Der VW-Trans­por­ter als Las­ten­trans­por­ter – und die 1%-Regelung

Ein für den Las­ten­trans­port her­ge­rich­te­ter VW-Trans­por­ter ist von der Anwen­dung der 1%-Regelung aus­ge­schlos­sen.

Der VW-Trans­por­ter als Las­ten­trans­por­ter – und die 1%-Regelung

Bei einem sol­chen Las­ten­trans­por­ter ist daher kein Vor­teil aus einer pri­va­ten Nut­zung des betrieb­li­chen Fahr­zeugs nach der 1 %-Rege­lung anzu­set­zen.

Nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG ist die pri­va­te Nut­zung eines Kfz, das zu mehr als 50 % betrieb­lich genutzt wird, für jeden Kalen­der­mo­nat mit 1 % des inlän­di­schen Lis­ten­prei­ses im Zeit­punkt der Erst­zu­las­sung zuzüg­lich der Kos­ten für Son­der­aus­stat­tung ein­schließ­lich Umsatz­steu­er anzu­set­zen, wenn nicht (Satz 3) ein ord­nungs­ge­mä­ßes Fahr­ten­buch vor­liegt. Aus­ge­nom­men sind Kfz, für die der Erfah­rungs­satz, sie wür­den typi­scher­wei­se nicht nur ver­ein­zelt und gele­gent­lich für pri­va­te Zwe­cke genutzt wer­den, nicht gilt. Das betrifft nament­lich LKW und Zug­ma­schi­nen, wobei aller­dings nicht die Klas­si­fi­zie­rung des Kfz-Steu­er­rechts und des Stra­ßen­ver­kehrs­rechts maß­ge­bend ist 1. Maß­ge­bend ist, ob das betref­fen­de Fahr­zeug auf­grund sei­ner objek­ti­ven Beschaf­fen­heit und Ein­rich­tung typi­scher­wei­se so gut wie aus­schließ­lich zur Beför­de­rung von Gütern bestimmt ist, da der­ar­ti­ge Fahr­zeu­ge allen­falls gele­gent­lich und aus­nahms­wei­se auch für pri­va­te Zwe­cke ein­ge­setzt wer­den 2.

Das Finanz­ge­richt ist die­sen recht­li­chen Maß­stä­ben gefolgt und in tat­säch­li­cher Hin­sicht in revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der und damit den Bun­des­fi­nanz­hof nach § 118 Abs. 2 FGO bin­den­der Wei­se davon aus­ge­gan­gen, dass das Fahr­zeug des Unter­neh­mers tat­säch­lich zur pri­va­ten Nut­zung nicht bestimmt war. Der Schluss von der Exis­tenz ledig­lich zwei­er Sit­ze auf eine typi­scher­wei­se feh­len­de Zweck­be­stim­mung des Fahr­zeugs zur pri­va­ten Nut­zung ist kein Ver­stoß gegen Denk­ge­set­ze. Er beruht viel­mehr auf einem zutref­fen­den Ver­ständ­nis des unge­schrie­be­nen Tat­be­stands­merk­mals der feh­len­den pri­va­ten Zweck­be­stim­mung. Der BFH hat nicht etwa gefor­dert, dass nach Beschaf­fen­heit und Ein­rich­tung des Fahr­zeugs die pri­va­te Nut­zung denklo­gisch aus­ge­schlos­sen wäre, son­dern nur ver­langt, dass das Fahr­zeug typi­scher­wei­se die­ser nicht dient. Die­se Schluss­fol­ge­rung ist bei einem Zwei­sit­zer, der nicht des­halb als Zwei­sit­zer gestal­tet ist, weil er Sport­wa­gen­cha­rak­ter hät­te, son­dern des­halb, weil er für den Las­ten­trans­port her­ge­rich­tet ist, denklo­gisch feh­ler­frei. Mit der Über­le­gung, dass sich auch ein zwei­sit­zi­ges Fahr­zeug grund­sätz­lich für pri­va­te Besor­gun­gen ein­set­zen lässt, wäre jeder belie­big gro­ße LKW, im Prin­zip jedes Fahr­zeug auch pri­vat ein­setz­bar, die o.g. ein­schrän­ken­de Recht­spre­chung obso­let.

Viel­mehr ent­spricht die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richt nach Begrün­dung und Ergeb­nis der Ent­schei­dung des BFH in BFHE 224, 108, BSt­Bl II 2009, 381. Danach galt ein Opel Com­bo, der ähn­lich wie das hier streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug durch ledig­lich zwei Sitz­plät­ze und eine Abtren­nung der fens­ter­lo­sen Lade­flä­che cha­rak­te­ri­siert war, dabei sogar deut­lich klei­ner ist, als typi­scher­wei­se nicht zum pri­va­ten Gebrauch geeig­net. Auch wenn der VI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs Beden­ken dage­gen heg­te, mit dem X. Senat die kraft­fahr­zeug­steu­er­li­che und ver­kehrs­recht­li­che Ein­stu­fung des Fahr­zeugs für unmaß­geb­lich zu erach­ten, hat er sich doch nicht in tra­gen­der Wei­se auf die Ein­stu­fung des Opel Com­bo als LKW gestützt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Febru­ar 2016 – X R 32/​11

  1. vgl. BFH, Urteil vom 13.02.2003 – X R 23/​01, BFHE 201, 499, BSt­Bl II 2003, 472, unter II. 1.d und II. 2.b bb[]
  2. BFH, Urteil vom 18.12 2008 – VI R 34/​07, BFHE 224, 108, BSt­Bl II 2009, 381, unter II.b[]