Dar­le­hen mit stei­gen­den Zins­sät­zen – und die Höhe eines zu pas­si­vie­ren­den Erfül­lungs­rück­stan­des

Wegen der Ver­pflich­tung, eine am Bilanz­stich­tag bestehen­de Dar­le­hens­ver­bind­lich­keit in spä­te­ren Jah­ren höher zu ver­zin­sen (Dar­le­hen mit stei­gen­den Zins­sät­zen), ist in der Bilanz grund­sätz­lich eine Ver­bind­lich­keit oder eine Rück­stel­lung wegen eines wirt­schaft­li­chen Erfül­lungs­rück­stan­des aus­zu­wei­sen. Eine sol­che Zins­ver­bind­lich­keit ist grund­sätz­lich abzu­zin­sen.

Dar­le­hen mit stei­gen­den Zins­sät­zen – und die Höhe eines zu pas­si­vie­ren­den Erfül­lungs­rück­stan­des

Nach § 8 Abs. 1 KStG i.V.m. § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG hat die Han­dels­ge­sell­schaft das Betriebs­ver­mö­gen anzu­set­zen, das nach den han­dels­recht­li­chen Grund­sät­zen ord­nungs­mä­ßi­ger Buch­füh­rung (GoB) aus­zu­wei­sen ist. Die "han­dels­recht­li­chen" GoB erge­ben sich vor­nehm­lich aus den für alle Kauf­leu­te gel­ten­den Vor­schrif­ten der §§ 238 ff. HGB.

Danach sind Ver­bind­lich­kei­ten grund­sätz­lich zu pas­si­vie­ren (vgl. § 247 Abs. 1 HGB) und für unge­wis­se Ver­bind­lich­kei­ten sind grund­sätz­lich Rück­stel­lun­gen zu bil­den (§ 249 Abs. 1 Satz 1 HGB). Hin­ge­gen besteht für (gewis­se und unge­wis­se) Ver­bind­lich­kei­ten aus schwe­ben­den Geschäf­ten ein Pas­si­vie­rungs­ver­bot. Die­ses wie­der­um ist dann durch­bro­chen, wenn das Gleich­ge­wicht der Ver­trags­be­zie­hun­gen durch Vor­leis­tun­gen oder Erfül­lungs­rück­stän­de eines Ver­trags­part­ners "gestört" ist 1.

Ins­be­son­de­re im Rah­men von Dau­er­schuld­ver­hält­nis­sen kommt es dann zu einer rele­van­ten "Stö­rung" der Aus­ge­wo­gen­heit, wenn der Ver­pflich­te­te sich mit sei­nen Leis­tun­gen gegen­über sei­nem Ver­trags­part­ner im Rück­stand befin­det, also weni­ger geleis­tet hat, als er nach dem Ver­trag für die bis dahin vom Ver­trags­part­ner erbrach­te Leis­tung ins­ge­samt zu leis­ten hat­te.

Ursprüng­lich wur­de das Vor­lie­gen eines sol­chen Erfül­lungs­rück­stan­des nach dem recht­li­chen, ins­be­son­de­re schuld­recht­li­chen Ver­hält­nis von Leis­tung und Gegen­leis­tung im schwe­ben­den Geschäft beur­teilt und somit an den schuld­recht­lich gebo­te­nen Zeit­punkt der Erfül­lung geknüpft 2. Aller­dings hat der BFH in der Fol­ge­zeit die Fra­ge nach dem Vor­lie­gen eines Erfül­lungs­rück­stan­des nicht aus­schließ­lich nach bür­ger­li­chem Recht beur­teilt 3. Aus­rei­chend ist viel­mehr eine an den wirt­schaft­li­chen Gege­ben­hei­ten ori­en­tier­te Betrach­tung. Auch davon aus­ge­hend setzt das Vor­lie­gen eines Erfül­lungs­rück­stan­des jedoch vor­aus, dass mit der nach dem Ver­trag geschul­de­ten zukünf­ti­gen Leis­tung nicht nur an Ver­gan­ge­nes ange­knüpft, son­dern Ver­gan­ge­nes abge­gol­ten wird.

