Das Erfolgs­ho­no­rar nach mehr­jäh­ri­ger Tätig­keit

Ein nach Abschluss eines meh­re­re Jah­re dau­ern­den Auf­trags zuge­flos­se­nes Erfolgs­ho­no­rar eines Rechts­an­walts ist nicht tarif­be­güns­tigt.

Das Erfolgs­ho­no­rar nach mehr­jäh­ri­ger Tätig­keit

Nach § 34 Abs. 1 Satz 1 EStG ist die auf außer­or­dent­li­che Ein­künf­te ent­fal­len­de Ein­kom­men­steu­er nach beson­de­ren Regeln zu berech­nen. Als außer­or­dent­li­che Ein­künf­te kom­men nach § 34 Abs. 2 Nr. 4 EStG Ver­gü­tun­gen für mehr­jäh­ri­ge Tätig­kei­ten in Betracht.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs [1] reicht es für die Annah­me außer­or­dent­li­cher und des­halb tarif­be­güns­tig­ter Ein­künf­te nicht aus, dass ein frei­be­ruf­lich täti­ger Steu­er­pflich­ti­ger für eine mehr­jäh­ri­ge Tätig­keit ein berufs­üb­li­ches Hono­rar erhält.

Viel­mehr setzt die Anwen­dung der Vor­schrift auf einen sol­chen Ertrag aus mehr­jäh­ri­ger Tätig­keit vor­aus, dass der Steu­er­pflich­ti­ge sich wäh­rend meh­re­rer Jah­re aus­schließ­lich einer bestimm­ten Sache gewid­met und die Ver­gü­tung dafür in einem ein­zi­gen Ver­an­la­gungs­zeit­raum erhal­ten hat oder dass eine sich über meh­re­re Jah­re erstre­cken­de Son­der­tä­tig­keit, die von der übri­gen Tätig­keit des Steu­er­pflich­ti­gen aus­rei­chend abgrenz­bar ist und nicht zum regel­mä­ßi­gen Gewinn­be­trieb gehört, in einem ein­zi­gen Ver­an­la­gungs­zeit­raum ent­lohnt wird [2]. Eben­so kommt die Vor­schrift zur Anwen­dung, wenn eine ein­ma­li­ge Son­der­zah­lung für lang­jäh­ri­ge Diens­te auf­grund einer arbeit­neh­mer­ähn­li­chen Stel­lung geleis­tet wird [3]. Dar­über hin­aus hat der BFH außer­or­dent­li­che Ein­künf­te auch für den Fall bejaht, dass dem Steu­er­pflich­ti­gen eine Ver­gü­tung für eine mehr­jäh­ri­ge Tätig­keit auf­grund einer vor­aus­ge­gan­ge­nen recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung zusam­men­ge­ballt zufließt [4].

Nach die­sen Grund­sät­zen han­delt es sich bei den Ver­gü­tun­gen, die der Klä­ger im Zusam­men­hang mit der Durch­set­zung ver­mö­gens­recht­li­cher Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che erhal­ten hat, nicht um außer­or­dent­li­che Ein­künf­te.

Für die Annah­me einer abgrenz­ba­ren Son­der­tä­tig­keit fehlt im Streit­fall jeg­li­cher Anhalts­punkt. Der Klä­ger hat sich ‑aus­weis­lich der Gewinn­ermitt­lun­gen für sei­ne anwalt­li­che Tätig­keit in den Vor­jah­ren- auch nicht wäh­rend meh­re­rer Jah­re aus­schließ­lich die­ser bestimm­ten Sache gewid­met. Viel­mehr hat er einen für den Beruf des Rechts­an­walts typi­schen Auf­trag aus­ge­führt und nach Man­datsen­de abge­rech­net [5]. Damit ist die Abwick­lung des Man­dats zur Durch­set­zung ver­mö­gens­recht­li­cher Ansprü­che von der übli­chen Tätig­keit des Klä­gers nicht abgrenz­bar [6].

§ 34 EStG dient im Übri­gen nicht dazu, die nach­tei­li­gen Fol­gen tem­po­ral schwan­ken­der Ein­künf­te gene­rell aus­zu­glei­chen [7]. Dass im Streit­fall die mit dem Man­dat zur Durch­set­zung ver­mö­gens­recht­li­cher Ansprü­che ver­bun­de­ne Hono­rar­ein­nah­me im Ver­gleich zu den übri­gen Ein­nah­men des Klä­gers betrags­mä­ßig weit her­aus­rag­te und zur "schwan­ken­den" Ein­nah­me­si­tua­ti­on geführt hat, ist im Wesent­li­chen Fol­ge des in der Akqui­si­ti­on und Bear­bei­tung eines Groß­man­dats zu erbli­cken­den unter­neh­me­ri­schen Erfolgs. Die sich aus dem Ver­gleich zu ande­ren Man­da­ten erge­ben­de rela­ti­ve "Grö­ße" eines Ein­zel­man­dats kann für sich genom­men nicht zur Annah­me "außer­or­dent­li­cher" Ein­künf­te und zur Anwen­dung der Tarifer­mä­ßi­gung füh­ren, auch wenn ‑wie hier- Vor­schuss­zah­lun­gen im nen­nens­wer­ten Umfang nicht ver­ein­nahmt wer­den konn­ten [8].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Sep­tem­ber 2014 – VIII R 1/​12

  1. zuletzt BFH, Urteil vom 30.01.2013 – III R 84/​11, BFHE 240, 156, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 14.12 2006 – IV R 57/​05, BFHE 216, 247, BStBl II 2007, 180, m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil vom 07.07.2004 – XI R 44/​03, BFHE 208, 110, BStBl II 2005, 276[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 216, 247, BStBl II 2007, 180[]
  5. vgl. BFH, Urteil vom 17.02.1993 – I R 119/​91, BFH/​NV 1993, 593, sowie zu einem meh­re­re Jah­re betrie­be­nen Erb­schafts­recht­streit BFH, Urteil in BFHE 240, 156[]
  6. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 10.05.1961 – IV 275/​59 U, BFHE 73, 730, BStBl III 1961, 532; vom 22.05.1975 – IV R 33/​72, BFHE 116, 136, BStBl II 1975, 765; in BFH/​NV 1993, 593[]
  7. vgl. BFH, Urteil in BFHE 240, 156 unter Bezug­nah­me auf das Urteil des Reichs­fi­nanz­hofs vom 19.02.1936 – VI A 71/​36, RStBl 1936, 651[]
  8. BFH, Urteil in BFHE 240, 156[]