Betriebs­fahr­zeug – und die hal­be Dop­pel­ga­ra­ge als Betriebs­ver­mö­gen?

Für die Prü­fung, ob eine Gara­ge Neben­ge­bäu­de des Wohn­ge­bäu­des ist oder nicht, ist es grund­sätz­lich uner­heb­lich, ob der in der Gara­ge unter­ge­stell­te PKW von einem Gewer­be­trei­ben­den oder selbst­stän­dig Täti­gen für Fahr­ten zu sei­nem Betrieb, von einem Arbeit­neh­mer für Fahr­ten zur Arbeits­stät­te oder von einem nicht beruf­lich Täti­gen aus­schließ­lich für Pri­vat­fahr­ten genutzt wird. Eine Gara­ge wird allein durch die Unter­stel­lung eines zu einem Betriebs­ver­mö­gen gehö­ren­den PKW weder ganz noch zur Hälf­te not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen.

Betriebs­fahr­zeug – und die hal­be Dop­pel­ga­ra­ge als Betriebs­ver­mö­gen?

Steht ein Ein­fa­mi­li­en­haus samt Dop­pel­ga­ra­ge im Mit­ei­gen­tum von Ehe­gat­ten und wird die Dop­pel­ga­ra­ge zur Abstel­lung eines zum Betriebs­ver­mö­gen eines Ehe­gat­ten gehö­ren­den Betriebs-Pkw genutzt, so kann der Unter­neh­mer-Ehe­gat­te einen Hälf­te­an­teil an der Dop­pel­ga­ra­ge zuläs­si­ger­wei­se sei­nem gewill­kür­ten Betriebs­ver­mö­gen zuord­nen (hier: durch Aus­weis im betrieb­li­chen Anla­ge­ver­mö­gen). Die spä­te­re Über­tra­gung des Mit­ei­gen­tums­an­teils an dem Grund­stück auf den Nicht­un­ter­neh­mer-Ehe­gat­ten führt dann zur Zwangs­ent­nah­me der hälf­ti­gen Dop­pel­ga­ra­ge.

Not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen (§ 4 Abs. 1, § 5 EStG) sind nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs sol­che Wirt­schafts­gü­ter, die dem Betrieb in dem Sin­ne unmit­tel­bar die­nen, dass sie objek­tiv erkenn­bar zum unmit­tel­ba­ren Ein­satz im Betrieb selbst bestimmt sind 1. Auch wenn die Annah­me not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gens nicht vor­aus­setzt, dass das Wirt­schafts­gut für den Betrieb not­wen­dig im Sin­ne einer Unent­behr­lich­keit ist, muss es sich doch in irgend­ei­ner Wei­se auf den Betriebs­ab­lauf bezie­hen und ihm zu die­nen bestimmt sein 2. Dem Wirt­schafts­gut muss nach sei­ner Art und nach den Vor­stel­lun­gen des Unter­neh­mers eine nicht nur mög­li­che, son­dern siche­re, nicht unwe­sent­li­che Funk­ti­on im Rah­men der Betriebs­füh­rung zukom­men.

Nicht zum Betriebs­ver­mö­gen gehö­ren Gegen­stän­de der pri­va­ten Lebens­füh­rung (not­wen­di­ges Pri­vat­ver­mö­gen), d. h. Wirt­schafts­gü­ter, die aus­schließ­lich oder nahe­zu aus­schließ­lich der pri­va­ten Lebens­füh­rung des Eigen­tü­mers die­nen. Daher wer­den Gebäu­de, die der Steu­er­pflich­ti­ge aus­schließ­lich mit sei­ner Fami­lie bewohnt, grund­sätz­lich als Pri­vat­ver­mö­gen beur­teilt 3.

Nach der Recht­spre­chung des BFH sind Gara­gen, die aus­schließ­lich die­nen­de Funk­ti­on haben, dem Haupt­ge­bäu­de als unselb­stän­di­ge Neben­ge­bäu­de unter und zuzu­ord­nen. Der Zusam­men­hang einer Gara­ge mit dem Wohn­ge­bäu­de wird nicht dadurch gelöst, dass eine Gara­gen­hälf­te der Unter­stel­lung eines zu einem Betriebs­ver­mö­gen gehö­ren­den PKW dient. Für die Prü­fung, ob eine Gara­ge Neben­ge­bäu­de des Wohn­ge­bäu­des ist oder nicht, ist es grund­sätz­lich uner­heb­lich, ob der in der Gara­ge unter­ge­stell­te PKW von einem Gewer­be­trei­ben­den oder selb­stän­dig Täti­gen für Fahr­ten zu sei­nem Betrieb, von einem Arbeit­neh­mer für Fahr­ten zur Arbeits­stät­te oder von einem nicht beruf­lich Täti­gen aus­schließ­lich für Pri­vat­fahr­ten genutzt wird. Eine Gara­ge wird allein durch die Unter­stel­lung eines zu einem Betriebs­ver­mö­gen gehö­ren­den PKW weder ganz noch zur Hälf­te Betriebs­ver­mö­gen 4.