Da die Erfül­lung sich i.S. einer "Abgel­tung" als zusätz­li­ches, ledig­lich wegen der beson­de­ren Umstän­de des Ein­zel­fal­les noch nicht ent­rich­te­tes Ent­gelt für eine bereits frü­her erbrach­te Vor­leis­tung dar­stel­len muss, ist eine Ver­knüp­fung in dem Sin­ne zu for­dern, dass die rück­stän­di­ge Gegen­leis­tung der erbrach­ten Vor­leis­tung syn­al­lag­ma­tisch zweck­ge­rich­tet und bei zeit­be­zo­ge­nen Leis­tun­gen auch zeit­lich zuor­den­bar ist. Die Beur­tei­lung des Vor­lie­gens die­ser Vor­aus­set­zun­gen obliegt im jewei­li­gen Ein­zel­fall dem Finanz­ge­richt als Tat­sa­chen­in­stanz 4.

Besteht ein Erfül­lungs­rück­stand und ist des­sen Höhe sicher, dann ist dem durch Aus­weis einer Ver­bind­lich­keit Rech­nung zu tra­gen. Ist die noch zu erfül­len­de Leis­tung der Höhe nach unge­wiss, dann ist eine Rück­stel­lung zu bil­den 5.

Ein Erfül­lungs­rück­stand setzt ‑wie der Aus­weis einer Ver­bind­lich­keit im All­ge­mei­nen 6- nicht die Fäl­lig­keit der ver­trag­lich noch geschul­de­ten Leis­tung zum Bilanz­stich­tag vor­aus 7.

Nach die­sen Maß­stä­ben war die Han­dels­ge­sell­schaft am Bilanz­stich­tag in einem Erfül­lungs­rück­stand.

Die Bil­dung einer Rück­stel­lung für den auf den Zeit­raum zwi­schen Ver­trags­be­ginn und Bilanz­stich­tag ent­fal­len­den Zins­auf­wand (10/​12 der Zins­schuld für das ers­te Ver­trags­jahr) beruht der Sache nach auf einem Erfül­lungs­rück­stand, des­sen Pas­si­vie­rung höchst­rich­ter­lich aner­kannt ist 8. Zum Bilanz­stich­tag hat­te der Dar­le­hens­ge­ber das Kapi­tal bereits für zehn Mona­te der Han­dels­ge­sell­schaft zur Nut­zung über­las­sen und ist inso­weit in Vor­leis­tung getre­ten, wäh­rend sich die­se mit ihrer Gegen­leis­tung (Zins­zah­lung) im Rück­stand befand. Dass die Zins­ver­bind­lich­keit zivil­recht­lich am 31.12 noch nicht fäl­lig war, spielt kei­ne Rol­le.

Frag­lich ist damit im Streit­fall allein, ob für die Höhe des zu pas­si­vie­ren­den Erfül­lungs­rück­stan­des auf die zivil­recht­li­che Abre­de, wonach im ers­ten Ver­trags­jahr ledig­lich ein Zins in Höhe von 1, 8 % der Dar­le­hens­sum­me zu leis­ten ist, oder in wirt­schaft­li­cher Betrach­tung auf die dem Ver­trag als eine Art "Geschäfts­grund­la­ge" zugrun­de­lie­gen­de Durch­schnitts­ver­zin­sung und damit auf die anstei­gen­den ‑zivil­recht­lich eben­falls noch nicht fäl­li­gen- Zins­ver­bind­lich­kei­ten der Fol­ge­jah­re abzu­stel­len ist. Letz­te­res ist der Fall.

Dass der vom Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg 9 ange­wand­ten rein zivil­recht­li­chen Betrach­tungs­wei­se (Maß­geb­lich­keit des für das ers­te Ver­trags­jahr schuld­recht­lich ver­ein­bar­ten Zins­sat­zes) nicht zu fol­gen ist, ergibt sich aus der mitt­ler­wei­le stän­di­gen BFH-Recht­spre­chung, nach der letzt­end­lich eine an wirt­schaft­li­chen Gege­ben­hei­ten ori­en­tier­te Betrach­tung aus­rei­chend ist. Trif­ti­ge Grün­de, die eine Abkehr von die­ser Recht­spre­chung recht­fer­ti­gen könn­ten, sieht der Bun­des­fi­nanz­hof nicht.

