Die Her­stel­lungs­kos­ten eines Gül­le­kel­lers

Die Her­stel­lungs­kos­ten eines Gül­le­kel­lers gehö­ren zu den Gebäu­de­her­stel­lungs­kos­ten, soweit die Bau­tei­le des Kel­lers auch dem dar­über lie­gen­den Gebäu­de die­nen.

Die Her­stel­lungs­kos­ten eines Gül­le­kel­lers

Die Zuord­nung von betrieb­li­chen Auf­wen­dun­gen zu den Gebäu­de­her­stel­lungs­kos­ten und zu Betriebs­vor­rich­tun­gen erfolgt auch ertrag­steu­er­lich nach den Grund­sät­zen des § 68 BewG, so das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt in einem aktu­el­len Urteil.

Nach § 68 Abs. 1 BewG gehö­ren zum Grund­ver­mö­gen außer dem Grund und Boden auch die Gebäu­de, die sons­ti­gen Bestand­tei­le und das Zube­hör. Nicht in das Grund­ver­mö­gen ein­zu­be­zie­hen sind nach § 68 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 BewG Maschi­nen und sons­ti­ge Vor­rich­tun­gen aller Art, die zu einer Betriebs­an­la­ge gehö­ren (Betriebs­vor­rich­tun­gen), und zwar auch dann nicht, wenn sie wesent­li­che Bestand­tei­le sind. Bei der Abgren­zung zwi­schen Gebäu­den und Betriebs­vor­rich­tun­gen ist vom Gebäu­de­be­griff aus­zu­ge­hen, weil Gebäu­de grund­sätz­lich zum Grund­ver­mö­gen gehö­ren und dem­ge­mäß ein Bau­werk, das als Gebäu­de zu betrach­ten ist, nicht Betriebs­vor­rich­tung sein kann 1. Als Gebäu­de ist ein Bau­werk anzu­se­hen, das durch räum­li­che Umschlie­ßung Schutz gegen äuße­re Ein­flüs­se gewährt, den nicht nur vor­über­ge­hen­den Auf­ent­halt von Men­schen gestat­tet, fest mit dem Grund und Boden ver­bun­den sowie von eini­ger Bestän­dig­keit und stand­fest ist 2. Der Begriff des Gebäu­des setzt nicht vor­aus, dass das Bau­werk über die Erd­ober­flä­che hin­aus­ragt 3.

In dem hier vom Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall erfüllt nach Ansicht des Finanz­ge­richts die bereits vor­han­de­ne Hal­le (der Boxen­lauf­stall), unter wel­che der Gül­le­kel­ler nach­träg­lich errich­tet wur­de, unstrei­tig den Gebäu­de­be­griff. Der Boxen­lauf­stall ein­schließ­lich des Gül­le­kel­lers ist in dem vom FA ange­nom­me­nen Umfang ein Bau­werk, das Men­schen und Sachen durch räum­li­che Umschlie­ßung Schutz gegen äuße­re Ein­flüs­se gewährt und das auch für den nicht nur vor­über­ge­hen­den Auf­ent­halt von Men­schen geeig­net ist.

