Der ange­foch­te­ne Ände­rungs­be­scheid – und die bereits ein­ge­tre­te­ne Fest­set­zungs­ver­jäh­rung

Der Bun­des­fi­nanz­hof wäre ‑eben­so wie das Finanz­ge­richt- nicht gemäß § 96 Abs. 1 Satz 2 FGO dar­an gehin­dert, den ange­foch­te­nen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid, soweit sich die­ser gegen die Mit­un­ter­neh­mer rich­tet, auf­zu­he­ben, wenn er zu dem Ergeb­nis gelang­te, die­ser Bescheid sei in fest­stel­lungs­ver­jähr­ter Zeit ergan­gen.

Der ange­foch­te­ne Ände­rungs­be­scheid – und die bereits ein­ge­tre­te­ne Fest­set­zungs­ver­jäh­rung

Die Auf­he­bung hät­te dann zur Fol­ge, dass der zuvor ergan­ge­ne Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid wie­der in Kraft trä­te 1.

Zwar darf das Gericht nach § 96 Abs. 1 Satz 2 FGO nicht über das Kla­ge­be­geh­ren hin­aus­ge­hen. Aber selbst wenn ein Mit­un­ter­neh­mer ‑vor dem Finanz­ge­richt oder Bun­des­fi­nanz­hof- nur die Ände­rung des ange­foch­te­nen Steu­er­be­scheids bean­tragt haben soll­te, kann der Bun­des­fi­nanz­hof die­sen Steu­er­be­scheid im Revi­si­ons­ver­fah­ren ins­ge­samt auf­he­ben, wenn der Bescheid wegen ein­ge­tre­te­ner Fest­set­zungs­ver­jäh­rung (§ 169 Abs. 1 Satz 1 AO) rechts­wid­rig oder wegen nicht ord­nungs­ge­mä­ßer Bekannt­ga­be nicht wirk­sam ist. Die Bin­dung an das Kla­ge­be­geh­ren gilt in die­sen Fäl­len nicht 2.

Was für einen Steu­er­be­scheid gilt, muss auch dann gel­ten, wenn ‑so wie hier- ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid ange­foch­ten ist (vgl. § 181 Abs. 1 Satz 1 AO).

In die­sen Fäl­len stün­de daher einer Auf­he­bung nicht ent­ge­gen, dass die kla­gen­den Mit­un­ter­neh­mer nur die Ände­rung des ange­foch­te­nen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheids begehrt haben.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. Juni 2017 – IV R 6/​14

  1. zum Ver­hält­nis des Ände­rungs­be­scheids zum Aus­gangs­be­scheid vgl. BFH, Beschluss vom 25.10.1972 – GrS 1/​72, BFHE 108, 1, BSt­Bl II 1973, 231, unter 3.[]
  2. BFH, Urtei­le vom 25.04.2006 – X R 42/​05, BFHE 212, 421, BSt­Bl II 2007, 220, unter II. 1.; vom 15.04.2010 – IV R 67/​07, Rz 15[]