Der nach Klageerhebung aus­ge­schie­de­ne Gesellschafter – und sei­ne Beiladung im Finanzgerichtsverfahren

Ein nach Klageerhebung aus­ge­schie­de­ner Gesellschafter ist im Klageverfahren gegen den Gewinnfeststellungsbescheid not­wen­dig bei­zu­la­den.

Der nach Klageerhebung aus­ge­schie­de­ne Gesellschafter – und sei­ne Beiladung im Finanzgerichtsverfahren

Der aus­ge­schie­de­ne Gesellschafter (hier: ein Kommanditist) ist nach § 48 Abs. 1 Nr. 3 FGO neben der als Prozessstandschafterin kla­ge­be­fug­ten Gesellschaft (hier: GmbH & Co. KG) selbst zur Erhebung einer Klage gegen den Gewinnfeststellungsbescheid befugt. Da er vom Ausgang des Verfahrens betrof­fen sein kann, ist im Verfahren der Gesellschaft gegen den Gewinnfeststellungsbescheid nach § 60 Abs. 3 FGO not­wen­dig bei­zu­la­den. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass er erst nach Klageerhebung aus der Kommanditgesellschaft aus­ge­schie­den ist. Denn auch ein Gesellschafter, der erst wäh­rend eines bereits in Gang gesetz­ten Klageverfahrens aus­schei­det, ist not­wen­dig bei­zu­la­den 1.

Eine unter­blie­be­ne not­wen­di­ge Beiladung stellt trotz der Regelung in § 123 Abs. 1 Satz 2 FGO einen Verstoß gegen die Grundordnung des Verfahrens dar. Die Vorschriften über die not­wen­di­ge Beiladung regeln eine unver­zicht­ba­re Sachentscheidungsvoraussetzung. Die ange­foch­te­ne Entscheidung kann des­halb auf dem Verfahrensmangel beru­hen 2. § 123 Abs. 1 Satz 2 FGO eröff­net dem BFH ledig­lich die Möglichkeit, eine not­wen­di­ge Beiladung im Revisionsverfahren nach­zu­ho­len 3.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 4. September 2014 – IV R 44/​13

  1. vgl. BFH, Beschlüsse vom 19.06.1990 – VIII B 3/​89, BFHE 161, 404, BStBl II 1990, 1068, unter 1.a bis 1.e der Gründe; und vom 01.10.2010 – IV R 32/​07, BFH/​NV 2011, 271
  2. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 08.05.2008 – IV B 138/​07, BFH/​NV 2008, 1499, m.w.N., und BFH, Urteil vom 29.04.2009 – X R 16/​06, BFHE 225, 4, BStBl II 2009, 732
  3. BFH, Beschluss vom 21.12 2011 – IV B 101/​10, BFH/​NV 2012, 598