Der Streit um den Feststellungsbescheid – und die Beiladung der stil­len Gesellschaft

Nach stän­di­ger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs sind bei einem nega­ti­ven Feststellungsbescheid neben der Gesellschaft nach § 48 Abs. 1 Nr. 1 FGO auch die Gesellschafter selbst nach Nr. 4 oder Nr. 5 kla­ge­be­fugt 1.

Der Streit um den Feststellungsbescheid – und die Beiladung der stil­len Gesellschaft

Darüber hin­aus kommt eine Beteiligung der aty­pisch stil­len Gesellschaft selbst im Wege der not­wen­di­gen Beiladung nicht in Betracht. Denn eine aty­pisch stil­le Gesellschaft kann als Innengesellschaft nicht Beteiligte eines finanz­ge­richt­li­chen Verfahrens sein, das die geson­der­te und ein­heit­li­che Gewinnfeststellung betrifft 2.

Gleiches gilt, wenn nach einem nega­ti­ven Feststellungsbescheid eine geson­der­te und ein­heit­li­che Gewinnfeststellung begehrt wird. Die Rolle des nicht vor­han­de­nen Geschäftsführers über­nimmt bei der aty­pisch stil­len Gesellschaft gemäß § 48 Abs. 1 Nr. 1 Alternative 2, Abs. 2 FGO der Empfangsbevollmächtigte.

Diesem ste­hen des­halb die­sel­ben pro­zes­sua­len Befugnisse zu wie einem ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Geschäftsführer nach dem Regeltatbestand des § 48 Abs. 1 Nr. 1 Alternative 1 FGO; er han­delt im eige­nen Namen im Interesse der Feststellungsbeteiligten und damit für die­se als gesetz­li­cher Prozessstandschafter 3.

Empfangsbevollmächtigt kann ‑was im hier ent­schie­de­nen Fall aller­dings nicht ersicht­lich ist- auch der Inhaber des Handelsgeschäfts sein 4. Sind indes ‑wie hier- Personen nach § 48 Abs. 1 Nr. 1 FGO nicht vor­han­den, so ist gemäß § 48 Abs. 1 Nr. 2 FGO kla­ge­be­fugt jeder Gesellschafter, gegen den der Feststellungsbescheid ergan­gen ist oder zu erge­hen hät­te 4. Auch inso­weit ver­bleibt es des­halb bei einer Beteiligung allein der Klägerinnen als ein­zi­gen Gesellschaftern der (ver­meint­lich aty­pisch) stil­len Gesellschaft.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 13. Juli 2017 – IV R 41/​14

  1. z.B. BFH, Urteile vom 19.01.2017 – IV R 50/​13 und – IV R 5/​16, jeweils Rz 15, m.w.N.
  2. z.B. BFH, Beschluss vom 21.12 2011 – IV B 101/​10, Rz 4; BFH, Urteil vom 12.05.2016 – IV R 27/​13, Rz 16
  3. BFH, Urteil vom 12.05.2016 – IV R 27/​13, Rz 16, m.w.N.
  4. BFH, Beschluss vom 21.12 2011 – IV B 101/​10, Rz 4