Der an den ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ter gerich­te­te Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und die Ablauf­hem­mung

Bei einem Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid besteht kei­ne Ablauf­hem­mung, soweit die­ser an ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ter als Inhalts­adres­sat gerich­tet ist.

Der an den ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ter gerich­te­te Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und die Ablauf­hem­mung

Ein gegen­über einem ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ter ergan­ge­ner Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid ist nich­tig und wahrt die Fest­stel­lungs­frist gegen­über die­sem Gesell­schaf­ter nicht. Dar­aus folgt des Wei­te­ren, dass die Kla­ge, mit der der Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid hin­sicht­lich aller Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten ange­foch­ten wird, den Ablauf der Fest­stel­lungs­frist gemäß § 171 Abs. 3a i.V.m. § 181 Abs. 1 Satz 1 AO gegen­über dem ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ter nicht hemmt. Dies gilt unab­hän­gig davon, ob die Kla­ge von der Gesell­schaft oder den Rechts­nach­fol­gern des ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ters erho­ben wor­den ist.

In der Recht­spre­chung ist zunächst geklärt, dass ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid i.S. des § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO sich nicht gegen die Per­so­nen­ge­sell­schaft oder Per­so­nen­ge­mein­schaft als sol­che rich­tet, son­dern gegen die ein­zel­nen Betei­lig­ten als Inhalts­adres­sa­ten des Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheids 1. Wei­ter ist geklärt, dass ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid, in dem einer der Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten unrich­tig bezeich­net wor­den ist, nur soweit er die­sen Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten betrifft, unwirk­sam und damit nich­tig ist 2.

Eben­falls geklärt ist, dass die Ablauf­hem­mung gemäß § 171 Abs. 3 AO in der bis 29.12 1999 gel­ten­den Fas­sung nur dann ein­tritt, wenn der ange­foch­te­ne Bescheid selbst die Fest­set­zungs- bzw. Fest­stel­lungs­frist gewahrt hat. Dies ist bei einem nich­ti­gen Steu­er- bzw. Fest­stel­lungs­be­scheid nicht der Fall 3.

Die­se Grund­sät­ze sind auch auf die inso­weit inhalts­glei­che Rege­lung in § 171 Abs. 3a AO i.d.F. des Steu­er­be­rei­ni­gungs­ge­set­zes 1999 vom 22.12 1999 4 zu über­tra­gen. Danach kann ein Fest­stel­lungs­be­scheid, soweit er gegen einen ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ter als Inhalts­adres­sa­ten gerich­tet und des­halb inso­weit nich­tig ist, kei­ne Ablauf­hem­mung gemäß § 171 Abs. 3a AO aus­lö­sen.

Es kommt daher nicht dar­auf an, ob der Fest­stel­lungs­be­scheid, soweit er den ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ter als Inhalts­adres­sa­ten betrifft, von der Gesell­schaft in (ver­meint­li­cher) Pro­zess­stand­schaft für den ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ter oder von den Rechts­nach­fol­gern des ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ters ange­foch­ten wird.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 16. Juli 2015 – IV B 72/​14

  1. BFH, Urteil vom 21.05.1992 – IV R 47/​90, BFHE 168, 217, BSt­Bl II 1992, 865[]
  2. BFH, Urtei­le in BFHE 168, 217, BSt­Bl II 1992, 865; und vom 23.09.1999 – IV R 59/​98, BFHE 190, 19, BSt­Bl II 2000, 170[]
  3. BFH, Urtei­le vom 27.02.1997 – IV R 38/​96, BFH/​NV 1997, 388; vom 19.11.2009 – IV R 89/​06, BFH/​NV 2010, 818, m.w.N.[]
  4. BGBl I 1999, 2601[]