Der Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid für die voll­be­en­de­te Per­so­nen­ge­sell­schaft – und sei­ne Anfech­tung

Ist eine Per­so­nen­ge­sell­schaft (hier: eine oHG) bereits im Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung durch Voll­be­en­di­gung ohne Abwick­lung erlo­schen, kann nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid nur noch von den frü­he­ren Gesell­schaf­tern ange­foch­ten wer­den, deren Mit­glied­schaft die Zeit berührt, die der anzu­fech­ten­de Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid betrifft.

Der Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid für die voll­be­en­de­te Per­so­nen­ge­sell­schaft – und sei­ne Anfech­tung

Die Befug­nis der Per­so­nen­ge­sell­schaft, in Pro­zess­stand­schaft für ihre Gesell­schaf­ter Rechts­be­hel­fe gegen Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­de ein­zu­le­gen (§ 48 Abs. 1 Nr. 1 FGO), ist mit deren Voll­be­en­di­gung erlo­schen. Inso­weit lebt die bis zum Zeit­punkt der Voll­be­en­di­gung über­la­ger­te Kla­ge­be­fug­nis der ein­zel­nen Gesell­schaf­ter wie­der auf.

Die Kla­ge­be­fug­nis geht des­halb auch nicht auf den Gesamt­rechts­nach­fol­ger der Per­so­nen­ge­sell­schaft über1.

Eine gleich­wohl namens der voll­be­en­de­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft erho­be­ne Kla­ge kann aus­nahms­wei­se dann im Wege der rechts­schutz­ge­wäh­ren­den Aus­le­gung als eine sol­che der ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter ange­se­hen wer­den, wenn das Rubrum der Kla­ge spie­gel­bild­lich dem inso­weit unzu­tref­fen­den Rubrum der Ein­spruchs­ent­schei­dung ent­sprach und dem Finanz­amt die Voll­be­en­di­gung der Per­so­nen­ge­sell­schaft bei Erlass der Ein­spruchs­ent­schei­dung bereits bekannt war2.

Danach ist die Kla­ge eben­so wie die Revi­si­on- in einem sol­chen Fall als eine sol­che der Klä­ger als den ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­tern der voll­be­en­de­ten oHG anzu­se­hen, die den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten auch ent­spre­chend bevoll­mäch­tigt haben. Wie sich aus der Ein­spruchs­ent­schei­dung ergibt, war dem FA bei ihrem Erlass bereits bekannt, dass die oHG voll­be­en­det war. Gleich­wohl hat das FA im Rubrum der Ein­spruchs­ent­schei­dung die oHG als Ein­spruchs­füh­re­rin auf­ge­führt und nicht die Klä­ger als deren (ehe­ma­li­ge) Gesell­schaf­ter. Die dem unzu­tref­fen­den Rubrum der Ein­spruchs­ent­schei­dung spie­gel­bild­lich ent­spre­chen­de Kla­ge ist danach als eine sol­che der Klä­ger als den ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­tern der oHG anzu­se­hen und das Urteil als gegen die­se und nicht als gegen die oHG ergan­gen anzu­se­hen. Das inso­weit unzu­tref­fen­de Urteil der Vor­in­stanz ist gemäß § 107 Abs. 1 FGO ent­spre­chend zu berich­ti­gen. Eben­so ist die spie­gel­bild­lich dem unzu­tref­fen­den Rubrum des FG, Urteils ent­spre­chen­de Revi­si­on als eine sol­che der Klä­ger und nicht als eine sol­che der oHG aus­zu­le­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. Sep­tem­ber 2015 – IV R 8/​13

  1. z.B. BFH, Urteil vom 22.01.2015 – IV R 62/​11, BFH/​NV 2015, 995, m.w.N. zur Recht­spre­chung
  2. z.B. BFH, Urtei­le vom 01.07.2004 – IV R 4/​03, BFH/​NV 2005, 162; vom 23.04.2009 – IV R 87/​05, BFH/​NV 2009, 1650; in BFH/​NV 2015, 995