Bör­sen­mak­ler – und sei­ne Akti­en vom Bör­sen­be­trei­ber

Wer­den einem selbst­stän­di­gen Kurs­mak­ler Antei­le einer AG zur Erfül­lung sei­ner Cour­ta­ge­for­de­rung über­tra­gen, gelan­gen die Antei­le im Erwerbs­zeit­punkt in das Betriebs­ver­mö­gen. Ihre spä­te­re Ent­nah­me ist dadurch nicht aus­ge­schlos­sen.

Bör­sen­mak­ler – und sei­ne Akti­en vom Bör­sen­be­trei­ber

Zum Betriebs­ver­mö­gen (§ 4 Abs. 1, § 5 EStG) gehö­ren alle Wirt­schafts­gü­ter, die aus betrieb­li­cher Ver­an­las­sung ange­schafft, her­ge­stellt oder ein­ge­legt wer­den. Eine betrieb­li­che Ver­an­las­sung liegt vor, wenn ein objek­ti­ver wirt­schaft­li­cher oder tat­säch­li­cher Zusam­men­hang mit dem Betrieb besteht. Die­ser Zusam­men­hang wird nicht nur durch die Wid­mung des ange­schaff­ten Wirt­schafts­guts zu betrieb­li­chen Zwe­cken begrün­det; er wird auch unab­hän­gig von der tat­säch­li­chen oder beab­sich­tig­ten Nut­zung des Wirt­schafts­guts dadurch her­ge­stellt, dass die Anschaf­fung als sol­che ein betrieb­li­cher Vor­gang ist 1.

Im Streit­fall hat­te der Bör­sen­mak­ler im Jahr 1996 eine Cour­ta­ge­for­de­rung gegen die Kurs­mak­ler­kam­mer. Die­se For­de­rung gehör­te unzwei­fel­haft zum Betriebs­ver­mö­gen. Zur Erfül­lung die­ser For­de­rung erhielt der Bör­sen­mak­ler unter ande­rem Rech­te an den Akti­en. Somit war bereits durch den Anschaf­fungs­vor­gang objek­tiv eine wirt­schaft­li­che und tat­säch­li­che Ver­bin­dung der Akti­en oder eines auf dar­auf gerich­te­ten Anspruchs zum Betriebs­ver­mö­gen her­ge­stellt. Die Anteils­rech­te wur­den dadurch not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen. Mit ihrem Erwerb wur­de letzt­lich die Cour­ta­ge­for­de­rung rea­li­siert. Die Antei­le waren und blie­ben grund­sätz­lich auch Teil des not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gens, da sie nicht nur für pri­va­te Zwe­cke genutzt wer­den konn­ten 2.

Das Hes­si­sche Finanz­ge­richt 3 hat die Umstän­de des Streit­falls dahin gewür­digt, dass die von der Kurs­mak­ler­kam­mer auf den Bör­sen­mak­ler über­tra­ge­nen Akti­en am 31.03.1997, dem Zeit­punkt der ver­meint­li­chen Ent­nah­me, beim Bör­sen­mak­ler nicht mehr in einem über den Anschaf­fungs­vor­gang hin­aus gehen­den not­wen­di­gen betrieb­li­chen För­de­rungs­zu­sam­men­hang stan­den und daher grund­sätz­lich ent­nom­men wer­den konn­ten. Es hat sei­ne Wür­di­gung der Ent­nah­me­fä­hig­keit der Akti­en im Wesent­li­chen dar­auf gestützt, dass die Akti­en nicht dazu dien­ten, die geschäft­li­che Bezie­hung des Ein­zel­un­ter­neh­mens des Bör­sen­mak­lers zur Betei­li­gungs­ge­sell­schaft, der AG, zu för­dern oder zu sichern 4. Die­se Wür­di­gung ist für den Bun­des­fi­nanz­hof nicht zu bean­stan­den (§ 118 Abs. 2 FGO).

Das Finanz­ge­richt hat aus­ge­führt, der Bör­sen­mak­ler habe aus der Betei­li­gung weder geschäft­li­che Vor­tei­le gezo­gen noch sol­che ange­strebt ‑z.B. ver­güns­tig­te Mak­ler­kon­di­tio­nen- und durch sie auch kei­nen ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Geschäfts­po­li­tik der AG neh­men kön­nen.

