Bilanz­an­satz eines erst spä­ter fäl­li­gen Sanie­rungs­zu­schus­ses

Ein bereits ent­stan­de­ner, aber erst in einem spä­te­ren Ver­an­la­gungs­zeit­raum fäl­li­ger Sanie­rungs­zu­schus­ses ist mit sei­nem Nenn­wert, nicht mit einem nied­ri­ge­ren Teil­wert anzu­set­zen.

Bilanz­an­satz eines erst spä­ter fäl­li­gen Sanie­rungs­zu­schus­ses

Nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 EStG sind die nicht in § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG genann­ten Wirt­schafts­gü­ter –u.a. Wirt­schafts­gü­ter des Umlauf­ver­mö­gens wie die streit­ge­gen­ständ­li­che Zuschuss­for­de­rung– grund­sätz­lich mit den Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten anzu­set­zen. Die­se ent­spre­chen bei einer For­de­rung, die wie auch im Streit­fall durch (öffent­lich-recht­li­chen) Ver­trag begrün­det wur­de, grund­sätz­lich deren Nenn­be­trag1. Der Zuschuss ist am hier maß­geb­li­chen Bilanz­stich­tag nicht in Höhe des "rea­li­sier­ten" Bar­werts anzu­set­zen. Denn für die Abzin­sung eines Aktiv­pos­tens fehlt es im Gegen­satz zu dem Abzin­sungs­ge­bot für Ver­bind­lich­kei­ten (§ 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG) und Rück­stel­lun­gen (§ 6 Abs. 1 Nr. 3a EStG) an einer gesetz­li­chen Rechts­grund­la­ge.

Auch der Ansatz eines nied­ri­ge­ren Teil­werts schei­det im Streit­fall aus. Ist der Teil­wert auf­grund einer vor­aus­sicht­lich dau­ern­den Wert­min­de­rung nied­ri­ger, so kann die­ser ange­setzt wer­den (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG). Für Steu­er­pflich­ti­ge, die ihren Gewinn gemäß § 5 Abs. 1 EStG ermit­teln, ergibt sich auf­grund des Grund­sat­zes der Maß­geb­lich­keit und des han­dels­recht­li­chen stren­gen Nie­derst­wert­prin­zips für Wirt­schafts­gü­ter des Umlauf­ver­mö­gens (§ 253 Abs. 4 HGB) bei gesun­ke­nem Teil­wert steu­er­recht­lich eine Pflicht zur Abschrei­bung auf den nied­ri­ge­ren Teil­wert gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG2

Der Teil­wert ent­spricht dem Betrag, den ein Erwer­ber des gan­zen Betriebs im Rah­men des Gesamt­kauf­prei­ses für das ein­zel­ne Wirt­schafts­gut anset­zen wür­de (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG). Der Teil­wert einer unver­zins­li­chen oder nied­rig ver­zins­ten For­de­rung, mit deren Befrie­di­gung erst in gerau­mer Zeit gerech­net wer­den kann, liegt in der Regel unter­halb ihres Nomi­nal­werts. Sie ist weni­ger wert als eine nomi­nal gleich hohe For­de­rung, die kurz­fris­tig ein­ge­zo­gen wer­den kann. Das gilt nicht nur aus Sicht des Erwer­bers einer Ein­zel­for­de­rung, son­dern in glei­cher Wei­se auch aus der des Erwer­bers eines gesam­ten Unter­neh­mens, zu des­sen Ver­mö­gen die For­de­rung gehört3. Die Wert­min­de­rung basiert aller­dings, soweit mit ihr nicht ein Aus­fall­ri­si­ko der For­de­rung abge­bil­det wird, im Wesent­li­chen auf der Annah­me, dass die erst zu einem spä­te­ren Zeit­punkt fäl­li­gen und/​oder unver­zins­li­chen For­de­run­gen ein (ver­deck­tes) Zins­ent­gelt ent­hal­ten4.

Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen kommt der Ansatz eines nied­ri­ge­ren Teil­werts im Streit­fall nicht in Betracht. Die Zuschuss­for­de­rung unter­liegt kei­nem Aus­fall­ri­si­ko und aus die­sem Grund schei­det der Ansatz eines nied­ri­ge­ren Teil­werts aus. Allein die Unver­zins­lich­keit der Zuschuss­for­de­rung und die ver­ein­bar­te und auch tat­säch­lich erfolg­te ratier­li­che Aus­zah­lung der Zuschüs­se bis zu ein­ein­halb Jah­re nach deren Ent­ste­hung recht­fer­tigt den Ansatz eines nied­ri­ge­ren Teil­werts eben­so wenig. Die Zuschuss­for­de­rung beinhal­tet –anders als die unver­zins­li­che Kapi­tal­über­las­sung oder die Stun­dung einer For­de­rung– kei­nen ver­deck­ten Zins­an­teil. Die Fäl­lig­keit und damit die Aus­zah­lung des Sanie­rungs­zu­schus­ses waren von vorn­her­ein abwei­chend von dem Ent­ste­hungs­zeit­punkt gere­gelt. Ein Zins­an­teil war in der ratier­li­chen Aus­zah­lung erkenn­bar nicht ent­hal­ten. Soweit ein­ge­wen­det wird, nur durch die "Teil­wert­ab­schrei­bung" sei gewähr­leis­tet, dass aus­schließ­lich die zum Bilanz­stich­tag rea­li­sier­ten Gewin­ne erfasst wür­den, wird die Rea­li­sie­rung einer For­de­rung mit deren Bewer­tung ver­wech­selt.

Im Übri­gen dürf­te ein nied­ri­ge­rer Teil­wert schon des­halb nicht ange­setzt wer­den, weil selbst bei Unter­stel­lung einer Wert­min­de­rung wegen der Unver­zins­lich­keit der Zuschuss­for­de­rung die Wert­min­de­rung jeden­falls nicht "vor­aus­sicht­lich dau­ernd" i.S. von § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG wäre.

Der Begriff "vor­aus­sicht­lich dau­ern­de Wert­min­de­rung" ist weder im HGB noch im Steu­er­recht defi­niert. Er bezeich­net im Grund­satz eine Min­de­rung des Teil­werts (han­dels­recht­lich: des bei­zu­le­gen­den Werts), die einer­seits nicht end­gül­tig sein muss, ande­rer­seits aber nicht nur vor­über­ge­hend sein darf. Ob eine Wert­min­de­rung "vor­aus­sicht­lich dau­ernd" ist, muss unter Berück­sich­ti­gung der Eigen­art des jeweils in Rede ste­hen­den Wirt­schafts­guts beur­teilt wer­den5.

elbst wenn der aktu­el­le Wert der unver­zins­li­chen Zuschuss­for­de­rung am hier maß­geb­li­chen Bilanz­stich­tag, der vor dem Fäl­lig­keits­zeit­punkt lag, gemin­dert gewe­sen wäre, wäre er in der Fol­ge zwangs­läu­fig suk­zes­si­ve wie­der ange­stie­gen und hät­te zum jewei­li­gen Fäl­lig­keits­zeit­punkt den Nomi­nal­be­trag der Zuschuss­for­de­rung wie­der erreicht. Die Klä­ge­rin hat­te mit­hin stets die gesi­cher­te Aus­sicht, zum Fäl­lig­keits­zeit­punkt den Nomi­nal­wert der Zuschuss­for­de­rung zu erhal­ten. Die mit dem Feh­len der Fäl­lig­keit der unver­zins­li­chen Zuschuss­for­de­rung mög­li­cher­wei­se ver­bun­de­ne Wert­min­de­rung erweist sich somit unter dem zeit­li­chen Blick­win­kel jeden­falls dann, wenn sich dar­in –wie im Streit­fall– nicht ein Risi­ko hin­sicht­lich der Rück­zah­lung wider­spie­gelt, als nur vor­über­ge­hend und folg­lich als nicht dau­er­haft6.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. Juli 2013 – IV R 30/​10

  1. BFH, Urtei­le vom 23.11.1967 – IV 123/​63, BFHE 90, 484, BSt­Bl II 1968, 176, und vom 18.04.2012 – X R 7/​10, BFHE 237, 119 []
  2. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 05.05.2004 – XI R 43/​03, BFH/​NV 2005, 22, und in BFHE 237, 119 []
  3. BFH, Urteil vom 24.10.2012 – I R 43/​11, BFHE 239, 275, BSt­Bl II 2013, 162, m.w.N. []
  4. vgl. u.a. BFH, Urtei­le vom 11.12.1986 – IV R 222/​84, BFHE 149, 149, BSt­Bl II 1987, 553; vom 24.10.2006 – I R 2/​06, BFHE 215, 230, BSt­Bl II 2007, 469 []
  5. BFH, Urteil in BFHE 239, 275, BSt­Bl II 2013, 162, m.w.N. []
  6. so zu einer unver­zins­li­chen Dar­le­hens­for­de­rung: BFH, Urteil in BFHE 239, 275, BSt­Bl II 2013, 162, mit umfang­rei­chen Nach­wei­sen []