Ein­heit­li­che und geson­der­te Fest­stel­lung – und die Kla­ge­be­fug­nis

Sind an einem strei­ti­gen Rechts­ver­hält­nis Drit­te der­art betei­ligt, dass die Ent­schei­dung auch ihnen gegen­über nur ein­heit­lich erge­hen kann, so sind sie nach § 60 Abs. 3 Satz 1 FGO not­wen­dig bei­zu­la­den.

Ein­heit­li­che und geson­der­te Fest­stel­lung – und die Kla­ge­be­fug­nis

Kla­gen nicht alle von meh­re­ren nach § 48 FGO Kla­ge­be­fug­ten, müs­sen des­halb die übri­gen Kla­ge­be­fug­ten mit Aus­nah­me sol­cher kla­ge­be­fug­ter Per­so­nen, die unter kei­nem denk­ba­ren Gesichts­punkt von dem Aus­gang des Rechts­streits betrof­fen sind, zum Ver­fah­ren bei­gela­den wer­den 1.

Gegen einen Bescheid über die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung der Ein­künf­te einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft kann ‑neben der Per­so­nen­ge­sell­schaft in Pro­zess­stand­schaft für ihre Gesell­schaf­ter (§ 48 Abs. 1 Nr. 1 Alter­na­ti­ve 1 FGO)- nach § 48 Abs. 1 Nr. 5 FGO jeder Betei­lig­te hin­sicht­lich einer Fra­ge, die ihn per­sön­lich angeht, Kla­ge erhe­ben.

Betrifft der Bescheid Ein­künf­te im Zusam­men­hang mit einem Wirt­schafts­gut des Son­der­be­triebs­ver­mö­gens, sind die Mit­un­ter­neh­mer per­sön­lich betrof­fen, in deren Eigen­tum das betref­fen­de Wirt­schafts­gut steht 2.

Der ‑hier erst­mals im Revi­si­ons­ver­fah­ren vor­ge­brach­te- Ein­wand des Finanz­am­tes, dass eine Rück­stel­lung allen­falls im Son­der­be­triebs­ver­mö­gen des Kom­man­di­tis­ten A bzw. B habe gebil­det wer­den dür­fen, recht­fer­tigt kei­ne Bei­la­dung der in den Streit­jah­ren an der GmbH & Co. KG betei­lig­ten Gesell­schaf­ter.

Denn nach stän­di­ger Recht­spre­chung 3 kann ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid eine Viel­zahl selb­stän­di­ger und damit auch selb­stän­dig anfecht­ba­rer Fest­stel­lun­gen ent­hal­ten, die eigen­stän­dig in Bestands­kraft erwach­sen und des­halb für die in dem näm­li­chen Bescheid getrof­fe­nen und recht­lich nach­ge­la­ger­ten Fest­stel­lun­gen Bin­dungs­wir­kung ent­fal­ten kön­nen.

Die hier streit­be­fan­ge­nen Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­de 2004 und 2005 sind jeweils nur inso­weit ange­foch­ten, als sie die selb­stän­di­ge Fest­stel­lung des Gesamt­hands­ge­winns ‑dem gegen­über die Höhe des Gesamt­ge­winns nach neue­rer Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ledig­lich eine nicht selb­stän­dig anfecht­ba­re Rechen­grö­ße dar­stellt 4- in den Streit­jah­ren betref­fen. Unge­ach­tet der Fra­ge, inwie­weit die Höhe des Gewinns oder Ver­lusts im Bereich des Son­der­be­triebs­ver­mö­gens eines Gesell­schaf­ters eine selb­stän­di­ge Besteue­rungs­grund­la­ge bil­den kann 5, ist eine der­ar­ti­ge Fest­stel­lung hier nicht im Streit. Des­halb ist nicht ersicht­lich, dass die Kom­man­di­tis­ten A und B gemäß § 48 Abs. 1 Nr. 5 FGO neben der GmbH & Co. KG kla­ge­be­fugt sein könn­ten. Ihre Bei­la­dung nach § 60 Abs. 3 Satz 1 FGO kommt somit nicht in Betracht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 13. Juli 2017 – IV R 34/​14

  1. z.B. BFH, Beschluss vom 20.02.2009 – IV R 61/​06, m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Beschluss vom 20.02.2009 – IV R 61/​06[]
  3. z.B. BFH, Urteil vom 28.05.2015 – IV R 26/​12, BFHE 249, 536, BSt­Bl II 2015, 797, Rz 17, m.w.N.[]
  4. z.B. BFH, Urteil vom 16.03.2017 – IV R 31/​14, BFHE 257, 292, Rz 18[]
  5. dazu z.B. BFH, Urteil vom 10.02.1988 – VIII R 352/​82, BFHE 152, 414, BSt­Bl II 1988, 544[]