Bei der danach gebo­te­nen wirt­schaft­li­chen Betrach­tung der Gege­ben­hei­ten stel­len die von der Han­dels­ge­sell­schaft am Bilanz­stich­tag noch geschul­de­ten zukünf­ti­gen Zins­zah­lun­gen die Gegen­leis­tung für die gesam­te neun­jäh­ri­ge Kapi­tal­über­las­sung des Dar­le­hens­ge­bers dar. Der gesam­te Zins­auf­wand wird antei­lig durch den am jewei­li­gen Bilanz­stich­tag zurück­lie­gen­den Zeit­raum wirt­schaft­lich ver­ur­sacht. Zwi­schen der Ver­pflich­tung zur Leis­tung einer am Ende der Lauf­zeit fäl­li­gen Spar­prä­mie, die einen zu pas­si­vie­ren­den Erfül­lungs­rück­stand begrün­det 10, und einer vor­lie­gend zur Beur­tei­lung anste­hen­den pro­gres­si­ven Ver­zin­sung ver­mag der Bun­des­fi­nanz­hof kei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Unter­schie­de zu erbli­cken. Hier wie dort wird mit der noch aus­ste­hen­den Gegen­leis­tung des Dar­le­hens­neh­mers (Spar­prä­mie als Zusatz­ver­zin­sung einer­seits, pro­gres­si­ve Zins­zah­lung als zusätz­li­che Ver­gü­tung im Ver­gleich zur zivil­recht­lich im Erst­jahr geschul­de­ten Leis­tung ande­rer­seits) antei­lig auch die bereits vom Dar­le­hens­ge­ber erbrach­te Vor­leis­tung in Gestalt der Kapi­tal­über­las­sung abge­gol­ten 11. Dass die infol­ge der pro­gres­si­ven Ver­zin­sung anstei­gen­den Zins­an­sprü­che für die Fol­ge­jah­re zivil­recht­lich noch nicht fäl­lig waren, ist unschäd­lich.

Die­se bilan­zi­el­le Behand­lung steht in Über­ein­stim­mung mit der jün­ge­ren Bun­des­fi­nanz­hofs­recht­spre­chung zur Beur­tei­lung der Zeit­raum­be­zo­gen­heit von Zins­zah­lungs­pflich­ten. So hat der Bun­des­fi­nanz­hof bei einem Dar­le­hen mit fal­len­den Zins­sät­zen ent­schei­dend auf die Rück­for­der­bar­keit der Leis­tung im Fal­le vor­zei­ti­ger Ver­trags­be­en­di­gung abge­stellt 12. Über­trägt man die dort im Ein­zel­nen ent­wi­ckel­ten bilanz­steu­er­recht­li­chen Grund­sät­ze auf das streit­be­fan­ge­ne Dar­le­hen mit stei­gen­den Zins­sät­zen, so käme es dar­auf an, ob der Dar­le­hens­neh­mer, der zu Beginn der Ver­trags­lauf­zeit von (zu) nied­ri­gen Zins­sät­zen pro­fi­tiert hat, im Fal­le einer vor­zei­ti­gen Ver­trags­be­en­di­gung einem Nach­for­de­rungs­an­spruch des Dar­le­hens­ge­bers aus­ge­setzt wäre. Im Streit­fall gibt der Ver­trag für einen sol­chen Nach­for­de­rungs­an­spruch zwar nichts her, jedoch spricht das nicht dage­gen, die spä­ter zu zah­len­den hohen Zin­sen antei­lig auch als Gegen­leis­tung für die Über­las­sung der Dar­le­hens­va­lu­ta in der "Nied­rig­zins­pha­se" (Vor­leis­tung des Dar­le­hens­ge­bers) anzu­se­hen. Denn die feh­len­de Nach­for­der­bar­keit der Zin­sen im Fal­le einer vor­zei­ti­gen Ver­trags­be­en­di­gung ist dann für die Zuor­den­bar­keit von (Vor-)Leistung und (rück­stän­di­ger) Gegen­leis­tung unschäd­lich, wenn das Ver­trags­ver­hält­nis auf meh­re­re Jah­re zu fes­ten Bedin­gun­gen abge­schlos­sen ist und wäh­rend die­ser Zeit nur aus wich­ti­gem Grund gekün­digt wer­den kann und wenn kon­kre­te Anhalts­punk­te dafür feh­len, dass die Ver­trags­par­tei­en der Mög­lich­keit einer vor­zei­ti­gen Been­di­gung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses durch Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund und dem Feh­len eines Anspruchs auf Nach­for­de­rung der "zu wenig gezahl­ten" Zin­sen in die­sem Fall eine mehr als rein theo­re­ti­sche Bedeu­tung bei­gemes­sen haben.

