Dei­ne Ren­te – schenk Sie Dei­nem Arzt!

Eine geschenk­te Ren­te führt beim Beschenk­ten nicht schon allein des­we­gen zu Betriebs­ein­nah­men, weil der Beschenk­te behan­deln­der Arzt des Schen­kers ist. So ent­schied jetzt das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Neu­stadt an der Wein­stra­ße, dass die Zuwen­dung einer Leib­ren­ten­ver­si­che­rung nicht als betrieb­li­che Ein­nah­me zu erfas­sen ist.

Dei­ne Ren­te – schenk Sie Dei­nem Arzt!

Der Klä­ger in dem jetzt vom Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz ent­schie­de­nen Fall ist Arzt, sei­ne Ehe­frau ist Ange­stell­te. In einer Schen­kungsteu­er­erklä­rung zeig­te der Klä­ger dem zustän­di­gen Schen­kungsteu­er­fi­nanz­amt eine im Jah­re 1999 erhal­te­ne Zuwen­dung (Ren­ten­ver­si­che­rung) im Nenn­be­trag von 200.000,– DM an. Das Schen­kungsteu­er­fi­nanz­amt teil­te dem für die Ertrag­steu­ern zustän­di­gen Finanz­amt mit, der Klä­ger habe von einem im Jah­re 1909 gebo­re­nen Herrn A eine Lebens­ver­si­che­rung geschenkt bekom­men. Die Ver­si­che­rung sei auf den Namen des Klä­gers – mit einer Ein­mal­zah­lung von 200.000,– DM – abge­schlos­sen wor­den. Dem Klä­ger wür­de aus die­ser Ver­si­che­rung ab Okto­ber 1999 eine monat­li­che lebens­läng­li­che Ren­te zuflie­ßen. Anläss­lich einer bei dem Klä­ger durch­ge­führ­ten Außen­prü­fung stell­te die Prü­fe­rin fest, dass der Klä­ger die ihm zuflie­ßen­de Ren­te als sons­ti­ge Ren­te mit dem steu­er­li­chen Ertrags­an­teil – also wie ein nor­ma­ler Rent­ner – ver­steu­er­te. Die Prü­fe­rin war aller­dings der Ansicht, dass die Zuwen­dung des Ren­ten­stamm­rechts betrieb­lich ver­an­lasst und daher als Betriebs­ein­nah­me im Jah­re 1999 – mit dem ent­spre­chen­den Kapi­tal­wert (181.512,– DM) – Gewinn erhö­hend zu erfas­sen sei. Dem folg­te das beklag­te Finanz­amt mit der Begrün­dung, ohne die Bezie­hung Arzt/​Pati­ent sei es zu der Zuwen­dung mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit nicht gekom­men und erließ einen ent­spre­chen­den Ein­kom­men­steu­er­be­scheid.

Die vom Klä­ger ange­streng­te Kla­ge, mit der er unter ande­rem vor­ge­tra­gen hat­te, zu Herrn A habe eine lan­ge freund­schaft­li­che Bezie­hung bestan­den, die los­ge­löst von einem Arzt/​Patientenverhältnis zu sehen sei, war erfolg­reich:

Betriebs­ein­nah­men, urteil­te das Finanz­ge­richt, sei­en alle Zugän­ge in Geld oder Gel­des­wert, die durch den Betrieb – also hier die Arzt­pra­xis – ver­an­lasst sei­en. Davon zu unter­schei­den sei­en Wert­zu­gän­ge, deren Zufluss durch pri­va­te Umstän­de ver­an­lasst wor­den sei­en. Für die Annah­me einer Betriebs­ein­nah­me sei aller­dings stets Vor­aus­set­zung, dass die Zuwen­dung einen wirt­schaft­li­chen Bezug zum Betrieb auf­wei­se.

Im Streit­fall sei die Zuwen­dung nicht als betrieb­lich ver­an­lass­te Betriebs­ein­nah­me zu sehen. Nach dem Vor­trag des Klä­gers habe zwi­schen ihm und dem Zuwen­den­den eine lan­ge freund­schaft­li­che Bezie­hung bestan­den. Bezugs­be­rech­tigt aus dem Ren­ten­ver­si­che­rungs­ver­trag sei der Klä­ger per­sön­lich bzw. im Fal­le sei­nes Able­bens sei­ne Ehe­frau. Eine Zweck­bin­dung des aus der Ver­si­che­rung zuflie­ßen­den monat­li­chen Ren­ten­be­tra­ges gebe es nicht. Es ergä­ben sich kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass die Ren­te als Ver­gü­tung für in der Ver­gan­gen­heit geleis­te­te Diens­te des Klä­gers anzu­se­hen sei. Auch die kon­kret gewähl­te Form der Zuwen­dung in Form einer Leib­ren­ten­ver­si­che­rung mit zusätz­li­cher Hin­ter­blie­be­nen­ver­si­che­rung spre­che für eine pri­va­te Ver­an­las­sung. Aus­weis­lich der Ver­si­che­rungs­po­li­ce erfol­ge die Aus­zah­lung der Ren­te – lebens­läng­lich – an den Klä­ger, unab­hän­gig davon, ob die­ser sei­ne Tätig­keit als Arzt fort­set­ze und ins­be­son­de­re unab­hän­gig davon, ob er die Behand­lung des Zuwen­den­den wei­ter vor­neh­me. Eben­so spre­che der Umstand, dass im Fal­le des Todes des Klä­gers die Ehe­frau als Begüns­tig­te ein­ge­setzt wor­den sei, für eine pri­va­te Moti­va­ti­on der Zuwen­dung, denn bei der Ehe­frau sei kein unmit­tel­ba­rer Bezug zur ärzt­li­chen Tätig­keit des Klä­gers gege­ben. Fer­ner sei zu berück­sich­ti­gen, dass der Zuwen­den­de im Zeit­punkt der Zuwen­dung bereits 90 Jah­re alt gewe­sen und nicht nur der Klä­ger bedacht wor­den sei, son­dern auch wei­te­re ihm nahe ste­hen­de Per­so­nen, näm­lich sei­ne Toch­ter und sei­ne Haus­häl­te­rin. Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Gesichts­punk­te lie­ge die Annah­me nahe, dass der Zuwen­den­de sein Ver­mö­gen vor sei­nem Tode habe ver­tei­len wol­len und die Zuwen­dung an den Klä­ger aus rein pri­va­ten Moti­ven her­aus, näm­lich der seit lan­gen Jah­ren bestehen­den freund­schaft­li­chen Ver­bun­den­heit her­aus, erfolgt sei.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 10. Febru­ar 2011 – 6 K 2713/​07