Die Kla­ge gegen einen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und die Bei­la­dung ehe­ma­li­ger Gesell­schaf­ter

Die Bei­la­dung eines ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ters zum Kla­ge­ver­fah­ren eines ande­ren ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ters gegen einen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid hat nur bei einer Selbst­be­trof­fen­heit i.S. des § 40 Abs. 2 FGO zu erfol­gen.

Die Kla­ge gegen einen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und die Bei­la­dung ehe­ma­li­ger Gesell­schaf­ter

Nach § 60 Abs. 3 Satz 1 FGO sind Drit­te bei­zu­la­den (not­wen­di­ge Bei­la­dung), wenn sie an dem strei­ti­gen Rechts­ver­hält­nis der­art betei­ligt sind, dass die Ent­schei­dung auch ihnen gegen­über nur ein­heit­lich erge­hen kann. Dies gilt nicht für Mit­be­rech­tig­te, die nach § 48 FGO nicht kla­ge­be­fugt sind (§ 60 Abs. 3 Satz 2 FGO).

Die Voll­be­en­di­gung einer KG hat zur Fol­ge, dass die KG selbst kein Kla­ge­recht mehr in Anspruch neh­men kann. Die Kla­ge­be­fug­nis gegen­über den Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­den steht nun­mehr unein­ge­schränkt den betei­lig­ten Gesell­schaf­tern zu. Des­halb müs­sen nach der Voll­be­en­di­gung einer Per­so­nen­ge­sell­schaft die ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter einen die Zeit ihrer Mit­glied­schaft betref­fen­den Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid selb­stän­dig angrei­fen 1. Zu dem Kla­ge­ver­fah­ren eines ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ters sind grund­sätz­lich alle gemäß § 48 Abs. 1 Nr. 3 FGO kla­ge­be­fug­ten ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter, die nicht selbst Kla­ge erho­ben haben, bei­zu­la­den, soweit sie vom Aus­gang des Rechts­streits i.S. des § 40 Abs. 2 FGO selbst betrof­fen sind 2.

Eine not­wen­di­ge Bei­la­dung der nicht kla­gen­den ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter (Betei­lig­ten) ist aller­dings nicht gebo­ten, wenn sie steu­er­recht­lich von dem Aus­gang des Rechts­streits unter kei­nem denk­ba­ren Gesichts­punkt betrof­fen sein kön­nen 3 oder wenn die Kla­ge offen­sicht­lich unzu­läs­sig ist 4.

Wird gegen einen Fest­stel­lungs­be­scheid i.S. von §§ 179, 180 AO Kla­ge erho­ben, ist zu beach­ten, dass Streit­ge­gen­stand die ein­zel­nen geson­dert fest­ge­stell­ten Besteue­rungs­grund­la­gen sein kön­nen (§ 157 Abs. 2 AO). Die­se sind selbst Rege­lungs­ge­gen­stand die­ses Steu­er­ver­wal­tungs­akts. Das gilt z.B. für Rege­lun­gen zur Qua­li­fi­ka­ti­on der Ein­künf­te, zum Vor­lie­gen einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft, zur Höhe des Gesamt­ge­winns, des lau­fen­den Gewinns, eines Ver­äu­ße­rungs­ge­winns oder eines Son­der­ge­winns 5. Der Fest­stel­lungs­be­scheid stellt sich daher als eine Zusam­men­fas­sung ein­zel­ner Fest­stel­lun­gen von Besteue­rungs­grund­la­gen dar, die –soweit sie eine recht­lich selb­stän­di­ge Wür­di­gung ent­hal­ten– auch als selb­stän­di­ger Gegen­stand eines Kla­ge­ver­fah­rens in Betracht kom­men und dem­ge­mäß einem eigen­stän­di­gen pro­zes­sua­len Schick­sal unter­lie­gen 6.

Eine Kla­ge gegen einen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid kann dem­zu­fol­ge ver­schie­de­ne Ziel­set­zun­gen haben. Wel­che Besteue­rungs­grund­la­gen der Klä­ger mit sei­ner Kla­ge angreift und damit zum Streit­ge­gen­stand des finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens gemacht hat, ist durch Aus­le­gung der Kla­ge­schrift oder der dar­in aus­drück­lich in Bezug genom­me­nen Schrift­stü­cke zu ermit­teln 7.