Im Streit­fall haben die Par­tei­en eine fes­te Ver­trags­lauf­zeit ohne ordent­li­che Kün­di­gungs­mög­lich­keit ver­ein­bart und die Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund dürf­te bei Ver­trags­schluss allen­falls eine theo­re­ti­sche Rol­le gespielt haben. Etwas Gegen­tei­li­ges ist jeden­falls den tatrich­ter­li­chen Fest­stel­lun­gen nicht zu ent­neh­men.

Das Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 20.01.1993 13 zum Zuwachs­spa­ren steht der Pas­si­vie­rung des Erfül­lungs­rück­stan­des schon des­we­gen nicht ent­ge­gen, weil bei den im Urteils­fall zu beur­tei­len­den Zuwachs­spar­ver­trä­gen jeder­zeit die ordent­li­che Kün­di­gung durch den Spa­rer bzw. den Dar­le­hens­ge­ber zuläs­sig war, wäh­rend im Streit­fall eine fes­te Lauf­zeit ver­ein­bart wur­de. Dass inner­halb eines Kon­zerns ein­ver­nehm­li­che Ver­trags­auf­he­bun­gen oder ‑ände­run­gen, wie im Übri­gen auch zwi­schen frem­den Drit­ten (theo­re­tisch) immer mög­lich sind, steht der Ver­ein­ba­rung einer fes­ten Lauf­zeit nicht ent­ge­gen. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof im ver­gleich­ba­ren Zusam­men­hang eines Dar­le­hens mit fal­len­den Zins­sät­zen bereits aus­ge­spro­chen 14.

Bei der Bewer­tung der Ver­bind­lich­keit muss noch das Abzin­sungs­ge­bot des § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 EStG beach­tet wer­den.

Nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 EStG sind Ver­bind­lich­kei­ten unter sinn­ge­mä­ßer Anwen­dung der Vor­schrif­ten der Nr. 2 anzu­set­zen und mit einem Zins­satz von 5, 5 % abzu­zin­sen. Von der Abzin­sung sind nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 EStG kurz­lau­fen­de und ver­zins­li­che Ver­bind­lich­kei­ten sowie auf Anzah­lun­gen und Vor­aus­leis­tun­gen beru­hen­de Ver­bind­lich­kei­ten aus­ge­nom­men.

Die Vor­aus­set­zun­gen für die Abzin­sung sind im Streit­fall erfüllt.

Die Zins­ver­bind­lich­keit aus einem Dar­le­hens­ver­hält­nis tritt zivil- und steu­er­recht­lich selb­stän­dig neben die Ver­pflich­tung zur Rück­zah­lung des emp­fan­ge­nen Kapi­tals 15. Nach dem Wort­laut des § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 EStG ist damit eine Abzin­sung der Zins­ver­bind­lich­keit zwin­gend vor­zu­neh­men.

Das Gebot der Abzin­sung ent­spricht im Streit­fall auch dem Geset­zes­zweck. Eine an der Durch­schnitts­ver­zin­sung von 5, 2 % ori­en­tier­te Ver­bind­lich­keit, die nicht sogleich, son­dern wirt­schaft­lich betrach­tet erst in der zwei­ten Hälf­te der Dar­le­hens­lauf­zeit wäh­rend der "Hoch­zins­pha­se" zu erfül­len ist, belas­tet die Han­dels­ge­sell­schaft weni­ger als eine sofort in die­ser Höhe zu erfül­len­de Ver­pflich­tung 16. Erst durch die zusätz­li­che Abzin­sung wird dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass die hohen Zin­sen nicht zeit­nah antei­lig in jähr­li­chen Teil­be­trä­gen, son­dern erst in der zwei­ten Hälf­te der Ver­trags­lauf­zeit zu zah­len und bis dahin gewis­ser­ma­ßen "gestun­det" sind. Letzt­end­lich wird der Han­dels­ge­sell­schaft ein Teil der Gesamt­zins­ver­pflich­tung kre­di­tiert 17.