Die­se Wür­di­gung ist ange­sichts sei­nes gering­fü­gi­gen Anteils ‑ca. 0, 14 %- und der Tat­sa­che, dass ande­re Kurs­mak­ler kei­ne Antei­le an der AG hiel­ten und gleich­wohl den­sel­ben geschäft­li­chen Bedin­gun­gen unter­wor­fen waren, nicht zu bean­stan­den. Der Bör­sen­mak­ler war im Übri­gen seit dem 1.01.1996 Kurs­mak­ler, betei­lig­te sich aber erst ab Juni 1996 an den Anschaf­fungs­kos­ten der Akti­en; für eine Ver­än­de­rung sei­ner geschäft­li­chen Bedin­gun­gen ab Juni 1996 ist nichts ersicht­lich.

Die inso­fern man­geln­de För­de­rung des Betrie­bes hat das Finanz­ge­richt wei­ter­hin nach­voll­zieh­bar damit begrün­det, dass die Aktio­nä­re der AG die Geschäfts­po­li­tik ‑z.B. hin­sicht­lich der Zulas­sung von Per­so­nen, Unter­neh­men und Pro­duk­ten sowie Preis­fest­stel­lun­gen- nicht beein­flus­sen konn­ten, weil die Wert­pa­pier­bör­se als teil­rechts­fä­hi­ge Anstalt des öffent­li­chen Rechts öffent­lich-recht­lich ver­fasst gewe­sen sei und durch eige­ne Orga­ne gehan­delt habe. Der Ein­fluss der Kurs­mak­ler auf die Ange­le­gen­hei­ten der Wert­pa­pier­bör­se erfol­ge nicht über die AG, son­dern über den Bör­sen­rat der Wert­pa­pier­bör­se, dem die Lei­tung der Bör­se oblie­ge und dem nach § 3 Abs. 1 des Bör­sen­ge­set­zes auch Ver­tre­ter der Kurs­mak­ler ange­hör­ten. Die Akti­en ver­mit­tel­ten somit kei­ne zusätz­li­chen Rech­te, was als Kri­te­ri­um für die Zuord­nung zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen spre­chen wür­de 5.

Das Urteil des Hes­si­schen Finanz­ge­richts steht, soweit es die Gleich­be­hand­lung der Aktio­nä­re und der Nicht­ak­tio­nä­re unter den Kurs­mak­lern durch die AG und die Wert­pa­pier­bör­se und das Feh­len geschäft­li­cher Vor­tei­le aus der Stel­lung als Aktio­när als gegen die Zuge­hö­rig­keit der Akti­en zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen spre­chen­de Kri­te­ri­en wer­tet, auch im Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 6, wonach Genos­sen­schafts­an­tei­le nicht zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen gehö­ren, wenn die Genos­sen­schaft Mit­glie­der und Nicht­mit­glie­der gleich­be­han­delt und aus der Mit­glied­schaft kei­ne Vor­tei­le für den Betrieb erwach­sen. In Über­ein­stim­mung damit hat der BFH fer­ner ent­schie­den, dass die von einem Apo­the­ker neben sog. Pflicht­an­tei­len frei­wil­lig gezeich­ne­ten Antei­le an einer Apo­the­ker­ge­nos­sen­schaft nicht dem not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen zuzu­ord­nen sind, wenn sie dem Betrieb kei­ne beson­de­ren Vor­tei­le ver­mit­teln 7.

Da die zwangs­wei­se Kam­mer­zu­ge­hö­rig­keit des Bör­sen­mak­lers nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt nicht mit der Ver­pflich­tung zur Zeich­nung von Akti­en ver­bun­den war, han­del­te es sich auch nicht um sog. Pflicht­an­tei­le, die bereits aus die­sem Grun­de zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen gehör­ten. Der Akti­en­be­sitz war auch nicht mit betriebs­be­zo­ge­nen Pflich­ten des Bör­sen­mak­lers ver­knüpft 8.

Die Akti­en waren auch nicht dau­er­haft dem not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen zuzu­ord­nen, weil der Bör­sen­mak­ler sie ‑wie das Finanz­amt unter Bezug auf die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 9 meint 10- anstel­le sei­ner Cour­ta­ge erhal­ten hat und sie daher zu den betrieb­li­chen Ein­nah­men gehör­ten. Denn ihre spä­te­re Ent­nah­me wur­de dadurch nicht aus­ge­schlos­sen 11.

