Ein­brin­gung des Besitz­un­ter­neh­mens

Die Ein­brin­gung des Besitz­ein­zel­un­ter­neh­mens in die Betriebs-GmbH gegen Gesell­schafts­an­tei­le an der über­neh­men­den Gesell­schaft ist nach § 16 EStG steu­er­bar.

Ein­brin­gung des Besitz­un­ter­neh­mens

Gemäß § 16 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG gehö­ren zu den Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb auch Gewin­ne, die erzielt wer­den bei der Ver­äu­ße­rung eines gan­zen Gewer­be­be­triebs oder eines Teil­be­triebs. Ver­äu­ße­rungs­ge­winn ist der Betrag, um den der Ver­äu­ße­rungs­preis nach Abzug der Ver­äu­ße­rungs­kos­ten den Wert des Betriebs­ver­mö­gens über­steigt (Absatz 2 der Vor­schrift). Als Ver­äu­ße­rung gilt auch die Auf­ga­be des Gewer­be­be­triebs (Absatz 3). Zur Ermitt­lung des Auf­ga­be­ge­winns bestim­men § 16 Abs. 3 Sät­ze 6 und 7 EStG: Wer­den die ein­zel­nen dem Betrieb gewid­me­ten Wirt­schafts­gü­ter im Rah­men der Auf­ga­be des Betriebs ver­äu­ßert, so sind die Ver­äu­ße­rungs­prei­se anzu­set­zen. Wer­den die Wirt­schafts­gü­ter nicht ver­äu­ßert, so ist der gemei­ne Wert im Zeit­punkt der Auf­ga­be anzu­set­zen.

Soweit der Besitz­ein­zel­un­ter­neh­mer der GmbH Maschi­nen über­ließ, war ab dem Jahr 1999 eine Betriebs­auf­spal­tung begrün­det wor­den. Zwi­schen den Betei­lig­ten ist unstrei­tig, dass der Besitz­ein­zel­un­ter­neh­mer im Besitz- wie im Betriebs­un­ter­neh­men sei­nen Wil­len durch­set­zen konn­te und der GmbH inso­weit wesent­li­che Betriebs­grund­la­gen über­las­sen hat­te. Zum Betriebs­ver­mö­gen des Besitz­un­ter­neh­mens gehör­ten die Maschi­nen und die Betei­li­gung an der GmbH 1.

Die Ver­mie­tung des Grund­stücks durch die Besitz­ein­zel­un­ter­neh­mer (Grund­stücks­ge­mein­schaft) an die GmbH begrün­det kei­ne ‑wei­te­re- Betriebs­auf­spal­tung. Es man­gelt an einer per­so­nel­len Ver­flech­tung. Der Besitz­ein­zel­un­ter­neh­mer beherrscht die Grund­stücks­ge­mein­schaft nicht, weil er an ihr nur zu 50 v.H. betei­ligt ist 2. Das Grund­stück in der … allee ist dem­nach nicht Betriebs­ver­mö­gen der Grund­stücks­ge­mein­schaft gewor­den.

Bei­der Ein­brin­gung von Betriebs­ver­mö­gen in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft gegen Gesell­schafts­an­tei­le an der über­neh­men­den Gesell­schaft han­delt es sich um einen tau­sch­ähn­li­chen und damit ent­gelt­li­chen (Veräußerungs-)Vorgang i.S. des § 16 EStG, wobei das Ent­gelt in der Gewäh­rung von Gesell­schafts­rech­ten besteht 3.

Im Streit­fall hat der Besitz­ein­zel­un­ter­neh­mer Betriebs­ver­mö­gen in die GmbH ein­ge­bracht und als Gegen­leis­tung im Wege der Kapi­tal­erhö­hung Gesell­schafts­rech­te erhal­ten. Die­se Ver­äu­ße­rung ist nach § 16 Abs. 3 Satz 1 EStG als Betriebs­auf­ga­be steu­er­bar, da der Betrieb (Besitz­un­ter­neh­men) auf­hör­te zu exis­tie­ren. Der nach § 16 Abs. 3 Satz 7 EStG gebo­te­ne Ansatz der gemei­nen Wer­te der Wirt­schafts­gü­ter im Betriebs­ver­mö­gen zur Ermitt­lung des Auf­ga­be­ge­winns führt grund­sätz­lich zur Auf­de­ckung der im Betriebs­ver­mö­gen ruhen­den stil­len Reser­ven, die vor­lie­gend im Wesent­li­chen bei der GmbH-Betei­li­gung zu fin­den sind.