Soweit § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 EStG Aus­nah­men vom Abzin­sungs­ge­bot vor­sieht, sind deren Vor­aus­set­zun­gen im Streit­fall nicht erfüllt.

Eine Ver­zin­sung der Zins­for­de­rung des Dar­le­hens­ge­bers wur­de nicht ver­ein­bart. Dass eine sol­che Ver­ein­ba­rung zivil­recht­lich nicht wirk­sam getrof­fen wer­den kann, weil gemäß § 248 Abs. 1 BGB ein Zin­ses­zins­ver­bot besteht, ist uner­heb­lich 18. Dass die Ver­trags­part­ner nicht die Mög­lich­keit haben, eine Ver­zin­sung der Zins­ver­bind­lich­keit wirk­sam zu ver­ein­ba­ren, macht aus der gemäß § 248 Abs. 1 BGB unver­zins­li­chen noch kei­ne ver­zins­li­che Ver­bind­lich­keit i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 EStG.

Es liegt auch kei­ne (nur) kurz­fris­ti­ge Ver­bind­lich­keit i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 EStG vor. Eine sol­che ist nur gege­ben, wenn die Ver­bind­lich­keit vor Ablauf eines Jah­res nach dem Bilanz­stich­tag voll­stän­dig getilgt ist 19. Zivil­recht­lich betrach­tet ent­ste­hen im Streit­fall zwar jedes Jahr neue selb­stän­di­ge Zins­ver­bind­lich­kei­ten, die nach den Ver­trags­be­din­gun­gen jeweils zum Ende eines Lauf­zeit­jah­res (voll­stän­dig) zu til­gen sind. Eine rein zivil­recht­li­che Betrach­tungs­wei­se liegt der Rege­lung in § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 EStG aller­dings nicht zugrun­de 20. Wirt­schaft­lich betrach­tet ist auf­grund des Erfül­lungs­rück­stan­des von einer Zins­ver­bind­lich­keit in Höhe von 5, 2 % der Dar­le­hens­sum­me aus­zu­ge­hen. Eine sol­che Ver­bind­lich­keit hat die Han­dels­ge­sell­schaft am 28.02.2009 nicht getilgt und hier­zu war sie nach dem Ver­trag auch nicht ver­pflich­tet. Viel­mehr hat sie eine Zah­lung aus­ge­hend von dem nach dem Ver­trag für das Erst­jahr ver­ein­bar­ten Zins­satz von 1, 8 % geleis­tet. Der sich aus der Zins­satz­dif­fe­renz erge­ben­de Betrag wur­de der Han­dels­ge­sell­schaft län­ger­fris­tig "zins­los" zur Nut­zung über­las­sen und war erst spä­ter zu zah­len. Dies recht­fer­tigt eine Abzin­sung.

Zum ande­ren ist zu prü­fen, ob der – hier unter Ange­hö­ri­gen geschlos­se­ne – Dar­le­hens­ver­trag ‑gera­de auch mit Blick auf die pro­gres­si­ve Zins­ab­re­de und den Bin­dungs­zeit­raum- steu­er­recht­lich anzu­er­ken­nen ist, ins­be­son­de­re einem Fremd­ver­gleich stand­hält.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. Mai 2016 – I R 17/​15