Das Finanz­ge­richt hat wei­ter zu Recht ange­nom­men, dass die Vin­ku­lie­rung der Namens­ak­ti­en (vgl. § 68 Abs. 2 AktG) für sich genom­men nicht bewirkt, dass die­se als not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen zu behan­deln sind. Namens­ak­ti­en wer­den aus unter­schied­li­chen Grün­den vin­ku­liert, z.B. um bei per­so­nen­be­zo­ge­nen und ins­be­son­de­re Fami­li­en­ge­sell­schaf­ten uner­wünsch­te Aktio­nä­re aus­zu­schlie­ßen 12 oder ‑wie z.B. bei Luft­fahrt­ge­sell­schaf­ten- den Nach­weis einer bestimm­ten Zusam­men­set­zung des Krei­ses der Aktio­nä­re zu erleich­tern. Die Vin­ku­lie­rung kann mit­hin ‑wie im Fal­le des BFH-Urteils in BFHE 204, 213, BSt­Bl II 2004, 280- nach den Umstän­den des Ein­zel­fal­les zusam­men mit ande­ren Gesichts­punk­ten den betrieb­li­chen Bezug von Akti­en unter­strei­chen. Sie führt jedoch für sich genom­men nicht zur Zuge­hö­rig­keit der Akti­en zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen.

Schließ­lich führt auch die Grün­dung der AG, ver­bun­den ins­be­son­de­re mit dem Bestre­ben der Ban­ken und ande­rer Markt­teil­neh­mer, die Bör­se mit­tels umfang­rei­cher Inves­ti­tio­nen zu moder­ni­sie­ren, nicht zwin­gend dazu, dass die von der Kurs­mak­ler­kam­mer gezeich­ne­ten Akti­en nach der Über­tra­gung auf die ein­zel­nen Kurs­mak­ler bei die­sen not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen blie­ben. Das folgt bereits dar­aus, dass die AG 1990 gegrün­det wur­de, der Bör­sen­mak­ler sich aber erst ab Juni 1996 an den von der Kurs­mak­ler­kam­mer gehal­te­nen Akti­en betei­lig­te und die­se ihm erst im Febru­ar 1997 über­tra­gen wur­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 29. Sep­tem­ber 2016 – III R 42/​13

  1. BFH, Urtei­le in BFHE 158, 316, BSt­Bl II 1990, 128, und in BFHE 195, 150, BSt­Bl II 2001, 546[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 195, 150, BSt­Bl II 2001, 546[]
  3. Hess. FG, Urteil vom 29.07.2013 – 11 K 696/​08[]
  4. dazu BFH, Urteil vom 11.12 2003 – IV R 19/​02, BFHE 204, 213, BSt­Bl II 2004, 280[]
  5. z.B. BFH, Urteil vom 20.03.1980 – IV R 22/​77, BFHE 130, 312, BSt­Bl II 1980, 439, betref­fend Erwerb von mit Lie­fer­rech­ten ver­bun­de­nen Akti­en einer Zucker­fa­brik-AG durch einen Rüben anbau­en­den Land­wirt[]
  6. BFH, Urtei­le in BFHE 130, 312, BSt­Bl II 1980, 439, Rz 16; und vom 23.09.2009 – IV R 14/​07, BFHE 226, 332, BSt­Bl II 2010, 227, Rz 18 f.[]
  7. BFH, Urteil vom 04.02.1998 – XI R 45/​97, BFHE 185, 384, BSt­Bl II 1998, 301[]
  8. z.B. BFH, Urteil vom 11.12 2003 – IV R 15/​03, BFH/​NV 2004, 931, betref­fend mit Anbau- und Lie­fer­pflich­ten ver­bun­de­ne Akti­en einer Zucker­fa­brik eines land­wirt­schaft­li­chen Betriebs[]
  9. BFH, Urtei­le in BFHE 157, 118, BSt­Bl II 1989, 641; und in BFHE 158, 316, BSt­Bl II 1990, 128[]
  10. vgl. auch BFH, Urteil vom 15.10.2003 – XI R 39/​01, BFH/​NV 2004, 622[]
  11. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 11.11.1987 – I R 7/​84, BFHE 152, 84, BSt­Bl II 1988, 424; in BFHE 158, 316, BSt­Bl II 1990, 128[]
  12. Bez­zen­ber­ger in: Schmidt, K./Lutter, AktG, 3. Aufl.2015, § 68 Rz 15; vgl. auch BFH, Urteil in BFHE 204, 213, BSt­Bl II 2004, 280, Rz 16, betref­fend vin­ku­lier­te Akti­en einer Zucker­fa­brik als not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen eines land­wirt­schaft­li­chen Betriebs[]