Die Ein­brin­gung ist nicht nach § 20 UmwStG steu­er­lich begüns­tigt.

Wird ein Betrieb oder Teil­be­trieb oder ein Mit­un­ter­neh­mer­an­teil in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft oder eine Genos­sen­schaft (über­neh­men­de Gesell­schaft) ein­ge­bracht und erhält der Ein­brin­gen­de dafür neue Antei­le an der Gesell­schaft (Sach­ein­la­ge), so darf nach § 20 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 UmwStG das ein­ge­brach­te Betriebs­ver­mö­gen mit sei­nem Buch­wert oder mit einem höhe­ren Wert ange­setzt wer­den.

Die Vor­schrift will eine wirt­schaft­lich not­wen­di­ge Umstruk­tu­rie­rung von Unter­neh­men erleich­tern, indem ‑durch den Ansatz von Buch­wer­ten- die Auf­de­ckung stil­ler Reser­ven ver­mie­den wird 4. Wenn eine Ein­brin­gung nach dem vor­ran­gi­gen § 20 UmwStG aus­nahms­wei­se steu­er­lich begüns­tigt ist, bestim­men sich die Rechts­fol­gen der Ver­äu­ße­rung nicht nach § 16 EStG 5.

Auch der durch die Begrün­dung einer Betriebs­auf­spal­tung in Form des Besitz­un­ter­neh­mens ent­stan­de­ne Betrieb kann Gegen­stand einer Ein­brin­gung i.S. des UmwStG sein 6.

Ein Betrieb als Gan­zes ist Gegen­stand einer steu­er­lich begüns­tig­ten Sach­ein­la­ge, wenn alle funk­tio­nal wesent­li­chen Betriebs­grund­la­gen in einem ein­heit­li­chen Vor­gang auf die über­neh­men­de Kapi­tal­ge­sell­schaft über­tra­gen wer­den 7. Eine wesent­li­che Betriebs­grund­la­ge kann nur dann vor­lie­gen, wenn die Wirt­schafts­gü­ter Betriebs­ver­mö­gen sind 8.

Finanz­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 10. Dezem­ber 2015 – 1 K 3485/​13

  1. BFH, Urteil vom 14.12 2006 – III R 64/​05, BFH/​NV 2007, 1659, unter II. 1.a[]
  2. BFH, Urteil vom 02.12 2004 – III R 77/​03, BFHE 208, 215, BSt­Bl II 2005, 340, unter II. 3.[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 05.06.2002 – I R 6/​01, BFH/​NV 2003, 88[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 19.12 2007 – I R 111/​05, BFHE 220, 152, BSt­Bl II 2008, 536; Her­ling­haus in Rödder/​Herlinghaus/​van Lishaut, UmwStG, 2. Aufl.2013, § 20 Rz. 7[]
  5. BFH, Urteil vom 11.09.1991 – XI R 15/​90, BFHE 166, 425, BSt­Bl II 1992, 404, unter 2.; Schmidt/​Wacker, EStG, 34. Aufl., 2015, § 16 Rz.200; Schmitt in Schmitt/​Hörtnagl/​Stratz, 6. Aufl., 2013, § 20 UmwStG Rz. 12; Her­ling­haus in Rödder/​Herlinghaus/​van Lishaut, UmwStG, 2. Aufl.2013, § 20 Rz. 13[]
  6. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 24.10.2000 – VIII R 25/​98, BFHE 193, 367, BSt­Bl II 2001, 321; vom 01.04.2010 – IV B 84/​09, BFH/​NV 2010, 1450[]
  7. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 24.08.1989 – IV R 135/​86, BFHE 158, 245, BSt­Bl II 1989, 1014; vom 16.02.1996 – I R 183/​94, BFHE 180, 97, BSt­Bl II 1996, 342; vom 11.12 2001 – VIII R 23/​01, BFHE 197, 425, BSt­Bl II 2004, 474; vom 13.04.2007 – IV B 81/​06, BFH/​NV 2007, 1939; vom 25.11.2009 – I R 72/​08, BFHE 227, 445, BSt­Bl II 2010, 471, unter II. 3.a[]
  8. vgl. Wid­mann in Widmann/​Mayer, Umwand­lungs­steu­er­recht, § 20 UmwStG Rz. 57, Stand: Janu­ar 1992[]