Die den Gül­le­kel­ler bil­den­de hori­zon­ta­le Boden­plat­te und die ver­ti­ka­len Ver­bin­dun­gen zwi­schen der eben­erdi­gen und der abge­senk­ten Boden­plat­te sowie die Fun­da­men­te stel­len ent­ge­gen der Ansicht der Klä­ge­rin kei­ne Betriebs­vor­rich­tun­gen dar, son­dern rech­nen nach § 68 Abs. 2 Satz 2 BewG zum Gebäu­de. Nach die­ser Vor­schrift sind Ver­stär­kun­gen von Decken und die nicht aus­schließ­lich zu einer Betriebs­an­la­ge gehö­ren­den Stüt­zen und sons­ti­gen Bau­tei­le wie Mau­er­vor­la­gen und Ver­stre­bun­gen in das Grund­ver­mö­gen ein­zu­be­zie­hen. Für die Abgren­zung zwi­schen Gebäu­de (Grund­ver­mö­gen) und Betriebs­vor­rich­tun­gen folgt dar­aus, dass Bau­tei­le, die einen dop­pel­ten Zweck erfül­len, stets zum Grund­ver­mö­gen rech­nen 4. Sol­che Bau­tei­le gehö­ren nicht i.S. des § 68 Abs. 2 Satz 2 BewG aus­schließ­lich zu einer Betriebs­an­la­ge. Eine aus­schließ­li­che Zuord­nung zu den Betriebs­vor­rich­tun­gen lie­fe dem oben dar­ge­leg­ten Erfor­der­nis zuwi­der, vom Gebäu­de­be­griff aus­zu­ge­hen. Dies zeigt sich auch im Streit­fall. Sowohl der ent­spre­chen­de Abschnitt der Boden­plat­te zu ebe­ner Erde als auch der­je­ni­ge, der im abge­senk­ten Bereich des Gül­le­kel­lers liegt nebst ver­ti­ka­ler Ver­bin­dung, sind zunächst in ihrer Eigen­schaft als Boden äuße­re Begren­zung des Boxen­lauf­stalls und als sol­che für die Fra­ge von Bedeu­tung, ob die Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind, die ein Bau­werk ganz oder teil­wei­se zum Gebäu­de machen. Dabei trägt die gesam­te Boden­plat­te zur Gebäu­de­ei­gen­schaft des Vieh­stalls bei, indem sie die räum­li­che Umschlie­ßung bil­den und die Stand­fes­tig­keit sicher­stel­len. Denn nach den in der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht bestrit­te­nen Aus­füh­run­gen des Bau­sach­ver­stän­di­gen ist die Boden­plat­te (ein­schließ­lich Sohl­plat­te) ins­ge­samt, also auch soweit sie Teil des Gül­le­kel­lers ist, not­wen­dig, um die Kräf­te abzu­fan­gen, die auf die Stahl­trä­ger ein­wir­ken. Die außen­seit­li­chen Stahl­trä­ger, die die Dach­kon­struk­ti­on tra­gen, wür­den ohne Zug­an­ker­be­weh­rung im unte­ren Bereich nach außen weg­drü­cken. Zum Aus­gleich die­ser Kräf­te bedurf­te es der gesam­ten Boden­plat­te, in wel­che die Zug­kräf­te der Stahl­trä­ger mit­tels der Zug­an­ker ein­ge­lei­tet wer­den. Dem­zu­fol­ge dient die gesam­te Boden­plat­te ein­schließ­lich der ver­ti­ka­len Ver­bin­dun­gen und der Sohl­plat­te nicht nur dem äuße­ren Gebäu­de­ab­schluss, son­dern zugleich auch der Stand­fes­tig­keit des Gesamt­ge­bäu­des. In die­ser Funk­ti­on haben sie zumin­dest eine dop­pel­te Funk­ti­on i. S. des § 68 Abs. 2 Satz 2 BewG. Die­ser Aus­le­gung des § 68 Abs. 2 Satz 2 BewG ste­hen die dort genann­ten Bei­spie­le für nicht zu den Betriebs­vor­rich­tun­gen gehö­ren­de Bau­tei­le nicht ent­ge­gen. Dar­aus, dass nur Decken­ver­stär­kun­gen, Stüt­zen, Mau­er­vor­la­gen und Ver­stre­bun­gen erwähnt sind, ist nicht zu fol­gern, dass gan­ze Wän­de, Decken oder Böden mit Dop­pel­funk­ti­on von der Rege­lung aus­ge­nom­men sind. Der­ar­ti­ge Bau­tei­le sind viel­mehr erst recht in das Grund­ver­mö­gen ein­zu­be­zie­hen. Denn deren funk­tio­na­ler Zusam­men­hang mit dem Grund­ver­mö­gen ist nicht loser, son­dern enger.

Als Betriebs­vor­rich­tun­gen sind damit ledig­lich die Gül­le­ent­nah­me­stel­le, die Spalt­bö­den, die Lie­ge­bo­xen und deren Stütz­wän­de ober­halb der Sohl­plat­te anzu­se­hen.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 7. Sep­tem­ber 2010 – 13 K 33/​09

  1. vgl. BFH, Urteil vom 25.03.1977 – III R 5/​75, BFHE 122, 150, BSt­Bl II 1977, 594, m.w.N.[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung; vgl. BFH, Urtei­le vom 30.01.1991 – II R 48/​88, BFHE 163, 236, BSt­Bl II 1991, 618; vom 13.06.1969 – III 17/​65, BFHE 96, 57, BSt­Bl II 1969, 517, m.w.N.[]
  3. so zutref­fend gleich­lau­ten­de Erlas­se der obers­ten Finanz­be­hör­den der Län­der betref­fend Abgren­zung des Grund­ver­mö­gens von den Betriebs­vor­rich­tun­gen vom 15.03.2006, BSt­Bl I 2006, 314 z.B. für Tief­ga­ra­gen und unter­ir­di­sche Betriebs­räu­me[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 09.12.1998 – II R 1/​96, BFH/​NV 1999, 909[]