Das zurück­be­hal­te­ne Grund­stück – und die Ein­brin­gung eines Teil­be­triebs

Ein Teil­be­trieb ist ein orga­ni­sa­to­risch geschlos­se­ner, mit einer gewis­sen Selb­stän­dig­keit aus­ge­stat­te­ter Teil eines Gesamt­be­triebs, der ‑für sich betrach­tet- alle Merk­ma­le eines Betriebs im Sin­ne des EStG auf­weist und als sol­cher lebens­fä­hig ist. Ob ein Betriebs­teil die für die Annah­me eines Teil­be­triebs erfor­der­li­che Selb­stän­dig­keit besitzt, ist nach dem Gesamt­bild der Ver­hält­nis­se ‑beim Ver­äu­ße­rer- zu ent­schei­den. Den Abgren­zungs­merk­ma­len ‑z.B. räum­li­che Tren­nung vom Haupt­be­trieb, geson­der­te Buch­füh­rung, eige­nes Per­so­nal, eige­ne Ver­wal­tung, selb­stän­di­ge Orga­ni­sa­ti­on, eige­nes Anla­ge­ver­mö­gen, ungleich­ar­ti­ge betrieb­li­che Tätig­keit, eige­ner Kun­den­stamm- kommt je nach­dem, ob es sich um einen Fer­ti­gungs, Han­dels- oder Dienst­leis­tungs­be­trieb han­delt, unter­schied­li­ches Gewicht zu. Eine völ­lig selb­stän­di­ge Orga­ni­sa­ti­on mit eige­ner Buch­füh­rung ist für die Annah­me eines Teil­be­triebs nicht erfor­der­lich. Die­se Merk­ma­le kenn­zeich­nen bereits den eigen­stän­di­gen Gesamt­be­trieb im Gegen­satz zum blo­ßen Teil­be­trieb 1.

Das zurück­be­hal­te­ne Grund­stück – und die Ein­brin­gung eines Teil­be­triebs

Aus Art. 2 Buchst. i der Richt­li­nie 90/​434/​EWG des Rates vom 23.07.1990 über das gemein­sa­me Steu­er­sys­tem für Fusio­nen, Spal­tun­gen, die Ein­brin­gung von Unter­neh­mens­tei­len und den Aus­tausch von Antei­len, die Gesell­schaf­ten ver­schie­de­ner Mit­glied­staa­ten betref­fen (Fusi­ons­richt­li­nie) folgt jeden­falls für den Streit­fall kein abwei­chen­der Begriff des Teil­be­triebs 2.

Ein Teil­be­trieb setzt einen Haupt­be­trieb (Gesamt­be­trieb) vor­aus, der ohne den Teil­be­trieb als Betrieb wei­ter­exis­tiert 3. Die Grund­stücks­ver­wal­tung im Rah­men eines Gewer­be­be­triebs ist Teil­be­trieb, wenn sie auch außer­halb des Gewer­be­be­triebs gewerb­li­chen Cha­rak­ter hät­te und sich als geson­der­ter Ver­wal­tungs­kom­plex aus dem Gesamt­be­trieb des Besitz­un­ter­neh­mens her­aus­hebt 4. Im Fall der Betriebs­auf­spal­tung reicht es aus, dass die Ver­pach­tungs­tä­tig­keit infol­ge der für die Betriebs­auf­spal­tung gel­ten­den Grund­sät­ze als gewerb­lich qua­li­fi­ziert wird; sie nimmt dadurch einen gewerb­li­chen Cha­rak­ter an 5.

Im hier vom Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg ent­schie­de­nen Streit­fall wür­de nach der Über­tra­gung eines ‑unter­stell­ten- Teil­be­triebs "Maschi­nen­ver­mie­tung" kein Haupt­be­trieb wei­ter­exis­tie­ren. Der von den Klä­gern behaup­te­te Haupt­be­trieb bzw. wei­te­re Teil­be­trieb "Grund­stücks­ver­mie­tung" wäre nach der Über­tra­gung des Teil­be­triebs "Maschi­nen­ver­mie­tung" nicht gewerb­lich und damit kein "Betrieb", weil es inso­weit an den Vor­aus­set­zun­gen (kei­ne per­sön­li­che Ver­flech­tung) einer Betriebs­auf­spal­tung feh­len wür­de. Ein zurück­be­hal­te­nes Grund­stück bil­det kei­nen Teil­be­trieb "Grund­stücks­ver­wal­tung" 6. Die Maschi­nen­ver­mie­tung konn­te somit kein "zwei­ter Teil­be­trieb" 7 inner­halb eines Gesamt­be­triebs sein.

Dar­über hin­aus umfasst im Fal­le einer Betriebs­auf­spal­tung der Betrieb das gesam­te Betriebs­ver­mö­gen der Besitz­ge­sell­schaft 8. Der Mit­ei­gen­tums­an­teil am Grund­stück in der … allee gehör­te danach zum ‑unter­stell­ten- Teil­be­trieb "Maschi­nen­ver­mie­tung" und hät­te daher auf die GmbH mit­über­tra­gen wer­den müs­sen. Das ist nicht gesche­hen.

Finanz­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 10. Dezem­ber 2015 – – 1 K 3485/​13 9

  1. BFH, Urteil vom 04.07.2007 – X R 49/​06, BFHE 218, 316, BSt­Bl II 2007, 772[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 07.04.2010 – I R 96/​08, BFHE 229, 179, BSt­Bl II 2011, 467[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 12.04.1989 – I R 105/​85, BFHE 157, 93, BSt­Bl II 1989, 653; Geiss­ler in Hermann/​Heuer/​Raupach, § 16 EStG Rz. 150; Schmidt/​Wacker, EStG, 34. Aufl., 2015, § 16 Rz. 145[]
  4. BFH, Urtei­le vom 13.10.1972 – I R 213/​69, BFHE 107, 418, BSt­Bl II 1973, 209; vom 12.11.1997 – XI R 24/​97, BFH/​NV 1998, 690; vom 20.01.2005 – IV R 14/​03, BFHE 209, 95, BSt­Bl II 2005, 395; FG Köln, Urteil vom 15.06.2011 7 K 3773/​08, EFG 2012, 108; Schmitt in Schmitt/​Hörtnagl/​Stratz, 6. Aufl., 2013, § 20 UmwStG Rz. 114; Schmidt/​Wacker, EStG, 34. Aufl.2015, § 16 Rz. 160, unter "Grund­stücks­ver­wal­tung"[]
  5. BFH, Urteil vom 20.01.2005 – IV R 14/​03, BFHE 209, 95, BSt­Bl II 2005, 395[]
  6. BFH, Urteil vom 21.05.1992 – X R 77 – 78/​90, BFH/​NV 1992, 659, unter 1.[]
  7. so die For­mu­lie­rung im BFH, Urteil vom 20.01.2005 – IV R 14/​03, BFHE 209, 95, BSt­Bl II 2005, 395[]
  8. Wid­mann in Widmann/​Mayer, Umwand­lungs­steu­er­recht, § 20 UmwStG Rz. 8 a.E., Stand: Janu­ar 1992[]
  9. nrkr., Revi­si­on beim BFH – I R 7/​16[]