Vor­lie­gend begeh­ren die Klä­ger aus­weis­lich der Kla­ge­be­grün­dungs­schrift vom 23.08.2012 aus­schließ­lich die Berück­sich­ti­gung wei­te­rer Son­der­be­triebs­aus­ga­ben. Streit­ge­gen­stand ist damit nur die Fest­stel­lung der jewei­li­gen Son­der­ge­win­ne der Klä­ger. Uner­heb­lich ist, dass die Klä­ger in der Kla­ge­schrift vom 18.05.2012 zunächst den Gegen­stand des Kla­ge­be­geh­rens ohne jede Begrün­dung auch auf wei­te­re Fest­stel­lun­gen erstreckt haben. Denn maß­geb­lich für die Aus­le­gung des Kla­ge­be­geh­rens ist das gesam­te Kla­ge­vor­brin­gen. Im Übri­gen haben die Klä­ger bereits im Ein­spruchs­ver­fah­ren nur die Berück­sich­ti­gung wei­te­rer Son­der­be­triebs­aus­ga­ben bean­tragt.

Von dem Rechts­streit betref­fend die Son­der­be­triebs­aus­ga­ben der Klä­ger sind die ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter A und B unter kei­nem denk­ba­ren Gesichts­punkt betrof­fen. Inso­weit steht auch C als deren Rechts­nach­fol­ge­rin kei­ne eige­ne Kla­ge­be­fug­nis gemäß § 48 Abs. 1 Nr. 3 i.V.m. § 40 Abs. 2 FGO zu.

Die Bei­la­dung der C ist auch nicht im Hin­blick auf den von den Klä­gern gestell­ten Hilfs­an­trag gerecht­fer­tigt, Auf­wen­dun­gen für einen von den Gesell­schaf­tern A und B geführ­ten Rechts­streit, die eben­falls der Klä­ger über­nom­men hat­te, (hilfs­wei­se) bei B als Son­der­be­triebs­aus­ga­ben zu berück­sich­ti­gen.

Von einer gemäß § 60 Abs. 3 FGO i.V.m. § 48 Abs. 1 Nrn. 3 und 5 FGO inso­weit grund­sätz­lich not­wen­di­gen Bei­la­dung der C als Rechts­nach­fol­ge­rin des ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ters B ist vor­lie­gend des­halb abzu­se­hen, weil die Kla­ge hin­sicht­lich die­ses Hilfs­an­tra­ges offen­sicht­lich unzu­läs­sig ist 8. Denn bezüg­lich der Fest­stel­lung des Son­der­ge­winns des ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ters B fehlt es an der eige­nen Rechts­ver­let­zung der Klä­ger; ihnen steht daher inso­weit kei­ne Kla­ge­be­fug­nis gemäß § 40 Abs. 2 FGO zu.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 26.8.2013, IV B 62/​13

  1. BFH, Urteil vom 19.07.2011 – IV R 40/​08, BFH/​NV 2012, 393, m.w.N.; BFH, Beschluss vom 04.05.1999 – VIII B 94/​98, BFH/​NV 1999, 1483[]
  2. BFH, Urteil vom 09.02.2011 – IV R 37/​08, BFH/​NV 2011, 1120, m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil in BFH/​NV 2011, 1120[]
  4. BFH, Beschluss vom 20.06.2012 – IV B 147/​11, BFH/​NV 2012, 1614, m.w.N.[]
  5. BFH, Urteil vom 09.02.2011 – IV R 15/​08, BFHE 233, 290, BSt­Bl II 2011, 764, m.w.N.[]
  6. BFH, Urteil in BFHE 233, 290, BSt­Bl II 2011, 764[]
  7. BFH, Urtei­le vom 20.01.1977 – IV R 3/​75, BFHE 122, 2, BSt­Bl II 1977, 509, und in BFHE 233, 290, BSt­Bl II 2011, 764[]
  8. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2012, 1614, m.w.N.[]