auch die Been­di­gung als actus con­tra­ri­us zum Abschluss eines Erb­bau­rechts­ver­tra­ges. Aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 18, wonach eine im Gesell­schafts­ver­trag vor­ge­se­he­ne Mehr­heits­ent­schei­dung auch für die Grund­la­gen der Gesell­schaft berüh­ren­de Maß­nah­men aus­rei­chend sein kann, folgt kein ande­res Ergeb­nis, weil die Aus­le­gung von § 2 und § 12 Nr. 1 Satz 1 GbR-Ver­trag im Streit­fall gera­de ergibt, dass die Been­di­gung des Erb­bau­rechts­ver­tra­ges nicht nur einer Mehr­heits­ent­schei­dung, son­dern einem ein­stim­mig zu fas­sen­den Gesell­schaf­ter­be­schluss unter­fal­len soll.

Im Übri­gen geht das Finanz­ge­richt bei sei­ner Wür­di­gung unzu­tref­fend davon aus, dass es uner­heb­lich sei, ob der Abschluss eines Auf­he­bungs­ver­tra­ges oder die Schaf­fung der Vor­aus­set­zun­gen für einen Heim­fall wirt­schaft­lich sinn­voll gewe­sen wären. Die­se Sicht­wei­se lässt außer Acht, dass die Beur­tei­lung, ob A sei­nen Wil­len auch in der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin (GbR) hin­sicht­lich des Erb­bau­rechts­ver­hält­nis­ses durch­set­zen konn­te, anhand der tat­säch­li­chen Umstän­de zu tref­fen ist. Dies schließt es aus, rein hypo­the­ti­sche, lebens­frem­de oder fern­lie­gen­de Gesche­hens­ab­läu­fe, für deren Ein­tritt kei­ne Anhalts­punk­te bestehen, zu berück­sich­ti­gen. Die vom Finanz­ge­richt ange­nom­me­nen Mög­lich­kei­ten des A, den Erb­bau­rechts­ver­trag jeder­zeit durch Abschluss eines Auf­he­bungs­ver­tra­ges oder Schaf­fung der Vor­aus­set­zun­gen für einen Heim­fall und die Aus­übung des Heim­fall­rechts zu been­den, sind im Streit­fall ledig­lich hypo­the­ti­scher Natur. Für den tat­säch­li­chen Ein­tritt sol­cher Maß­nah­men bestehen kei­ne Anhalts­punk­te. Viel­mehr wider­sprä­chen sie dem Gesell­schafts­zweck der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin und hät­ten erheb­li­che wirt­schaft­li­che Nach­tei­le für die Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin und die C‑GmbH zur Fol­ge.

Schei­det im Streit­fall somit eine sach­li­che Ver­flech­tung mit der D‑GmbH und eine per­so­nel­le Ver­flech­tung mit der C‑GmbH und damit in bei­den Fäl­len die Annah­me einer Betriebs­auf­spal­tung aus, hat die Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin im Rah­men des Erb­bau­rechts­ver­hält­nis­ses ledig­lich Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung erzielt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2015 – IV R 9/​13

  1. BFH, Beschluss vom 08.11.1971 – GrS 2/​71, BFHE 103, 440, BSt­Bl II 1972, 63, stän­di­ge Recht­spre­chung[]
  2. z.B. BFH, Urteil vom 16.05.2013 – IV R 54/​11, BFH/​NV 2013, 1557, Rz 32, m.w.N.[]
  3. BFH, Urtei­le vom 19.03.2002 – VIII R 57/​99, BFHE 198, 137, BSt­Bl II 2002, 662; und vom 06.11.2008 – IV R 79/​06, BFH/​NV 2009, 730[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 198, 137, BSt­Bl II 2002, 662, unter II.B.02.b bb[]
  5. vgl. Bar­den­he­wer in Ingenstau/​Hustedt, Erb­bau­RG, 10. Aufl., § 12 Rz 4[]
  6. FG Ham­burg, Urteil vom 05.02.2013 – 3 K 190/​11[]
  7. FG Ham­burg, aaO[][]
  8. BFH, Urtei­le vom 28.11.2001 – X R 50/​97, BFHE 197, 254, BSt­Bl II 2002, 363; – X R 49/​97, BFH/​NV 2002, 631[]
  9. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urtei­le vom 01.07.2003 – VIII R 24/​01, BFHE 202, 535, BSt­Bl II 2003, 757; und vom 30.11.2005 – X R 56/​04, BFHE 212, 100, BSt­Bl II 2006, 415[]
  10. BFH, Urteil vom 08.09.2011 – IV R 44/​07, BFHE 235, 231, BSt­Bl II 2012, 136, Rz 25[]
  11. BFH, Urtei­le vom 27.08.1992 – IV R 13/​91, BFHE 169, 231, BSt­Bl II 1993, 134, unter II. 2.b der Grün­de; vom 21.08.1996 – X R 25/​93, BFHE 181, 284, BSt­Bl II 1997, 44, unter 3. der Grün­de, und in BFHE 197, 254, BSt­Bl II 2002, 363, unter II. 3. der Grün­de[]
  12. vgl. u.a. BFH, Urtei­le vom 10.12 1991 – VIII R 71/​87, BFH/​NV 1992, 551; vom 11.05.1999 – VIII R 72/​96, BFHE 188, 397, BSt­Bl II 2002, 722[]
  13. BFH, Urtei­le vom 21.01.1999 – IV R 96/​96, BFHE 187, 570, BSt­Bl II 2002, 771; in BFHE 235, 231, BSt­Bl II 2012, 136[]
  14. vgl. BFH, Urteil vom 29.11.2007 – IV R 62/​05, BFHE 220, 85, BSt­Bl II 2008, 557[]
  15. vgl. BFH, Urteil in BFHE 220, 85, BSt­Bl II 2008, 557[]
  16. Bar­den­he­wer in Ingenstau/​Hustedt, a.a.O., § 11 Rz 53[]
  17. vgl. v. Oefele/​Winkler, Hand­buch des Erb­bau­rechts, 5. Aufl., Rz 2.139[]
  18. z.B. BGH, Urteil vom 17.09.2013 – II ZR 68/​11, NJW-RR 2014, 349, unter II. 2.a aa (2), m.w.N.[]