Ein Wirt­schafts­gut, das weder not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen noch not­wen­di­ges Pri­vat­ver­mö­gen ist, kann gewill­kür­tes Betriebs­ver­mö­gen sein, wenn es objek­tiv dazu geeig­net ist und erkenn­bar dazu bestimmt ist, den Betrieb zu för­dern 5. Dabei muss die Zuord­nung zum Betriebs­ver­mö­gen unmiss­ver­ständ­lich, klar und ein­deu­tig sein, damit Pri­vat­ver­mö­gen aus­nahms­wei­se zu Betriebs­ver­mö­gen wird.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH 6 sind Tei­le eines Gebäu­des, die in ver­schie­de­nen Nut­zungs- und Funk­ti­ons­zu­sam­men­hän­gen ste­hen, selb­stän­di­ge Wirt­schafts­gü­ter i.S. des § 6 Abs. 1 EStG. Ent­schei­det sich ein Steu­er­pflich­ti­ger, betrieb­lich genutz­te Neben­räu­me in die Kos­ten­be­rech­nung ein­zu­be­zie­hen, so sind die Kos­ten nach dem Ver­hält­nis des gesam­ten betrieb­lich genutz­ten Bereichs (betrieb­lich genutz­te Haupt- und Neben­räu­me) zu der Gesamt­flä­che (Haupt- und Neben­räu­me) auf­zu­tei­len 7.

Ein Wirt­schafts­gut (hier: betrieb­lich genutz­te Grund­stücks­flä­che) ver­liert sei­ne Eigen­schaft als Betriebs­ver­mö­gen durch die Auf­lö­sung des sach­li­chen oder per­sön­li­chen Zusam­men­hangs mit dem Betrieb 8.

Bei Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze ist die antei­li­ge Gara­ge dem Betriebs­ver­mö­gen zuzu­rech­nen; mit der Über­tra­gung des Grund­stücks auf die Ehe­frau war der Grund­stücks­an­teil ent­nom­men.

Dem Ein­wand der Ehe­mann – bezug­neh­mend auf die Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 28.06.1983 4 – der Gara­gen­an­teil sei rechts­wid­rig als Betriebs­ver­mö­gen erfasst wor­den und kön­ne daher auch nicht ent­nom­men wer­den, folgt das Finanz­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall nicht.

Nach den Umstän­den des Streit­fal­les ist die Gara­ge – wor­auf die Ehe­leu­te sich beru­fen – als Teil des Ein­fa­mi­li­en­hau­ses anzu­se­hen. Nach der von den Ehe­mannn zitier­ten Recht­spre­chung wird der Gara­gen­an­teil allein durch das Abstel­len eines betrieb­lich genutz­ten Fahr­zeugs nicht Betriebs­ver­mö­gen. Dies hin­der­te die Ehe­leu­te nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen der Recht­spre­chung des BFH indes nicht, die antei­li­ge betrieb­lich genutz­te Flä­che des Ein­fa­mi­li­en­hau­ses dem (gewill­kür­ten) Betriebs­ver­mö­gen zuzu­ord­nen 9. Die­sen Grund­sät­zen fol­gend haben die Ehe­leu­te die betrieb­lich genutz­ten Flä­chen – wie den Lager­raum und die antei­li­ge Gara­ge – zuläs­si­ger­wei­se und ein­ver­nehm­lich im Rah­men der Betriebs­prü­fung für die Jah­re 1983 bis 1986 dem Betriebs­ver­mö­gen zuge­ord­net. Die­se Zuord­nung zum Betriebs­ver­mö­gen hat der Ehe­mann seit­dem durch den Aus­weis im sei­nem betrieb­li­chen Anla­ge­ver­zeich­nis doku­men­tiert. Die Über­tra­gung des Grund­stücks auf die Ehe­frau führ­te zur Ent­nah­me des Betriebs­ver­mö­gens.

Finanz­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 3. Febru­ar 2015 – 6 K 3817/​13

  1. vgl. etwa BFH, Urteil vom 06.03.1991 – X R 57/​88, BSt­Bl II 1991, 829 m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 19.02.1987 – IV R 175/​85, BSt­Bl II 1987, 430[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 23.01.1991 – X R 105 – 107/​88, BSt­Bl II 1991, 519[]
  4. BFH, Urteil vom 28.06.1983 – VIII R 179/​79, BSt­Bl II 1984, 196[][]
  5. vgl. BFH, Urteil vom 30.04.1975 – I R 111/​73, BSt­Bl II 1975, 582[]
  6. vgl. BFH, Beschluss vom 23.08.1999 – GrS 5/​97, BSt­Bl II 1999, 774[]
  7. BFH, Urteil vom 05.09.1990 – X R 3/​89, BSt­Bl II 1991, 389[]
  8. BFH, Urteil vom 06.11.1991 – XI R 27/​90, BSt­Bl II 1993, 391[]
  9. so etwa BFH, Urteil vom 21.07.1982 – I R 97/​78, BSt­Bl II 1983, 288; BFH, Urteil vom 05.09.1990 – X R 3/​89, BSt­Bl II 1991, 389, jeweils die Zuord­nung auch von Gara­gen in Ein­fa­mi­li­en­häu­sern zum Betriebs­ver­mö­gen bestä­ti­gend[]