Die voll­be­en­de­te GbR – und die Kla­ge­be­fug­nis gegen einen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid

Erlischt eine Per­so­nen­ge­sell­schaft durch Voll­be­en­di­gung ohne Abwick­lung ‑wie hier die GbR durch die Über­tra­gung sämt­li­cher Antei­le auf die KG mit anschlie­ßen­der Anwach­sung des Ver­mö­gens auf diese‑, darf ein geson­der­ter und ein­heit­li­cher Fest­stel­lungs­be­scheid nur noch von den frü­he­ren Gesell­schaf­tern ‑unab­hän­gig davon, ob man dies aus § 48 Abs. 1 Nr. 2 oder Nr. 3 FGO ablei­tet- ange­foch­ten wer­den, deren Mit­glied­schaft den Zeit­raum berührt, den der anzu­fech­ten­de Fest­stel­lungs­be­scheid betrifft.

Die voll­be­en­de­te GbR – und die Kla­ge­be­fug­nis gegen einen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid

Die Befug­nis der Per­so­nen­ge­sell­schaft gemäß § 48 Abs. 1 Nr. 1 Alter­na­ti­ve 1 FGO, als Pro­zess­stand­schaf­te­rin für ihre Gesell­schaf­ter Rechts­be­hel­fe ein­le­gen zu kön­nen, erlischt mit der Voll­be­en­di­gung. Die Kla­ge­be­fug­nis der voll­be­en­de­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft gemäß § 48 Abs. 1 Nr. 1 Alter­na­ti­ve 1 FGO geht in die­sem Fall aber nicht auf den Gesamt­rechts­nach­fol­ger der Per­so­nen­ge­sell­schaft (hier: die KG), son­dern gemäß § 48 Abs. 1 Nr. 2 oder Nr. 3 FGO auf die Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten ‑hier: die Gesell­schaf­ter- über 1.

Die Kla­ge­be­fug­nis gemäß § 48 Abs. 1 Nr. 2 oder Nr. 3 FGO ver­mit­telt dem Gesell­schaf­ter aller­dings nur ein beschränk­tes Kla­ge­recht. Er kann sol­che Fest­stel­lun­gen angrei­fen, die ihn selbst betref­fen und ‑ihre Rechts­wid­rig­keit unter­stellt- in sei­nen eige­nen Rech­ten (§ 40 Abs. 2 FGO) ver­let­zen 2.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind für sämt­li­che Gesell­schaf­ter als Adres­sa­ten der Fest­stel­lungs­be­schei­de etwa dann erfüllt, wenn in den ein­zeln bekannt gege­be­nen ange­foch­te­nen Fest­stel­lungs­be­schei­den auf Ebe­ne der GbR erziel­te gemein­schaft­li­che Kapi­tal­ein­künf­te fest­ge­stellt und den Gesell­schaf­tern nach der Betei­li­gungs­quo­te zuge­rech­net wer­den.

Im vor­lie­gen­den Fall etwa hieß es in den Erläu­te­run­gen der Beschei­de jeweils, dass die "fest­ge­stell­ten Besteue­rungs­grund­la­gen den Ver­an­la­gun­gen … zugrun­de gelegt [wer­den]". Dies genügt für eine Beschwer 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. Novem­ber 2018 – VIII R 39/​15

  1. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 26.04.2017 – IV B 75/​16, BFH/​NV 2017, 1056; vom 17.10.2013 – IV R 25/​10, BFH/​NV 2014, 170[]
  2. BFH, Urteil in BFH/​NV 2014, 170, Rz 28[]
  3. s. BFH, Beschluss vom 02.11.2016 – VIII B 57/​16, BFH/​NV 2017, 266; BFH, Urteil vom 27.05.2004 – IV R 48/​02, BFHE 206, 211, BSt­Bl II 2004, 964, unter 1.b bb[]