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 23.06.1997 – GrS 2/​93, BFHE 183, 199, BSt­Bl II 1997, 735; BFH, Urtei­le vom 05.04.2006 – I R 43/​05, BFHE 213, 332, BSt­Bl II 2006, 593; vom 21.09.2011 – I R 50/​10, BFHE 235, 255, BSt­Bl II 2012, 197; BFH, Urtei­le vom 28.07.2004 – XI R 63/​03, BFHE 207, 205, BSt­Bl II 2006, 866; vom 25.04.2006 – VIII R 40/​04, BFHE 213, 364, BSt­Bl II 2006, 749; Blümich/​Krumm, § 5 EStG Rz 244 ff.; R 5.7 Abs. 7 und 8 EStR[]
  2. vgl. dazu die Nach­wei­se in BFH, Urtei­len vom 27.06.2001 – I R 11/​00, BFHE 195, 567, BSt­Bl II 2001, 758; vom 15.07.1998 – I R 24/​96, BFHE 186, 388, BSt­Bl II 1998, 728[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 03.12 1991 – VIII R 88/​87, BFHE 167, 322, BSt­Bl II 1993, 89; vom 05.02.1987 – IV R 81/​84, BFHE 149, 55, BSt­Bl II 1987, 845[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 213, 332, BSt­Bl II 2006, 593[]
  5. vgl. z.B. Groh, Steu­er und Wirt­schaft ‑StuW- 1994, 90; Chris­ti­an­sen, DStR 2007, 869; Tied­chen in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 5 EStG Rz 675 "Erfül­lungs­rück­stand"[]
  6. BFH, Urteil vom 24.05.1984 – I R 166/​78, BFHE 141, 176, BSt­Bl II 1984, 747, betref­fend Zins­ver­bind­lich­kei­ten aus Dar­le­hen[]
  7. BFH, Urteil vom 09.12 2009 – X R 41/​07, BFH/​NV 2010, 860; BFH, Urteil in BFHE 213, 332, BSt­Bl II 2006, 593[]
  8. vgl. all­ge­mein BFH, Urteil in BFHE 141, 176, BSt­Bl II 1984, 747[]
  9. FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 28.07.2014 – 10 K 3184/​13[]
  10. BFH, Urteil in BFHE 186, 388, BSt­Bl II 1998, 728[]
  11. im Ergeb­nis glei­cher Auf­fas­sung Schön­born, BB 1998, 1099; Schmid­t/We­ber-Grel­let, EStG, 35. Aufl., § 5 Rz 317, jeweils zu pro­gres­si­ven Mie­ten; Groh, StuW 1994, 90; Tied­chen in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 5 EStG Rz 704 "Erfül­lungs­rück­stand"; Scholz, Die Wirt­schafts­prü­fung ‑WPg- 1973, 53; Schei­ter­le, WPg 1983, 558; Kal­ver­am, WPg 1990, 535; Birck/​Meyer, Die Bank­bi­lanz, 3. Aufl., Teil­lie­fe­rung 5, – V 356 f.; Schu­bert in Beck Bil-Komm., 10. Aufl., § 253 HGB Rz 68; Adler/​Düring/​Schmaltz, Rech­nungs­le­gung und Prü­fung der Unter­neh­men, 6. Aufl., § 253 HGB Rz 89; a.A. FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 04.11.1982 – X (I) 321/​77, EFG 1983, 275; Nds. FG, Urteil vom 27.05.1982 – VI 347/​80, EFG 1983, 38; Heymann/​Walz, HGB, 2. Aufl., § 249 Rz 27; a.A. wohl auch Heuß­ner, BB 1988, 2417[]
  12. BFH, Urteil vom 27.07.2011 – I R 77/​10, BFHE 234, 301, BSt­Bl II 2012, 284[]
  13. BFH, Urteil vom 20.01.1993 – I R 115/​91, BFHE 170, 234, BSt­Bl II 1993, 373[]
  14. BFH, Urteil in BFHE 234, 301, BSt­Bl II 2012, 284[]
  15. vgl. BFH, Urteil vom 11.11.2015 – I R 5/​14, BFHE 252, 353, BSt­Bl II 2016, 491, m.w.N.[]
  16. vgl. BFH, Beschluss vom 06.10.2009 – I R 4/​08, BFHE 226, 347, BSt­Bl II 2010, 177[]
  17. vgl. BFH, Urteil in BFHE 186, 388, BSt­Bl II 1998, 728, zu einem ver­gleich­ba­ren Zin­ses­zins­ef­fekt mit Abzin­sungs­pflicht bei einer end­fäl­li­gen Spar­prä­mie[]
  18. vgl. zur Maß­geb­lich­keit der wirt­schaft­li­chen Gege­ben­hei­ten BFH, Urteil in BFHE 186, 388, BSt­Bl II 1998, 728; a.A. Kie­sel in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 6 EStG Rz 1155 "Zins­ver­bind­lich­kei­ten"[]
  19. Kie­sel in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 6 EStG Rz 1147[]
  20. vgl. BFH, Urteil vom 27.01.2010 – I R 35/​09, BFHE 228, 250, BSt­Bl II 2010, 478[]