Betriebs­raum eines Ehe­gat­ten im gemein­sa­men Ein­fa­mi­li­en­haus

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat­te sich jetzt mit der Fra­ge zu befas­sen, ob ein Ehe­gat­te, der neben dem ande­ren Ehe­gat­ten hälf­ti­ger Mit­ei­gen­tü­mer eines Ein­fa­mi­li­en­hau­ses ist, in dem er einen Raum für sei­ne betrieb­li­chen Zwe­cke nutzt, bei Been­di­gung der betrieb­li­chen Nut­zung, die antei­lig auf die­sen Raum ent­fal­len­den stil­len Reser­ven in vol­lem Umfang oder nur zur Hälf­te ver­steu­ern muss.

Betriebs­raum eines Ehe­gat­ten im gemein­sa­men Ein­fa­mi­li­en­haus

Im Urteils­fall hat­te ein Arzt den Kel­ler­raum des Ein­fa­mi­li­en­hau­ses als Lager­raum für sei­ne Arzt­pra­xis genutzt. Im Streit­jahr ver­äu­ßer­te er die Arzt­pra­xis. Das Finanz­amt erhöh­te den vom Klä­ger erklär­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­winn um die auf den Lager­raum ent­fal­len­den stil­len Reser­ven. Der BFH kam dage­gen zu dem Ergeb­nis, dass der Klä­ger die stil­len Reser­ven des Lager­raums nur zur Hälf­te zu ver­steu­ern hat. Dies gel­te auch dann, wenn er allein die Anschaf­fungs­kos­ten des Ein­fa­mi­li­en­hau­ses und die lau­fen­den Grund­stücks­auf­wen­dun­gen getra­gen habe. Der auf die Ehe­frau ent­fal­len­de hälf­ti­ge Anteil des Lager­raums kön­ne dem Klä­ger nur zuge­rech­net wer­den, wenn er inso­weit wirt­schaft­li­cher Eigen­tü­mer sei. Dies sei jedoch nicht der Fall, weil dem Klä­ger nach der Recht­spre­chung der Zivil­ge­rich­te gegen sei­ne Ehe­frau kein Anspruch auf Ersatz des hälf­ti­gen Ver­kehrs­werts des Kel­ler­raums zuste­he.

Nutzt ein Ehe­gat­te einen Kel­ler­raum des im Mit­ei­gen­tum der Ehe­leu­te ste­hen­den Ein­fa­mi­li­en­hau­ses als Lager­raum für sei­ne Arzt­pra­xis, so erhö­hen die antei­lig auf die­sen Raum ent­fal­len­den stil­len Reser­ven bei Ver­äu­ße­rung der Pra­xis nur zur Hälf­te den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn, und zwar auch dann, wenn der nut­zen­de Ehe­gat­te alle Kos­ten für die­sen Raum als Betriebs­aus­ga­ben abge­zo­gen hat­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 29.04.08 – VIII R 98/​04