Ein­künf­te­fest­stel­lung für aty­pisch stil­le Gesell­schaft als Grund­la­gen­be­scheid der GmbH

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 EStG sind Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb die Gewinn­an­tei­le der Gesell­schaf­ter einer OHG, einer KG und einer ande­ren Gesell­schaft, bei der der Gesell­schaf­ter als Unter­neh­mer (Mit­un­ter­neh­mer) anzu­se­hen ist. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH ist eine ande­re Gesell­schaft im Sin­ne die­ser Vor­schrift auch die aty­pisch stil­le Gesell­schaft, also eine stil­le Gesell­schaft, bei der der stil­le Gesell­schaf­ter als Mit­un­ter­neh­mer anzu­se­hen ist.

Ein­künf­te­fest­stel­lung für aty­pisch stil­le Gesell­schaft als Grund­la­gen­be­scheid der GmbH

Die aty­pisch stil­le Gesell­schaft ist selb­stän­di­ges Sub­jekt der Gewinn­erzie­lung, Gewinn­ermitt­lung und Ein­künf­te­qua­li­fi­ka­ti­on 1.

Ver­fah­rens­recht­lich sind die­se gemein­schaft­li­chen Ein­künf­te nach § 179 Abs. 2 Satz 2, § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO für den Inha­ber des Han­dels­ge­schäfts und den aty­pisch stil­len Gesell­schaf­ter geson­dert und ein­heit­lich fest­zu­stel­len 2.

Nach der Rege­lungs­tech­nik der geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung ist der Fest­stel­lungs­be­scheid bin­dend für die von ihm betrof­fe­nen Steu­er­be­schei­de (vgl. § 182 Abs. 1 Satz 1 AO).

Für eine aty­pisch stil­le Gesell­schaft, die aus einer GmbH als Inha­be­rin des Han­dels­ge­schäfts und einer natür­li­chen Per­son als aty­pisch stil­lem Gesell­schaf­ter besteht, sind die in dem Grund­la­gen­be­scheid fest­ge­stell­ten Ein­künf­te in dem Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid der GmbH und dem Ein­kom­men­steu­er­be­scheid der natür­li­chen Per­son zwin­gend umzu­set­zen. Eine umge­kehr­te Bin­dungs­wir­kung vom Fol­ge- auf den Grund­la­gen­be­scheid ist gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Febru­ar 2015 – IV R 48/​11

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 26.11.1996 – VIII R 42/​94, BFHE 182, 101, BSt­Bl II 1998, 328; vom 15.10.1998 – IV R 18/​98, BFHE 187, 250, BSt­Bl II 1999, 286; und vom 15.12 1998 – VIII R 62/​97, BFH/​NV 1999, 773[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFHE 187, 250, BSt­Bl II 1999, 286; BFH, Beschluss vom 05.07.2002 – IV B 42/​02, BFH/​NV 2002, 1447, und BFH, Urteil vom 19.12 2002 – IV R 47/​01, BFHE 201, 241, BSt­Bl II 2003, 507[]