Betriebs­auf­spal­tung – und die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit die­ses Rechts­in­sti­tuts

Aus Sicht des Bun­des­fi­nanz­hofs bestehen nach wie vor kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken im Hin­blick auf das Rechts­in­sti­tut der Betriebs­auf­spal­tung als sol­ches.

Betriebs­auf­spal­tung – und die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit die­ses Rechts­in­sti­tuts

Das Rechts­in­sti­tut der Betriebs­auf­spal­tung führt auch an sich nicht zu einer will­kür­li­chen Betrach­tung der Ver­mie­tungs- und Ver­pach­tungs­tä­tig­keit, son­dern ist durch das Gesetz gedeckt, da § 21 Abs. 3 EStG gera­de die Zurech­nung der Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung zu einer ande­ren Ein­kunfts­art vor­sieht 1. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat in den Nicht­an­nah­me­be­schlüs­sen vom 13.01.1995 2, vom 25.03.2004 3 und vom 14.02.2008 4 die Fra­ge, ob das Insti­tut der Betriebs­auf­spal­tung über eine aus­rei­chen­de gesetz­li­che Grund­la­ge ver­fügt, mehr­fach posi­tiv beant­wor­tet 5.

Dies gilt auch für die Über­tra­gung der zur ech­ten Betriebs­auf­spal­tung ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze auf den Fall der unech­ten Betriebs­auf­spal­tung. Aus Grün­den der Gleich­mä­ßig­keit der Besteue­rung müs­sen die Rechts­fol­gen der unech­ten Betriebs­auf­spal­tung und die­je­ni­gen der ech­ten Betriebs­auf­spal­tung über­ein­stim­men. Ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken inso­weit hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits im Beschluss vom 14.01.1969 6 nicht erken­nen kön­nen. Die­se Beur­tei­lung hat der Bun­des­fi­nanz­hof in der Fol­ge­zeit geteilt 7.

Die Über­le­gun­gen zur ech­ten Betriebs­auf­spal­tung gel­ten also ins­be­son­de­re auch in einem Fall, in dem die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zur sach­li­chen Ver­flech­tung bei einer ech­ten Betriebs­auf­spal­tung aus Gleich­heits­grün­den auf die Vor­aus­set­zun­gen einer sach­li­chen Ver­flech­tung bei einer unech­ten Betriebs­auf­spal­tung über­tra­gen wird. Eine Ver­let­zung des Art.20 Abs. 3 GG ver­mag der Bun­des­fi­nanz­hof des­halb eben­so wenig erken­nen wie einen Ver­stoß gegen den Gleich­heits­grund­satz aus Art. 3 Abs. 1 GG oder die Eigen­tums­ga­ran­tie des Art. 14 Abs. 1 GG.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. Mai 2016 – X R 5/​14

  1. vgl. nur BFH, Beschluss vom 25.06.2013 – X B 96/​12, BFH/​NV 2013, 1802, unter II. 1.a aa, mit Hin­wei­sen auch auf den BVerfG, Beschluss vom 12.03.1985 1 BvR 571/​81, BVerfGE 69, 188, BSt­Bl II 1985, 475, unter C.I. 2.[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 13.01.1995 – 1 BvR 1946/​94, HFR 1995, 223[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 25.03.2004 – 2 BvR 944/​00, NJW 2004, 2513, unter 1.b dd[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 14.02.2008 – 1 BvR 19/​07, HFR 2008, 754[]
  5. so schon BFH, Beschluss in BFH/​NV 2013, 1802, unter II. 1.a aa[]
  6. BVerfG, Beschluss vom 14.01.1969 – 1 BvR 136/​62, BVerfGE 25, 28, BSt­Bl II 1969, 389[]
  7. vgl. nur BFH, Urteil vom 23.03.2011 – X R 45/​09, BFHE 233, 416, BSt­Bl II 2011, 778, unter II. 2., m.w.N.[]