Der Streit um die Gewinn­ver­tei­lung in der dop­pel­stö­cki­gen Per­so­nen­ge­sell­schaft – und die Insol­venz der Kom­man­di­tis­tin

Das Kla­ge­ver­fah­ren betref­fend die Fest­stel­lung des Anteils der Kom­man­dit-Ober­ge­sell­schaft an dem nach § 35 Abs. 2 Satz 1 EStG fest­ge­stell­ten Betrag des Gewer­be­steu­er­mess­be­trags einer Kom­man­dit-Unter­ge­sell­schaft wird durch die Insol­venz der (kla­gen­den) Ober­ge­sell­schaft nicht unter­bro­chen.

Der Streit um die Gewinn­ver­tei­lung in der dop­pel­stö­cki­gen Per­so­nen­ge­sell­schaft – und die Insol­venz der Kom­man­di­tis­tin

Denn die­se Streit­fra­ge betrifft nicht die Insol­venz­mas­se i.S. von § 155 FGO i.V.m. § 240 Satz 1 ZPO. Die Insol­venz­mas­se ist nur betrof­fen, wenn der Ver­fah­rens­ge­gen­stand ein Ver­mö­gens­wert ist, der zumin­dest mit­tel­bar zur Insol­venz­mas­se gehö­ren kann [1].

Dies schei­det im hier beschrie­be­nen Streit­fall aus. Der nach § 35 Abs. 2 EStG fest­ge­stell­te Anteil der insol­ven­ten Kom­man­dit­ober­ge­sell­schaft am Betrag des Gewer­be­steu­er­mess­be­trags der Kom­man­dit­un­ter­ge­sell­schaft fließt in die Fest­stel­lung des Betrags des Gewer­be­steu­er­mess­be­trags der Kom­man­dit­ober­ge­sell­schaft ein (vgl. § 35 Abs. 2 Satz 5 und Abs. 3 Satz 3 EStG) [2] und hat inso­weit nur Bedeu­tung für die Anrech­nung von Gewer­be­steu­er auf die tarif­li­che Ein­kom­men­steu­er der an der Kom­man­dit­ober­ge­sell­schaft betei­lig­ten Mit­un­ter­neh­mer. Die Ein­kom­men­steu­er­schuld der Gesell­schaf­ter der Kom­man­dit­ober­ge­sell­schaft gehört indes zum Ver­mö­gens­be­reich die­ser Gesell­schaf­ter und nicht zum Ver­mö­gens­be­reich der insol­ven­ten Ober­ge­sell­schaft als Per­so­nen­ge­sell­schaft [3].

Die insol­ven­te Kom­man­dit­ober­ge­sell­schaft ist als Klä­ge­rin auch trotz der Insol­venz­eröff­nung wei­ter­hin ord­nungs­ge­mäß ver­tre­ten. Bezieht sich der Auf­trag der Klä­ge­rin zur Pro­zess­ver­tre­tung im Streit­fall nicht auf das zur Insol­venz­mas­se gehö­ren­de Ver­mö­gen, so ist ‑wovon im Übri­gen auch das Finanz­ge­richt aus­ge­gan­gen ist- das ihrem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten als Wirt­schafts­prü­fer und Steu­er­be­ra­ter erteil­te Man­dat [4] nicht nach § 116 i.V.m. § 115 Abs. 1 InsO mit der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens erlo­schen. Die dem Pro­zess­be­voll­mäch­ti­gen der kla­gen­den Kom­man­dit­ober­ge­sell­schaft vor Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens vom Geschäfts­füh­rer der GmbH & Co. KG erteil­te Voll­macht besteht somit fort.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Janu­ar 2016 – IV R 5/​14

  1. vgl. Zöller/​Greger, ZPO, 31. Aufl., § 240 Rz 8[]
  2. BFH, Urteil vom 28.05.2015 – IV R 27/​12, BFHE 249, 544, BStBl 2015, 837, Rz 25[]
  3. vgl. ‑dort für Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­de- auch Lei­pold, DStZ 2012, 103, 108, m.w.N.[]
  4. vgl. dazu Andres/​Leithaus, Insol­venz­ord­nung, 3. Aufl., § 116 Rz 5[]