Buch­füh­rungs­män­gel – und der Schät­zungs­be­scheid

Die Grund­sät­ze der Schät­zun­gen sind in der Recht­spre­chung geklärt. Die gewon­ne­nen Schätz­er­geb­nis­se müs­sen schlüs­sig, wirt­schaft­lich mög­lich und ver­nünf­tig sein. Des­halb sind alle mög­li­chen Anhalts­punk­te, u.a. auch das Vor­brin­gen des Steu­er­pflich­ti­gen oder eine an sich feh­ler­haf­te Buch­füh­rung zu beach­ten und alle Mög­lich­kei­ten aus­zu­schöp­fen, um im Rah­men des der Finanz­be­hör­de Zumut­ba­ren die Besteue­rungs­grund­la­gen wenigs­tens teil­wei­se zu ermit­teln.

Buch­füh­rungs­män­gel – und der Schät­zungs­be­scheid

Auf der ande­ren Sei­te ist aber auch das Maß der Ver­let­zung der dem Steu­er­pflich­ti­gen oblie­gen­den Mit­wir­kungs­pflich­ten zu berück­sich­ti­gen. Des­halb ist es gerecht­fer­tigt, bei einer Pflicht­ver­let­zung des Steu­er­pflich­ti­gen, ins­be­son­de­re bei einer nicht ord­nungs­ge­mä­ßen Buch­füh­rung, einen Sicher­heits­zu­schlag vor­zu­neh­men 1. Der Sicher­heits­zu­schlag lässt sich dabei als eine griff­wei­se Schät­zung, die in einem ver­nünf­ti­gen Ver­hält­nis zu den erklär­ten oder nicht ver­buch­ten Umsät­zen steht, cha­rak­te­ri­sie­ren 2. Die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung hat dar­über hin­aus außer den all­ge­mei­nen Schät­zungs­grund­sät­zen auch kei­ne fes­ten Regeln fest­ge­legt.

Der BFH führ­te in sei­ner Ent­schei­dung in BFH/​NV 2000, 1462 aus, dass bei der Beur­tei­lung eines Buch­füh­rungs­feh­lers nicht auf die for­ma­le Bedeu­tung des Buch­füh­rungs­man­gels, son­dern auf des­sen sach­li­ches Gewicht abzu­stel­len ist. Wei­ter wür­den Buch­füh­rungs­män­gel nur dann eine Hin­zu­schät­zung recht­fer­ti­gen, wenn Anlass bestehe, auch an der sach­li­chen Rich­tig­keit des aus­ge­wie­se­nen Buch­füh­rungs­er­geb­nis­ses zu zwei­feln.

Die Rüge der fal­schen Rechts­an­wen­dung und tat­säch­li­chen Wür­di­gung des Streit­falls durch das Finanz­ge­richt im Rah­men einer Schät­zung ist im Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren grund­sätz­lich unbe­acht­lich 3. Dies gilt ins­be­son­de­re für Ein­wän­de gegen die Rich­tig­keit von Schät­zun­gen der Besteue­rungs­grund­la­gen, wie Ver­stö­ße gegen aner­kann­te Schät­zungs­grund­sät­ze, Denk­ge­set­ze und Erfah­rungs­sät­ze sowie mate­ri­el­le Rechts­feh­ler 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 2. Juni 2014 – III B 101/​13

  1. BFH, Beschluss vom 05.12 2007 – X B 4/​07, BFH/​NV 2008, 587, m.w.N.[]
  2. BFH, Beschluss vom 01.12 1998 – III B 78/​97, BFH/​NV 1999, 741; BFH, Urteil vom 26.10.1994 – X R 114/​92, BFH/​NV 1995, 373[]
  3. BFH, Beschluss vom 14.05.2013 – X B 176/​12, BFH/​NV 2013, 1445, m.w.N.[]
  4. BFH, Beschluss vom 10.05.2012 – X B 71/​11, BFH/​NV 2012, 1461[]